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In immer mehr Bundesländern beginnen die Schulferien und somit dürfte die weitere Wetterentwicklung von größerem Interesse sein. Gerade im Zeitraum Ende Juni / Anfang Juli werden oft die Weichen für den Hochsommer gestellt.

Eine der bekanntesten Bauernregeln lautet: „Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag“. Wenn man diese Regel an nur einem Tag festmacht, nämlich am 27. Juni, kommt man damit kaum zu brauchbaren Ergebnissen. Bei einer etwas großzügigeren Betrachtungsweise ändert sich das aber. In vielen Jahren bliebt die Witterung, wie sie um den Monatswechsel Juni / Juli beobachtet wird, auch im weiteren Verlauf des Hochsommers in ähnlicher Weise erhalten. Oder anders ausgedrückt: Die Witterung im Hochsommer ist häufig für einige Wochen persistent. Ein Grund hierfür könnten die recht konstanten Vorgaben durch die Sonne sein. Der Sonnenhöchststand war am 21. Juni. In den Wochen nach der Sonnenwende nimmt die Kraft der Sonne zunächst nur unmerklich langsam ab und die mittlere Temperatur der Atmosphäre ist ebenfalls recht konstant.

Die große Erhaltungsneigung des Wetters zu dieser Jahreszeit macht eine längerfristige Prognose möglich, sobald die Witterung Ende Juni / Anfang Juli bekannt ist. Doch obwohl der Juni in fünf Tagen nun schon endet, sind die Vorgaben des entscheidenden Zeitraums für dieses Jahr noch immer nicht genau genug. Viele Wettervorhersagemodelle waren sich in der vergangenen Woche für mehrere Tage einig und sagten eine länger andauernde Hitzewelle ab Mitte dieser Woche voraus. Das wurde zuerst 2 Tage lang von den Modellen angeboten, dann war diese Variante plötzlich aus allen Modellen verschwunden, um danach an zwei weiteren Tagen erneut gezeigt zu werden. Und schließlich verschwand diese Option erneut. Ursache dafür sollte ein stabiles Hoch über Mitteleuropa sein. Dieses Hoch wird es am Mittwoch auch tatsächlich geben, wie unsere Abbildung zeigt. Es liegt etwas weiter nordwestlich als gedacht und sein Gegenspieler, ein Tief über Südosteuropa, mischt auch beim deutschen Wetter mit. Deshalb geht es mit den Temperaturen diese Woche nur langsam aufwärts und vor allem nach Südosten hin bleibt es noch länger unbeständig.

Die Unsicherheiten dieser Woche sind also inzwischen verschwunden, doch für das kommende Wochenende ergeben sich noch immer große Unterschiede in den Modellrechnungen. Das Tief über Südosteuropa wird abziehen, doch das Hoch weiß noch nicht, wohin es will: Zieht es Richtung Bretagne, so bleibt es bei uns leicht wechselhaft, wandert es nach Deutschland, wird es für zumindest ein paar Tage recht heiß.

Die geschilderten Unsicherheiten in den Modellen für Vorhersagen von mehr als 5 Tagen sind typisch für unser Wettergeschehen. Das Wetter ist ein chaotisches System und entsprechend schwierig ist es vorherzusagen. Dennoch hat die Witterung der kommenden zwei Wochen eine erhöhte Bedeutung für die Wochen danach. Ein wechselhafter Sommer mit kurzen heißen Phasen und einigen kühleren, wolkenreichen Abschnitten ist am wahrscheinlichsten. Einerseits, weil es für Mitteleuropa eigentlich normal ist, andererseits, weil die Witterung nach einem Ausnahmefrühjahr wie in diesem Jahr ohnehin meistens zum Unbeständigen hin kippt. Ausnahmejahre, in denen es monatelang sonnig und deutlich zu warm war, sind selten. Es gab sie in den Jahren 1947 und 2003.

Montag, 25. Juni 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 25.06.2018 19:15 Uhr