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Das Wetter bietet weiterhin Gesprächsstoff. Der Temperatursprung am Wochenende war sehr interessant, so dass es lohnt zurückzuschauen, was im Einzelnen dabei herausgekommen ist. Der Blick nach vorne zeigt Tiefdruckwetter mit Regen, den die Natur dringend braucht.

Der vergangene Sonntag war in Teilen Deutschlands der erste heiße Tage das Jahres. Am wärmsten war es in Waghäusel mit 31,3 Grad. Wie erwartet konnten wir von Freitag bis Sonntag einen markanten Temperatursprung erleben. Im Mittel über 459 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes lag die Höchsttemperatur am Sonntag um 15,8 Grad über der des Freitags. Den geringsten Temperaturanstieg verzeichnete List auf Sylt mit einer Differenz von 7,6 Grad. Sieger in dieser Disziplin wurde die Wetterstation in Freudenberg, gelegen im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Nach einen Höchstwert von 10,6 Grad am Freitag stieg das Quecksilber dort am Sonntag auf 29,7 Grad, was eine stolze Differenz von 19,1 Grad ausmacht. Extrem war auch der Unterschied zwischen den Frühwerten das Samstags und den Höchstwerten des Sonntags. An vier Wetterstationen konnte das Kuriosum verzeichnet werden, dass direkt auf einen Frosttag (Tiefsttemperatur unter 0 Grad) ein heißer Tag (Höchstwerte von mindestens 30,0 Grad) folgte. Dieser Preis geht einmal an das hessische Michelstadt und dreimal nach Baden-Württemberg, nämlich an die Orte Emmendingen, Obersulm und Bad Mergentheim. Am größten war dieser Anstieg in Bad Mergentheim. Am Samstag um 6:20 Uhr war es dort -1,3 Grad kalt, am Sonntag um 16 Uhr dann 30,6 Grad heiß. Das ist ein Unterschied von 31,9 Grad innerhalb von wenig mehr als 34 Stunden. Noch extremer war der Temperaturanstieg während der Jahrhundertwarmfront im Januar 1968. An mehreren Orten in Deutschland erwärmte es sich in einem ähnlichen Zeitraum um 36 Grad, im niederbayerischen Aldersbach sogar um 37 Grad. Am morgen des 14 Januar 1968 war es dort -28,5 Grad kalt, am Nachmittag des Folgetags +8,5 Grad mild.

Doch was hat das Wetter nun mit uns vor? In der Osthälfte ist es zunächst noch freundlich und heiß. Doch von Westen her setzt sich wieder deutlich kühleres Tiefdruckwetter durch. Am Mittwoch ist die Warmluft auch aus dem Osten verschwunden. Fast in ganz Deutschland wird es in den kommenden Tagen zeitweise regnen, teilweise kräftig. Heftige Gewitter sind auch dabei, besonders in der Osthälfte. Vielerorts wird der Regen noch immer dringend benötigt, in tieferen Bodenschichten ist das seit 2018 entstandene Wasserdefizit vielerorts bis jetzt nicht ausgeglichen worden. In Teilen des Nordostens und der Mitte fehlt trotz des unbeständigen Wetters der vergangenen Wochen auch im Oberboden Wasser. So leiden die Pflanzen in der Pfalz, in Nordbaden und in Südhessen unter Trockenstress. Bis einschließlich Freitag soll es vielerorts 20 bis 30mm regnen, von Bayern bis in den Norden und Westen auch mehr. An der Oder wird voraussichtlich am wenigsten Regen ankommen.

Montag, 10. Mai 2021

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 10.05.2021 19:15 Uhr