nebelwellen
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Im Herbst und Winter ist der Himmel oft grau durch Nebel und Hochnebel. Solange man im oder unter dem Nebel sitzt, wirkt er trist und bewegungslos. Erst der Blick von oben auf eine Nebelschicht offenbart ihre Dynamik und Schönheit.

Nebel entsteht in der Regel unterhalb einer Inversion. Innerhalb des Nebels ist es somit kälter als in der klaren Luft oberhalb. Kalte Luft ist schwerer als warme Luft. Ähnlich wie bei einer Wasseroberfläche liegt also ein dünneres Medium über einem dichteren Medium. Wenn nun in der klaren Luft der Wind mit einer anderen Stärke und Richtung weht als im Nebel, so regt er die Nebelschicht zu Schwingungen an. Auch das ist ähnlich wie bei einem Gewässer. In beiden Fällen entstehen Wellen. In einem Wellenberg wird das dichtere Medium ein Stück weit in das leichtere Medium ausgelenkt. Weil die Luft im Wellenberg einer Nebelschicht schwerer ist als die klare Luft in gleicher Höhe außenherum, wird sie durch die Schwerkraft wieder nach unten beschleunigt. Sie schwingt damit hin und her. Die Periodendauer in Sekunden gibt an, wie lange es dauert, bis die Oberfläche an einer bestimmten Stellen einmal herab und wieder noch oben schwingt. Bei Wasserwellen liegt sie typischerweise im Bereich von Sekunden, atmosphärische Schwerewellen wie die an einer Nebelschicht schwingen etwa in 5 Minuten einmal. Zeitraffervideos einer Nebelschicht, am besten mit 60-facher Beschleunigung, lassen diese mit ihren Wellen wie eine Wasserschicht aussehen.

Sogenannte „stehende“ Wellen bilden sich, wenn das dichtere Medium auf ein festes Hindernis strömt. In Flüssen sieht man sie an Wehren oder natürlichen Hindernissen im Flussbett. Aber auch bei einer Nebelschicht funktioniert das Prinzip einer stehenden Welle. Dazu muss der Nebel mit ausreichendem Wind gegen ein Gebirge gedrückt werden. Das Gebirge muss die richtige Form haben. Am besten funktioniert es bei langgestreckten Gebirgskämmen, gegen die der Nebel optimalerweise im Winkel von 90 Grad strömt. Dann muss auch noch die Nebelobergrenze in der richtigen Höhe zum Gebirge liegen. Liegt der Nebel zu tief, so wird er durch das Gebirge einfach abgeblockt und kann nicht darüber hinweg strömen. Bei einer zu mächtigen Nebelschicht wird nur ein zu kleiner Teil der Luft ausgelenkt. Die Welle bleibt dann klein und unscheinbar. Schöne stehende Wellen im Nebel kann man beobachten, wenn die Nebelobergrenze wenig höher liegt als der überströmte Teil des Gebirges. Dann muss man allerdings noch einen Aussichtspunkt finden, der höher ist als die Welle. Sonst steht man im Nebel.

Freitag, 30. November 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 30.11.2018 19:15 Uhr