quellwolkenschauerundgewitter

Quell- oder Haufenwolken (lat.: Cumulus) sind Wolken mit vorwiegend vertikaler Erstreckung (im Gegensatz zu Schichtwolken, lat.:Stratus). Wie weit sie in die Höhe wachsen können, hängt ab von der vertikalen Änderung der Temperatur und von der Luftfeuchte. Werden sie entsprechend mächtig, gehen aus ihnen schließlich Schauer und Gewitter hervor.

Der typische Tagesgang bei Hochdrucklagen in den warmen Jahreszeiten zeigt nach wolkenloser Nacht und sonnigem Morgen oft die Ausbildung von Quellbewölkung ab dem späten Vormittag. Meist lösen sich diese Schönwetterwolken (Cumulus humilis) am Abend wieder auf. Auslöser für diese Wolkenbildung ist die starke Erwärmung bodennaher Luftschichten durch die Sonne. Von dort können sich dann Warmluftblasen lösen, durch ihren Auftrieb emporsteigen und sich immer weiter abkühlen. Bis der Wasserdampf, der Teil der Luft ist, schließlich kondensiert und eine Wolke zu entstehen beginnt. Liegt in der Höhe jedoch wärmere Luft, wird das Aufsteigen mangels Auftriebs vorzeitig unterbunden und es bleibt wolkenlos.

Quellwolken, aus denen Schauer fallen, sind hoch aufgetürmte Quellwolken (Cumulus congestus). Ein solcher einzelner Wolkenturm hat oft das Aussehen eines Blumenkohls, und zeigt anfangs scharfe Wolkenränder, die aber bei weiterer Entwicklung schnell abstumpfen, wenn zum Beispiel der Oberteil der Wolke vereist und die Form eines Ambosses annimmt (Cumulonimbus).

Voraussetzung für die Entstehung solcher Schauer- und Gewitterwolken ist eine ausreichend starke Abnahme der Temperatur mit der Höhe. Auch eine hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich günstig aus. Damit überhaupt Niederschlag entsteht, sollte der obere Teil der Wolken eine Temperatur von rund –15 Grad oder weniger erreichen. Mit Hagel oder Graupel kann man in etwa bei einer Wolkenobergrenzentemperatur von –45 Grad oder darunter rechnen.

Im Sommer kann bereits durch die am Tage kräftige Erhitzung der bodennahen Luftschichten der Weg für einzelne Schauer und Gewitter geebnet werden. Verbreitet treten sie dann jedoch im Allgemeinen nur auf, wenn eine feucht-warme Luftmasse großflächig zum Aufsteigen gezwungen wird, beispielsweise im Vorfeld einer sich nähernden Kaltfront.

Im Winter können Schauer und einzelne Gewitter bei uns bevorzugt dann beobachtet werden, wenn eine bis in große Höhen kalte Luftmasse aus dem Polargebiet, rückseitig eines Tiefdruckgebietes, bis nach Mitteleuropa vorstößt. Strömt die Luft dabei auf ihrem Weg zu uns über den milden Nordatlantik oder die Nordsee, so erwärmen sich wiederum vor allem ihre unteren Schichten, und gleichzeitig werden sie mit Feuchtigkeit angereichert. Innerhalb des Kaltluftstromes bilden sich dann häufig sogenannte Schauerstraßen aus, in denen längs der Strömung ein Schauer in kurzem Abstand auf den anderen folgt.

10. Juni 2020

Dipl.-Met. Rainer Behrendt

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 10.06.2020 19:15 Uhr