saharastaub

Zum dritten Mal innerhalb von wenigen Wochen hat uns am heutigen Mittwoch Saharastaub erreicht. Wie ist es möglich, dass dieser so weit transportiert wird und was für Auswirkungen hat er auf unser Wetter?

Eine Grundvoraussetzung, damit uns Saharastaub erreichen kann, sind Staubstürme über Nordafrika. Durch diese wird der Sand aufgewirbelt und die kleineren Staubpartikel schaffen es viele Kilometer hoch in die Atmosphäre. Häufig tragen östliche Winde den Staub auf den Atlantik heraus, auf den Kanarischen Inseln kennt man das Phänomen unter dem Namen „Calima“. Regelmäßig werden auch Süditalien oder Griechenland getroffen, dort heißt der staubige und heiße Wüstenwind „Schirokko“. Der Weg bis nach Deutschland ist vergleichsweise weit, doch auch bei uns kann man mehrmals im Jahr Saharastaub feststellen.

Meistens erreicht uns der Staub durch starke Winde in 5 bis 10 Kilometer Höhe, wie aktuell. In Bodennähe hat uns, im Gegensatz zur Wärmeperiode Ende Februar, dieses Mal keine Luft aus der Sahara erreicht. Einen Einfluss auf unser Wetter hat der Staub trotzdem. Häufig entstehen im Bereich mit erhöhter Staubkonzentration hohe und Mittelhohe Wolken. Der Zusammenhang war am heutigen Morgen um 8 Uhr sehr gut zu erkennen. Das Satellitenbild zeigt genau dort Wolken, wo sich der Staub befand. Die Wolkenschicht lag in etwa 8 Kilometern Höhe. Es gab auch keinen anderen Verursacher der im Satellitenbild erkennbaren Wolkengirlande. Von Deutschland über Frankreich bis nach Spanien herrschte störungsfreies Hochdruckwetter.

Der Staub kann die Bildung von Eiskristallen bereits bei einer Luftfeuchte auslösen, die ohne Staub noch nicht zur Wolkenbildung führen würde. Er übernimmt die Rolle sogenannter Eiskeime, die Feuchtigkeit lagert sich durch Resublimation an die Staubpartikel an. Von den Wettermodellen wird diese durch Saharastaub getriggerte Bewölkung oftmals kaum oder gar nicht erfasst, die Gefahr von Fehlvorhersagen ist somit erhöht. Die Wolken können so dicht werden, dass es am Tage durch die Abschirmung der Sonne deutlich kühler bleibt als erwartet. Auf Satellitenbildern erkennt man oftmals eine gerippte Wolkenstruktur, sobald Saharastaub im Spiel ist. Ohne Staub haben hohe Wolken üblicherweise eine glatte Obergrenze. Für die Buckel gibt es eine mögliche Erklärung: Die Sandkörner sorgen nachts für eine erhöhte Wärmeabstrahlung. So kühlen Teile der Wolke stärker aus und es entstehen schwache Auf- und Abwinde.

Durch langsames Absinken der Staubpartikel, oder wenn er in tieferen Luftschichten herangeweht wird, kann sich die Aerosolkonzentration auch in Bodennähe erhöhen. Häufig bemerkt man den Staub auch erst dann, wenn er mit leichtem Regen zum Boden transportiert wird. Ein sehr blumiger Begriff für dieses Phänomen ist „Blutregen“. Starker Regen spült den Staub sofort weg, dann fällt er nicht auf.

Mittwoch, 3. März 2021

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 03.03.2021 19:15 Uhr