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Das Hochdruckgebiet "Katharina" hat sich über Mitteleuropa festgesetzt und bringt zur Freude vieler Menschen an Ostern bestes Frühlingswetter. Doch so mancher blickt auch sehr besorgt auf die nächsten Tage. Denn eins ist sicher, die Natur wird darunter leiden.

Im Nordosten Deutschlands hat es in den letzten 30 Tagen schon verbreitet weniger als 20 Liter pro Quadratmeter geregnet. Dort gilt am heutigen Gründonnerstag gebietsweise schon der höchste Waldbrandgefahrenindex 5. Die Stufen reichen von Stufe 1, sehr geringe Waldbrandgefahr, bis hin zu Stufe 5, sehr hohe Waldbrandgefahr. Für den Rest des Landes gilt großflächig schon mindestens die Stufe 3. Das bedeutet z. B., dass Grillplätze im Wald nicht mehr genutzt werden dürfen. Ab Stufe 5 ist das Betreten oder Befahren von Wäldern grundsätzlich nicht mehr empfohlen. Schon kleine Funken oder ein Zigarettenstummel können ausreichen, um einen Brand auszulösen und ganze Wälder zu vernichten. Bereits letztes Jahr brannten großflächig die Wälder im Nordosten Deutschlands.

Mittlerweile scheint die Sonne 13 bis 14 Stunden am Tag. Da am Wochenende kaum Wolken entstehen, die den Sonnenschein abschirmen könnten, wird die Sonne verbreitet um die 65 Stunden scheinen und den Boden weiter austrocknen. Heute gibt es landesweit potenzielle Verdunstungsraten von 3 bis 5 Litern pro Quadratmeter. Potenziell deswegen, da das die maximal mögliche Wassermenge ist, die bei optimalen Bedingungen und unbegrenztem Wasservorrat im Boden verdunsten könnte. Die tatsächliche Verdunstungsrate liegt in der Osthälfte Deutschlands allerdings bei etwa 1-2 Litern und in der Westhälfte bei etwa 3 Litern pro Quadratmeter. Das liegt vor allem daran, dass der Boden in der Osthälfte schon sehr viel trockener ist als in der Westhälfte. Es ist schon nicht mehr genug Wasser, das verdunsten kann. 

Da nicht nur die Wälder mittlerweile sehr trocken sind, sondern auch das umliegende Grasland, sollte man bei geplanten Grillfesten an Ostern entsprechende Vorkehrungen treffen. Neben dem Waldbrandgefahrenindex gibt es auch einen Graslandfeuer-Index, der ebenfalls von Stufe 1 bis 5 reicht. Schon heute liegt der Index fast im ganzen Land bei Stufe 3 bis 4. Etliche Kommunen reagierten daraufhin schon mit der Absage des Osterfeuers am Samstag und Sonntag. Nur in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Teilen Baden-Württembergs besteht heute kaum die Gefahr von einem Graslandfeuer. Das liegt an den Niederschlägen, die in den letzten 48 Stunden gefallen sind. Bei einer Verdunstungsrate von etwa 3 Litern pro Quadratmeter halten die gefallenen Niederschläge von 5 bis 10 Litern größtenteils nicht einmal bis zum Ostersamstag vor. Dann wird auch in diesen Bundesländern mindestens die Gefahrenstufe 4 erreicht.

So schön ein sonniges Osterfest auch sein mag, in Gedanken sollte man die mitunter verheerenden Auswirkungen dieser Trockenheit auf die Natur nicht übersehen.

 

Donnerstag, 18. April 2019

Pila Bossmann
ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 18.04.2019 19:15 Uhr