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Wann empfinden wir es als schwül?

Nach der ersten Hitzewelle am Mittwoch ist in weite Landesteile deutlich kühlere und auch trockenere Luft eingeflossen. Doch zum Wochenende steht ein erneuter Vorstoß sehr heißer Luft aus Südwesteuropa bevor. Vor allem in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit steigt das Schwüle-Empfinden und die Belastung für den Kreislauf nimmt zu.

Entscheidend für das Schwüle-Empfinden ist die Menge des in der Luft enthaltenen Wassers. Ab etwa 13,5 Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft wird es für viele Menschen hierzulande unangenehm. Da die Luft bei höherer Temperatur mehr unsichtbaren Wasserdampf enthalten kann entspricht diese Menge absoluten Wassers bei 20 Grad etwa 80 Prozent relativer Feuchte, bei 30 Grad jedoch nur etwa 45 Prozent. Bei 16 Grad würde die relative Feuchte dann sogar 100 Prozent betragen und es würde sich Nebel bilden. Diese Temperatur ist der sogenannte Taupunkt.

Bis Sonntag steigt der Taupunkt in weiten Teilen Deutschlands vor allem nachmittags, wenn die Verdunstung in Bodennähe hoch ist, deutlich über 16 Grad, nur direkt an den Küsten und im Bergland bleibt es erträglicher. In den Niederungen im Westen, vor allem an Rhein und Main wird der Taupunkt sogar über 20 Grad liegen, was mit einer großen Hitzebelastung einher geht.

Diese Bedingungen werden als besonders unangenehm wahrgenommen, da das Schwitzen nun nicht mehr so gut funktioniert, wie bei trocken-heißen Verhältnissen. Denn beim Verdunsten des abgesonderten Schweißes auf unserer Hautoberfläche wird der Umgebung viel Energie in Form von Wärme entzogen, wodurch die Luft direkt über der Hautoberfläche gekühlt wird. Bei einer hohen Luftfeuchtigkeit möchte die Umgebungsluft ungern noch mehr Wasser aufnehmen, wodurch die Verdunstung behindert wird. Die Haut mag zwar schweißnass sein, aber wenn kaum etwas davon verdunstet gibt es auch keinen Kühleffekt man schmort sprichwörtlich im eigenen Saft. Diesen Effekt macht man sich auch bei einem Sauna-Aufguss zu Nutze. Hierbei lässt einem übrigens nur der Anstieg Luftfeuchtigkeit den Schweiß ausbrechen. Die Temperatur bleibt unverändert, auch wenn es sich ganz anders anfühlt.

Abhilfe schafft bei großer Schwüle ein Ventilator, dessen Luftzug die Verdunstung unterstützt. Jedoch macht es wenig Sinn diesen in Abwesenheit laufen zu lassen, denn die Temperatur wird hierdurch nicht abgesenkt, so lange nichts verdunstet. Es wird sogar eher noch ein bisschen wärmer, da der Motor, welcher den Ventilator antreibt Abwärme produziert. Es macht auch wenig Sinn, die Kühlschranktür zu öffnen, da das Kühlaggregat ebenfalls eine enorme Menge Wärme produziert, damit es im Innern schön kühl bleibt. Am besten Lüftet man früh morgens durch, wenn die Luft am kühlsten ist und verdunkelt tagsüber die Fenster, damit möglichst wenig Wärmestrahlung durch die Glasscheiben in die Innenräume gelangt.

Freitag, 28. Juni 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 28.06.2019 19:15 Uhr