Shapirokeyser

Das außergewöhnliche Sturmtief Brigitte ist am Wochenende über Mitteleuropa gezogen und brachte Orkan und jede Menge Regen mit sich. Vor allem die Überschwemmungen in den Westalpen haben katastrophale Schäden angerichtet und forderten auch Menschenleben.

Sturmtief Brigitte entwickelte sich Mitte letzter Woche südlich von Irland und traf in der Nacht zum Freitag auf die Westküste Frankreichs. Dort wurden in der Nacht Windgeschwindigkeiten von 185 km/h an der Station Le Talut, 157 km/h in Beg Melen und im Landesinneren wurden immerhin stattliche 130 km/h in Cholet gemessen. Etwa 24 Stunden später erreichte das Sturmtief die Alpen in der Nacht auf Samstag mit Spitzenböen von 176 km/h auf dem Patscherkofel und 158 km/h auf der Rudolfshütte in Österreich. Doch nicht nur die hohen Windgeschwindigkeiten waren verheerend, die massiven Niederschläge in sehr kurzer Zeit führten zu katastrophalen Überschwemmungen in den westlichen Alpen. Allen voran war die Region Piemont betroffen. Hier fielen innerhalb 24 Stunden verbreitet 120 bis örtlich knapp 500 Liter auf den Quadratmeter. Zum Vergleich die Jahresniederschlagsumme von Frankfurt ist etwa 660 Liter pro Quadratmeter.

Sturmtief Brigitte war nicht nur in Anbetracht des extremen Wetters etwas Besonderes. Dieses Tiefdruckgebiet hat nämlich andere Eigenschaften als ein normales Tiefdruckgebiet mit einem kalten Kern und einer Kaltfront, die die Warmfront einholt. Dieses Sturmtief war eine Shapiro Keyser Zyklone, benannt nach ihren Entdeckern M.A. Shapiro. und D. Keyser. Diese Zyklonenart besitzt tropische Charaktereigenschaften wie den warmen Tiefdruckkern. Hier wickelt sich die Warmfront um das Zentrum herum und die Kaltfront verläuft senkrecht und abgetrennt vom Mittelpunkt. Auf Satellitenbildern hat das Tiefdruckgebiet meist eine ausgeprägte Spiralstruktur. Das in Zugrichtung vorgelagerte breitere Wolkenband sieht aus wie ein Hammerkopf. Genau zwischen der Warmfront und der abgetrennten Kaltfront findet man die höchsten Windgeschwindigkeiten im sogenannten Sting Jet. Wettermodelle haben oft Probleme die genaue Position des Sting Jets richtig vorherzusagen, da ihre Maschenweite zu groß ist, um das kleinräumige Auftreten des Sting Jets zu erfassen.

Für Deutschland hatte das Sturmtief nur mäßige Auswirkungen. Der Herbst ist nun komplett angekommen mit wechselhaftem Wetter, lebhaftem Wind und dem so dringend benötigten Regen. Auch die Temperaturen sind durchschnittlich herbstlich. Daran wird sich auch in den kommenden Tagen nichts ändern.

Montag, 5. Oktober 2020

Pila Bossmann

ARD-Wetterredaktion