murmeltier

Sieht das Murmeltier Phil seinen Schatten?

Am 2. Februar wird in den USA der Groundhog Day, also der Murmeltier-Tag gefeiert. An diesem Lostag entscheidet das Verhalten ausgewählter Nagetiere über den weiteren Verlauf des Winters.

Auch in Punxsutawney, Pennsylvania, dem Mekka der Murmeltier-Anhänger, wird am Groundhog Day morgens um 7:15 Uhr am Gobbler’s Knob in einer feierlichen Zeremonie das wohl berühmteste Murmeltier bzw. eine seiner Inkarnationen, namentlich Punxsutawney-Phil, aus seinem Bau gelockt, und das nunmehr zum 134-ten mal. Sieht es seinen Schatten, scheint also die Sonne, so bleibt es noch sechs Wochen Winter, so die Regel.

Der Brauch geht ursprünglich auf die Lichtmess am 2. Februar zurück, die in der katholischen Kirche früher das Ende der Weihnachtszeit markierte. Auch hierzulande gibt es Bauernregeln, die dem Wetter an diesem Lostag eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung der kommenden Wochen beimisst: „Ist’s an Lichtmess rein und hell, kommt der Frühling nicht so schnell“. Herrscht also kaltes und klares Hochdruckwetter Anfang Februar, so sollte sich diese Wetterlage noch längere Zeit halten.

Da jedoch in den kommenden Wochen die Tageslänge markant zunimmt, ist auch beim Wetter mit grundlegenden Umwälzungen zu rechnen. Ob sich eine Wetterlage in dieser Übergangszeit tatsächlich längerfristig etablieren kann, darf angezweifelt werden. So liegt Phils Trefferquote auch nur bei etwa 40 Prozent.

Zudem scheint es fragwürdig, ob eine solche Regel einfach so von Europa nach Nordamerika übertragbar ist. Dort herrschen aufgrund der Nord-Süd-Ausrichtung der Rocky-Mountains besondere Rahmenbedingungen für heftige Wetterentwicklungen, wie Blizzards oder auch Tornados, da eben sehr unterschiedlich temperierte Luftmassen aufeinander treffen können. In Europa wirken dagegen die von Ost nach West ausgerichteten Alpen eher wie eine natürliche Barriere, die solch heftige Entwicklungen zum Glück eher erschwert.

Hierzulande ist es dieser Tage jedenfalls vorfrühlingshaft mild aber auch sehr regnerisch. Am Oberrhein wurden sogar über 15 Grad erreicht. Doch über Nordosteuropa lauert immer noch ein riesiges Kaltluftreservoir. Falls es sich in Richtung Mitteleuropa in Bewegung setzt, so würde es hierzulande eine Kältewelle geben, was Mitte Februar ja durchaus nicht ungewöhnlich wäre. Dagegen helfen dann auch keine nicht-Schatten-werfende Murmeltiere.

Freitag, 31. Januar 2020

Tim Staeger

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 31.01.2020 19:15 Uhr