hagibis

Über den tropischen Meeren der Nordhalbkugel ist die Saison tropischer Wirbelstürme noch voll im Gange. Am wärmsten ist das Wasser dort im Spätsommer, aber auch jetzt im Oktober reicht das Energieangebot noch zur Bildung dieser Stürme aus.

Aktuell dreht der Taifun mit dem Namen „Hagibis“ seine Kreise über dem Westpazifik. Die Geburt des Sturms liegt schon ein paar Tage zurück. Zunächst zog ein tropisches Tief unter Verstärkung entlang des 15. nördlichen Breitenkreises westwärts. Am Donnerstag, den 3. Oktober, war ein tropischer Sturm daraus geworden (einminütiges Windmittel zwischen 63 und 118 km/h). Zwei Tage später handelte es sich um einen Taifun, der sich rasch bis zur höchsten Kategorie für tropische Wirbelstürme verstärkte. Aktuell liegen die mittleren Windgeschwindigkeiten im stärksten Bereich des Sturms bei 260 km/h und Böen bis 320 km/h sind möglich. Hagibis ist damit der bisher stärkste Taifun der Saison, Hurrikan Dorian war noch etwas stärker.

Direkt im Zentrum tropischer Wirbelstürme ist es allerdings ruhig. Dort befindet sich das 30 bis 50 Kilometer große Auge mit schwachem Wind und Auflockerungen, ein Ort der Ruhe inmitten der Hölle. Tropische Wirbelstürme werden oft mit Tornados verwechselt. Letztere erreichen im Extremfall zwar noch höhere Windgeschwindigkeiten, dafür sind sie aber relativ kleinräumige Phänomene von mehreren 100 Metern bis wenigen Kilometern Durchmesser. Tropische Wirbelstürme sind relativ groß. Der von Wolken und zum Teil sintflutartigen Regenfällen bedeckte Bereich hat einen Durchmesser von vielen hundert Kilometern, aber auch das Orkanfeld ist deutlich über 100 Kilometer groß.

Hagibis tobt aktuell über offenem Wasser. Ein paar kleinere pazifische Inseln werden dennoch vom Taifun bedroht, es gelten entsprechende Unwetterwarnungen. Spannend wird es am kommenden Wochenende. Am Samstag erreicht Hagibis Japan. Die Ortsmarkierungen in obiger Grafik beziehen sich immer auf 0 UTC, bzw. 9 Uhr japanischer Zeit. An der japanischen Südküste soll der Sturm zwar etwas abgeschwächt, aber noch immer als Taifun der Kategorie 2 aufschlagen. Die mittleren Winde lägen dann im stärksten Bereich des Sturms bei 170 km/h und die Böen bei 210 km/h. Außerdem ist viel Regen zu erwarten. Innerhalb eines Tages wird es mancherorts um 300 l/m² regnen. Nach den aktuellen Vorhersagen würde Hagibis genau über Tokio ziehen. Drei Tage vorher ist diese Prognose natürlich noch mit Unsicherheiten behaftet. Angesichts der Größe eines Taifuns wird es dennoch mit größter Wahrscheinlichkeit am Wochenende einige Schadensmeldungen aus Japan geben.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 09.10.2019 19:15 Uhr