globalwarming
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In der Arktis taut zunehmend Permafrost. Der dadurch freigesetzte Kohlenstoff beschleunigt den Treibhauseffekt.

Auf der Nordhalbkugel sind nahezu 23 Millionen Quadratkilometer Landfläche ganzjährig gefroren. Doch vor allem im hohen Norden ist die jüngste Erwärmung besonders ausgeprägt. Nun taut in zunehmendem Maße organisches Material auf, welches seit Jahrtausenden im Boden gebunden war. Wie viel zusätzliches CO2 kann hierdurch freigesetzt werden?

Dieser Frage ist man an der Universität von Colorado in Boulder nachgegangen. Es wurden unterschiedliche Szenarien künftiger Entwicklungen herangezogen und mit einem Klimamodell kombiniert, welches die Reaktion des Permafrosts auf die Erhöhung der Lufttemperatur abschätzt. Tatsächlich finden sich die höchsten Erwärmungsraten der bodennahen Lufttemperatur der vergangenen Jahre über den großen Kontinenten und vor allem in den hohen Breiten der Nordhemisphäre, also im Bereich des Permafrosts. Dieser Trend setzt sich im 21. Jahrhundert sehr wahrscheinlich weiter fort.

 Im Norden Kanadas und Alaskas, in Sibirien und auch im Norden Skandinaviens, taut lediglich, falls überhaupt, die oberste Bodenschicht im Sommer auf. Darunter befindet sich eine bis zu 1000 Meter mächtige Schicht, welche seit Jahrtausenden nicht mehr aufgetaut war, und in der riesige Mengen an organischem Material, überwiegend Wurzelreste, abgelagert sind. Infolge der globalen Erwärmung tauen nun mehr und mehr der organischen Reste auf, wodurch sie der Zersetzung durch Bakterien anheim fallen und das in ihnen enthaltene Kohlendioxid innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit wieder in die Atmosphäre gelangen kann. Das wiederum verstärkt den Treibhauseffekt, wodurch die globale Mitteltemperatur weiter ansteigt – eine sich selbst verstärkende Rückkopplungsschleife.

Bis zum Jahr 2200 tauen je nach zugrunde gelegtem Emissionsszenario schätzungsweise etwa 30 bis 60 Prozent des weltweiten Permafrosts auf. Dadurch könnten bis zu 190 Gigatonnen Kohlenstoff freigesetzt werden. Das entspricht fast der Hälfte der Menge, welche im Zuge der Industrialisierung seit 1820 von der gesamten Menschheit in die Atmosphäre entlassen wurde.

Dienstag, 9. April 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 09.04.2019 19:15 Uhr