trockeneraumluft

Während der kalten Jahreszeit ist die Luft in Wohnräumen häufig relativ trocken. Welche Ursache liegt dem zugrunde, und wie kann man Abhilfe schaffen?

Luft kann stets nur eine bestimmte Menge an Wasserdampf, also gasförmigen Wassers, enthalten. Diese Menge hängt von der Temperatur ab. Je höher die Temperatur liegt, desto mehr Wasserdampf kann vorhanden sein. Wird diese Maximalmenge erreicht, spricht man von Sättigung. Dann kommt es zur Kondensation. Bei einer Temperatur von 0 °C wird die Sättigung bereits bei 4,8 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter Luft erreicht (Einheit: g/m³), bei +10°C sind es 9,4 g/m³ und bei 22 °C schließlich 19,4 g/m³. Zwischen 0 und 22 °C steigt der maximal mögliche Gehalt an Wasserdampf also um das Vierfache an.

Eine im Alltag gebräuchlichere Größe stellt die relative Luftfeuchtigkeit dar. Sie beschreibt das Verhältnis aus aktuellem Wasserdampfanteil zu seinem Sättigungswert, angegeben in Prozent. Ist die Luft gänzlich frei von Wasserdampf, ergibt sich eine relative Luftfeuchtigkeit von 0%. Bei Erreichen des Sättigungswertes und einsetzender Kondensation liegen 100% relative Luftfeuchtigkeit vor. Der Bereich etwa zwischen 40 und 70% kann im Wohnbereich als normal und für das Wohlbefinden günstig angesehen werden.

Weil die maximal mögliche Wasserdampfmenge mit der Temperatur schwankt, ändert sich auch die relative Luftfeuchtigkeit mit der Temperatur. Insbesondere, wenn der aktuelle Wasserdampfanteil der Luft konstant bleibt. Das heißt der Luft wird weder Wasserdampf zugeführt noch entzogen. Dann hängt die relative Luftfeuchtigkeit ausschließlich von der Temperatur der ab (Anmerkung: Der Luftdruck hat außerdem Einfluss, dieser soll hier aber vernachlässigt werden).

Wie erklärt sich nun aber die trockene Raumluft. Ein Zahlenbeispiel: Nehmen wir an, im Freien würde eine Temperatur von 0°C herrschen. Außerdem gehen wir, wie dieser Tage häufig beobachtet, von Nebel aus. Der Wasserdampf wäre also gesättigt, womit die Luftfeuchtigkeit 100% betragen würde. Was passiert, wenn wir uns nun dazu entscheiden, die Wohnung durchzulüften? Angenommen, die Raumluft würde dabei vollständig durch die Außenluft ersetzt und anschließend auf 22 °C aufgeheizt, dann würde die relative Luftfeuchtigkeit mit der Erwärmung auf einen Wert von nur noch 25% absinken.

Zwar wird es in der Realität nie gelingen, beim Lüften die Innenluft komplett auszutauschen. Außerdem führt die Verdunstung innerhalb der Wohnung, sei es durch die Transpiration und Atmung der Bewohner selbst oder durch deren Aktivitäten wie Kochen und Waschen, nach einiger Zeit zum Anstieg der Luftfeuchtigkeit. Trotzdem unterschreitet diese in der Heizperiode des Öfteren ihren Normalbereich. Dennoch sollte man auf regelmäßiges Lüften nicht verzichten.

Abhilfe können beispielsweise Zimmerpflanzen schaffen. Einen raschen und kurzzeitigen Gewinn an Luftfeuchte kann das Trocknen von Hand- oder Badetüchern an den Heizkörpern bringen. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, denn eine zu hohe relative Luftfeuchte steigert wiederum die Gefahr von Schimmelbildung. Vor allem in Wohnungen mit schlechter Dämmung kann die Luftfeuchtigkeit etwa hinter Schränken, die an einer kühlen Außenwand stehen, schnell ungünstig hohe Werte erreichen. Man sollte es mit solchen Befeuchtungsmaßnahmen also nicht übertreiben.

Donnerstag, 14. November 2019

Dipl.-Met. Rainer Behrendt

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 14.11.2019 19:15 Uhr