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Das Wetter ändert sich in den kommenden Tagen kaum. Wie seit Wochen bleibt es im Norden meistens trocken. Die teilweise heftigen Gewitter im übrigen Land treten nur lokal auf und verabschieden sich ohnehin bald schon wieder aus Deutschland.

Die in vielen Regionen anhaltende Trockenheit stellt ein immer größeres Problem dar. Sie ist eine Folge der seit vielen Wochen vorherrschenden Witterung. Der letzte im Bundesmittel zu nasse Monat war der Januar, seitdem erreichte kein Monat mehr die übliche Niederschlagsmenge. Teilweise extrem trocken ist es seit Mai (siehe Abbildung). So brachte es der Mai im Norden Deutschlands nur auf Regenmengen um 20 Prozent des langjährigen Mittels. Der Juni blieb in Sachsen-Anhalt und Thüringen extrem trocken, aber auch im zuvor schon gebeutelten Norden regnete es viel zu wenig. Deutlich besser kam im Mai die Südhälfte und im Juni der äußerste Westen und Südosten davon. Teilweise wurde dort das Niederschlagssoll erfüllt oder überschritten. Diese Regenfälle resultierten allerdings meistens aus Gewittern und waren daher sehr ungleich verteilt. Während es in den genannten Regionen örtlich Unwetter mit Überschwemmungen gab, blieb es wenige Kilometer daneben zum Teil trocken.

Die meisten Meldungen über Trockenschäden und über andere Probleme als Folge der aktuellen Witterung kommen aus dem Norden und dem Osten Deutschlands. Mancherorts ist die Waldbrandgefahr extrem hoch (gestriges Wetterthema). Aber auch auf den Feldern reicht der kleinste Funke, um das ausgetrocknete Getreide in Brand zu setzen. Es gab bereits einige Brände und oftmals stellt selbst der Nachschub von Löschwasser ein Problem dar. Teilweise ist mit erheblichen Ernteeinbußen zu rechnen. Der Bauernverband in Brandenburg rechnet mit Ausfällen von 20 bis 50 Prozent. Aus einigen landwirtschaftlichen Betrieben ist von Noternten zu hören. Noch unreif wird das mickrige Korn geerntet, ehe es völlig vertrocknet oder einem Brand zum Opfer fällt. Oft taugt es zur Mehlproduktion nicht mehr, es kann lediglich noch zur Energieerzeugung genutzt werden. Die Ernte selbst wiederum erhöht die Brandgefahr. Da reicht ein winzig kleiner Funke, wie er beim Schneidevorgang eines Mähdreschers entstehen kann. Unter den schlechten Ernten leidet in weiterer Folge auch die Tierhaltung, das Futter wird knapp und muss teuer aus anderen Quellen zugekauft werden. Es gibt Gemeinden, in denen wegen der Wasserknappheit das Bewässern von Gärten oder das Waschen von Autos bereits verboten ist. Der in Thüringen gelegene Ort Etzleben gehört mit 511 l/m² mittlerem Jahresregen ohnehin schon zu den trockensten Regionen Deutschlands. Doch aktuell hat die Trockenheit dort besonders stark zugeschlagen. Im Mai regnete es nur 17 und im Juni 2 l/m². In Summe brachten es diese beiden Monate dort auf lediglich 16 Prozent des Regensolls.

Ursache für die Trockenheit ist das Ausbleiben der für unser Klima eigentlich typischen Westwetterlagen. Normalerweise ziehen immer wieder atlantische Tiefausläufer über Deutschland hinweg und bringen den gleichmäßigen Landregen, wie er jetzt dringend gebraucht wird. Eine endgültige Einstufung der aktuellen Dürre im Norden und Osten Deutschlands wird abschließend erst möglich sein, wenn sie zu Ende ist. Dann wird man sehen, wie sie im Vergleich zu den Trockenphasen der Jahre 1911, 1947, 1976, 1983 oder 2003 ausgefallen sein wird.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 05.07.2018 19:15 Uhr