schneemangel

In Teilen Deutschlands hat es geschneit und das Winterwetter wird sowohl im Fernsehen, als auch im Netz immer wieder thematisiert. Doch vielleicht gehören sie zu der nicht geringen Anzahl von Leuten, an deren Wohnort sich der Winter noch nicht gezeigt hat.

Im Norden und in den westlichen Niederungen liegt aktuell kein Schnee, teilweise gibt es nicht einmal Nachtfrost. Anders sieht es im Bergland aus, wo recht verbreitet Schnee zu finden ist, auf den höheren Gipfeln vielfach um 20 Zentimeter. Die Schneelage wird sich in den kommenden Tagen verbessern. Doch in den Lagen unterhalb von 300 Metern Höhe tut es sich nach wie vor schwer, da sich dort meistens kein Dauerfrost einstellen wird. Vor allem im Norden schneit es teilweise mehr, als zugleich wieder taut. In Hamburg sollte es beispielsweise bald für eine matschige Schneedecke reichen.

Dieses Wetter für sich betrachtet ist ganz normal für einen deutschen Winter. Doch wenn man sich die Wetterlage anschaut, sieht man, dass etwas nicht stimmt. Aktuell wird das Wetter von Tiefdruckgebieten bestimmt und die Luft strömt aus Osten nach Deutschland. Es gibt eigentlich kaum eine bessere Wetterlage für Winterliebhaber. Normalerweise herrscht in so einem Fall im ganzen Land Dauerfrost und selbst am Rhein oder im Emsland hat man gute Chancen auf eine Schneedecke. Was sind die Ursachen für die aktuell ungewöhnlich milde Ostwetterlage?

Im Herbst 2020 waren Teile der Arktis so lange eisfrei wie noch nie seit Beginn der detaillierten Meereisbeobachtung im Jahre 1979. Begünstigt durch die Wasserflächen zeigten sich die Monate November und Dezember 2020 im Raum Spitzbergen und Franz-Josef-Land etwa 10 Grad wärmer als üblich. Diese Tatsache erschwert ein Ansammeln von Kaltluft über Nordosteuropa. Hinzu kam eine extrem persistente Wetterlage mit einem starken Hoch über Westrussland. Über viele Wochen konnte dort eine positive Druckanomalie beobachtet werden. Durch diese Druckkonstellation herrschten in Ost- und Nordosteuropa milde Südwinde vor. Weite Landflächen, die normalerweise unter einer Schneedecke liegen, sind jetzt schneefrei.

Unsere Abbildung zeigt, wo aktuell eine nennenswerte Schneedecke von mindestens 10 Zentimetern zu finden ist (weiße Fläche) und eine grobe Aschätzung dafür, wo im Zeitraum zwischen 1961 und 1990 jetzt im Januar üblicherweise Schnee lag (graue Fläche). Die Luft strömt aktuell von der Ukraine über Weißrussland und Polen zu uns. Normalerweise käme sie aus Regionen mit einer Schneedecke und wäre schon alleine deshalb deutlich kälter als sie es ist. Schnee isoliert, weniger Wärme aus dem Boden gelangt in die Luft.

Im Augenblick sind die Wege zur Beischaffung echter Winterluft weiter als üblich, die Luft müsste aus dem Nordwesten Russlands kommen. Dennoch ist es möglich, dass es auch diesen Winter noch richtig kalt wird, die Karten werden Mitte Januar neu gemischt. Es ist bisher nur eine Minderheit der Modellrechnungen, nach denen uns Mitte Januar echte Frostluft erreichen soll. Da dies in den Wintern seit 2014 kaum vorkam, ist vielleicht jetzt die Zeit dafür reif.

Dienstag, 5. Januar 2021

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 05.01.2021 19:15 Uhr