turbulenteswetter

Selbst Regenschirm schützt mancherorts nicht vor Regen, Schnee und Wind

Der Regenschirm ist beim Gang ins Freie bei vielen Regen-, Schnee- und Graupelschauern zwar angebracht, dennoch schützt dieser nicht überall vor dem nass werden, da die kühlen Duschen im Zusammenspiel mit dem Wind gerne den horizontalen Weg nehmen. In vielen Medien wird unter anderem deshalb vom turbulenten Wetter berichtet. Aber was macht eine turbulente Wetterlage aus  und welche meteorologischen Gegebenheiten müssen dafür vorliegen?

Prinzipiell sprechen wir als Meteorologen von einer turbulenten Wetterlage, wenn die Wettererscheinungen in kurzer Zeit stark variieren können und wenn hohe Windgeschwindigkeiten mit Sturmböen mit von der Partie sind. Dabei wechseln sich in der Regel Schauer mit Sturmböen mit kurzen trockenen Abschnitten ab. Selbst Winterfreunde können bei solchen Wetterlagen kurzzeitig auf ihre Kosten kommen, wenn bei starken Schauern die Schneefallgrenze bis in die Niederungen absinken kann. Viele Menschen meiden es bei dem Wetter vor die Tür zu gehen, doch für Meteorologen ist turbulentes Wetter sehr spannend, da verschiedene Prozesse in unterschiedlichen Extremen stattfinden können. 

Wie entsteht nun eine turbulente Wetterlage im Winter?

In der Regel findet eine solche Wetterlage statt, wenn ein hoher horizontaler Druckgradient zwischen einem Tief- und einem Hochdrucksystem vorhanden ist. Bei hohem Druckgradient verengen sich die Isobaren, also die Linien gleichen Drucks. Durch den Wind wird ein solches Druckgefälle ausgeglichen. Werden dabei noch wärmere von kühleren Luftmassen verdrängt, so steht dem turbulenten Wetter im Winter nichts mehr im Weg. Genau so eine Wetterlage kann man heute über Deutschland vorfinden. Dabei fließt vor allem in der Höhe sehr kalte Luftmassen ein. In niedrigeren Luftschichten ist die Luftmasse aber noch ziemlich mild. Eine hohe Differenz der Temperatur in höherer Luftschicht im Vergleich zur Bodenschicht führt zu einer instabilen Luftschichtung. So betragen die Temperaturen in rund 5.3 km Höhe -34 bis -37 Grad,  in rund 1300 Metern -4 bis -6 Grad. Bei so einer instabilen Luftschichtung können sich hochreichende Schauer- und Gewitterwolken entwickeln, die die Luftmasse von tieferen in die höheren Luftschichten transportiert oder umgekehrt. Dabei werden starke vertikale Winde erzeugt. Da die Luftmasse sich in der Höhe schneller bewegt, werden sie besonders vor Schauer und Gewitter nach unten gemischt, was Sturmböen zu Folge hat.

Wie auch beim horizontalen Druckgefälle, so gilt auch beim vertikalen Temperaturunterschied, je höher die Differenz desto kräftiger sind die Wettererscheinungen. Da beides momentan im erheblichen Maß vorhanden ist, kann an diesem Dienstag und auch am Mittwoch turbulentes Wetter bestaunt werden. 

Elias Arndt

ARD-Wetterkompetenzzentrum

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 28.01.2020 19:15 Uhr