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Ein Druckgebilde bestimmt dieser Tage im Wesentlichen die Großwetterlage: Ein umfangreiches und starkes Hochdruckgebiet, das sich über große Teile Europas erstreckt.

Seine Lage und seine Intensität prägen die Windverhältnisse und die Temperaturverteilung in einem entsprechend ausgedehnten Gebiet (siehe Abbildung). Auf der Nordhalbkugel werden Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn umströmt. So wird der europäische Kontinent momentan hauptsächlich von kalten östlichen Winden beeinflusst, während auf der anderen Seite des Hochdruckzentrums über dem Nordatlantik und Polarmeer milde westliche Winde wehen.

Diese Situation stellt die Verhältnisse die im Winter die Regel sind ziemlich genau auf den Kopf. Denn im langjährigen Mittel findet man zu dieser Zeit im Jahr nördlich und nordwestlich von uns ein gut ausgeprägtes Gebiet mit niedrigem Luftdruck – das sogenannte Islandtief. Weil Tiefdruckgebiete in der Nordhemisphäre im Gegenuhrzeigersinn umströmt werden, kann auf diese Art mit westlichen Winden häufig milde Atlantikluft in Richtung Kontinentaleuropa vorstoßen.

Unsere Abbildung zeigt neben dem Hoch und seiner Umströmung auch die aktuelle Abweichung der Temperatur in einer Höhe von rund 1500 Metern NN von ihrem langjährigen Mittelwert um diese Jahreszeit. Regionale Kleinstrukturen, Tag-Nachtschwankungen oder etwa Effekte des Windes und der Bewölkung auf die Temperatur sind ab dieser Höhe bereits merklich geringer als in Bodennähe. Andererseits ist man noch nicht zu hoch, um nicht noch Rückschlüsse auf die Situation in Bodennähe ziehen zu können. Oder anders gesagt: Oben kalt oder warm heißt in der Regel auch unten kalt bzw. warm. Solche Darstellungen geben also einen unverfälschten und dennoch aussagekräftigen Eindruck vom großräumigen Geschehen.

Vom Norden Russlands über Mitteleuropa bis hinaus auf den Atlantik liegen die Temperaturen aktuell unter den Normalwerten. Eine extreme negative Abweichung von teilweise mehr als 12 Kelvin findet sich im Bereich West- und Mitteleuropas. Gleichzeitig herrschen im hohen Norden Europas durchweg zu hohe Temperaturen vor. Östlich Grönlands und Islands erreicht die positive Abweichung Werte um 10 Kelvin.

Dienstag, 27. Februar 2018

Dipl.-Met. Rainer Behrendt

hr/ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 27.02.2018 19:15 Uhr