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Wieso sinkt die Temperatur über einer geschlossenen Schneedecke so stark ab?

Neben einem klaren oder gering bewölkten Himmel und windschwachen Verhältnissen spielt beim nächtlichen Absinken der bodennahen Lufttemperatur vor allem auch das Vorhandensein einer geschlossenen Schneedecke eine entscheidende Rolle.

Ohne Schnee dringt die kurzwellige Sonnenstrahlung tagsüber in den Erdboden ein und erwärmt diesen. Von dort wird die Wärme dann an die untere Luftschicht abgegeben, wodurch diese sich ebenfalls erwärmen kann. Eine geschlossene Decke frisch gefallenen Schnees reflektiert aufgrund ihrer weißen Oberfläche 80 bis 90 Prozent der einfallenden Sonnenstrahlung direkt wieder nach oben zurück. Bei Altschnee reduziert sich das Reflexionsvermögen, je nach Verschmutzung auf etwa 45 bis 80 Prozent. Die in den Schnee eindringende Energie schmilzt diesen, wodurch aber keine Erhöhung der Umgebungstemperatur bewirkt wird, da ja die ganze Energie zum Schmelzen verwendet wird. Somit bleibt es am Tage über einer geschlossenen Schneedecke durchaus mehrere Grad kälter, als über dem schneefreien Erdboden.

Das sind schon mal gute Startbedingungen für die darauf folgende lange Winternacht. Nach Einbruch der Dunkelheit gibt der Erdboden normalerweise die tagsüber empfangene Energie in Form von langwelliger Wärmestrahlung wieder an die darüber liegenden Luftschichten ab. Dieser Wärmestrom wird durch den Schnee unterbunden, der wie eine isolierende Deckschicht wirkt. Gleichzeitig kann Schnee selbst sehr effektiv Wärmestrahlung abgeben, wodurch die Luftschicht direkt über der Schneedecke besonders stark auskühlt.

Freitag, 1. Februar 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 01.02.2019 19:15 Uhr