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Am Wochenende droht verbreitet Nachtfrost – sind das schon die Eisheiligen?

Gartenliebhaber wissen, dass man frostempfindliche Pflanzen erst nach der kalten Sophie am 15. Mai ins Freie setzen sollte. Nachdem am gestrigen Feiertag mit Ausnahme des hohen Norden hierzulande verbreitet Höchstwerte um 20 Grad und reichlich Sonne zu Ausflügen ins Freie lockte, stellt sich das Wetter  bis zum Wochenende komplett um. Vor allem in der Nacht auf Sonntag kann es bei längerem Aufklaren verbreitet Nachtfrost geben.

 

Andreatus, Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifazius und Sophie, so die Namen der Märtyrer und Bischöfe aus dem 4. und 5. Jahrhundert, denen vom 10. bis 15. Mai gedacht wird. Langjährige Beobachtungen legen nahe, dass es Mitte Mai in Deutschland zu Kälteeinbrüchen mit Nachtfrösten kommen kann, weshalb diese frühchristlichen Würdenträger auch als Eisheilige bezeichnet werden.

Über das Jahr verteilt gibt es mehrere solcher sogenannter Witterungsregelfälle, also Wetterabläufe, die an festen Terminen recht häufig wiederkehren. So tritt Mitte Juni etwa in drei von vier Jahren die Schafskälte auf, ein weiterer Kälteeinbruch, unter dem frisch geschorene Schafe besonders zu leiden haben, daher der Name. Weiterhin kehren auch die Hundstage, hochsommerliche Hitzewellen zwischen Ende Juli und Mitte August, häufig wieder. Der Altweibersommer Ende September und Anfang Oktober, sowie das Weihnachtstauwetter sind ebenfalls regelmäßig wiederkehrende Singularitäten.

Doch die Verlässlichkeit dieser Wetterphänomene ist recht unterschiedlich und war auch in der Vergangenheit nicht konstant. Zum einen unterscheidet sich hinsichtlich Wetter und Klima beispielsweise der Alpenrand deutlich von der Ostseeküste, wodurch die Witterungsregelfälle nicht überall gleichartig auftreten, zum anderen verändert sich das Klima, ob nun aufgrund natürlicher oder menschgemachter Ursachen, so dass frühere Regeln heute mitunter ihre Gültigkeit verlieren, oder auch neue entstehen können. So haben statistische Untersuchungen gezeigt, dass beispielsweise die Eisheiligen in Deutschland innerhalb der letzten etwa 30 Jahre nicht mehr signifikant sind, also nicht sehr häufig eintreten.

Verkomplizieret wird das ganze noch durch die Gregorianische Kalenderreform, in deren Folge zwischen 1582 und 1752 mehrere Tage aus dem Kalender gestrichen wurden, da der bis dahin gültige Julianische Kalender nicht mehr genau genug war. Oft ist es im Nachhinein also nicht mehr nachvollziehbar, ob eine kalenderbezogene Bauernregel vor oder nach Einführung des Gregorianischen Kalenders entstanden ist.

In diesem Jahr treten die Eisheiligen jedenfalls etwa eine Woche früher als üblich auf. Empfindliche Pflanzen sollten also vorsorglich abgedeckt oder nach drinnen bzw. an Hauswände verfrachtet werden. Auch in der neuen Woche geht es zunächst wechselhaft und kühl weiter, was zumindest Landwirte und Hobbygärtner begrüßen. Ob die Witterung dann in reguläre Eisheilige übergeht, muss aber noch abgewartet werden.

 Donnerstag, 2. Mai 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 02.05.2019,19:15 Uhr