ozonloch

Im antarktischen Frühling erreicht das Ozonloch über dem Südpol seine größte Ausdehnung.

Wenn im August die Sonne über der Antarktis wieder zu scheinen beginnt setzt sich in der dort unter minus 90 Grad kalten Stratosphäre in 15 bis 50 km Höhe jedes Jahr ein zerstörerischer chemischer Kreislauf in Gang. In der Folge verringert sich die Ozonkonzentration in diesen Höhen dramatisch wodurch vermehrt harte UV-B-Strahlung bis zum Erdboden durchdringen kann.

Dieses Jahr hat das Ozonloch seine bisher maximale tägliche Ausdehnung mit 16 Millionen Quadratkilometern bereits am 8. September erreicht. Das ist zwar deutlich weniger das Mittel der vergangenen 30 Jahre von 21,3 Millionen Quadratkilometer. Jedoch sind hier die Schwankungen von Jahr zu Jahr recht groß. Bisher ist noch kein signifikanter Rückgang in den Messungen erkennbar.

Verursacht wird der stratosphärische Ozonabbau vor allem von halogenierten Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen, kurz FCKWs, die seit 1989 zwar durch das Montreal-Protokoll verboten sind, in Kühlmitteln und Treibgasen jedoch enthalten waren und sich wegen ihren langen Verweilzeiten von bis zu 100 Jahren nachhaltig in der Stratosphäre angereichert haben.

Bei einer Temperatur unter minus 78 Grad und Sonnenlicht, kann ein einzelnes Chlor-Atom viele Tausend Ozon-Moleküle aufspalten. Diese Bedingungen sind vor allem in der Stratosphäre über der Antarktis gegeben, die sich durch einen ausgeprägten Polarwirbel im südhemisphärischen Winter nicht mit der Umgebung durchmischt und dadurch in der Polarnacht stark auskühlen kann. Das erste Sonnenlicht im August setzt dann den zerstörerischen Prozess in Gang.

Im Rekordjahr 2006 hatte im Zeitraum zwischen 7. September und 13. Oktober das Gebiet über der Antarktis mit einer Ozonkonzentration unter dem festgelegten Grenzwert von 220 sogenannten Dobson-Einheiten (DU) eine mittlere Ausdehnung von 26,6 Mio. Quadratkilometer erreicht. Der größte Tageswert von 29,9 Mio. Quadratkilometern wurde am 9. September 2000 gemessen. Mit einer Fläche von bisher etwa 16 Millionen Quadratkilometern hat sich das Ozonloch über der Antarktis auch dieses Jahr bereits wieder deutlich ausgebildet. In den Jahren vor 1980 lag die Ozon-Konzentration dort das ganze Jahr über 225 DU, dieses Jahr beträgt der tiefste Werte bisher 120 DU, gemessen am 18. August. In den vergangenen 30 Jahren lag das Minimum bei durchschnittlich 113 DU, am 30. September 1994 wurde ein Rekordminimum von 73 DU registriert.

Auf der Nordhalbkugel verhindert die ungleichmäßige Verteilung von Landmassen und Ozeanen die Ausprägung eines wohlgeordneten stratosphärischen Polarwirbels, wodurch sich die Luft besser durchmischt und im Winter nicht so stark auskühlt wie auf der Südhalbkugel. In der Folge finden die chemischen Ozon-Killer hier keine so idealen Bedingungen vor, wie auf der Südhalbkugel.

In den kommenden Jahrzehnten, möglicherweise bereits bis Mitte des Jahrhunderts, wird sich das Ozonloch nach Einschätzung von Experten langsam wieder schließen. Die Stratosphäre über der Antarktis kühlt sich im Zuge des menschgemachten Zusatz-Treibhauseffektes in den kommenden Jahren zwar noch weiter ab. Denn Wärme wird in tieferen Atmosphärenschichten gefangen gehalten und erreicht dadurch nicht mehr die Stratosphäre, was dort die Bedingungen für den Ozonabbau begünstigt. Jedoch verringern sich die FCKWs weiterhin systematisch, was sich langfristig entscheidend auswirken sollte.

Freitag, 20. September 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 20.09.2019 19:15 Uhr