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Am Samstag war meteorologischer, in knapp drei Wochen ist astronomischer Sommeranfang, doch erst Mitte Juli beginnt die heißeste Zeit des Jahres.

Am vergangenen Samstag hat für die Meteorologen der Sommer begonnen, in Deutschland werden die höchsten Temperaturwerte aber normalerweise erst zwischen Mitte Juli und Mitte August gemessen. Die Tageslänge und damit die Sonneneinstrahlung nehmen jedoch nach der Sommersonnenwende am 21. Juni bereits wieder ab.

 

Die Tagesmitteltemperatur ist in Deutschland mit durchschnittlich 18,0 Grad im Juli am höchsten, wohingegen sie zur Zeit der Sommersonnenwende nur ca. 16 Grad beträgt. Auch im August ist es mit durchschnittlich 17,5 Grad noch wärmer, als im Juni mit 15,7 Grad. Gleiches gilt übrigens auch für den Winter, denn am kältesten ist es im Januar und Februar, nicht im Dezember, wenn die Tage am kürzesten sind.

Die Sonnenenergie, die entlang des 50.ten Breitengrades den Erdboden erreicht, ist jedoch im Juni mit durchschnittlich etwa 476 Watt pro Quadratmeter am höchsten, im Juli beträgt sie 452, im August sogar nur noch 374 Watt. Entsprechend findet sich im Dezember mit 93 Watt der geringste Wert, im Januar sind es bereits wieder 104, im Februar dann schon wieder 151 Watt pro Quadratmeter.

Die Lösung dieses Rätsels findet sich weit im Westen. Dort liegt der Nordatlantik mit seinen gewaltigen Wassermassen. Und Wasser hat eine sehr große Wärmekapazität. Das bedeutet, man muss sehr viel Energie aufwenden, um es zu erwärmen. So benötigt man etwa 1000 Joule Energie um ein Kilogramm Luft um 1 Grad zu erwärmen, für Wasser ist dafür die vierfache Energiemenge notwendig. Entsprechend speichert es die erhaltene Wärme sehr lang, was man sich unter anderem in kühlen Nächten mit Wärmflaschen zu Nutze macht.

Aus diesem Grund erwärmt sich das oberflächennahe Wasser im Nordatlantik entsprechend langsam und erreicht die höchste Temperatur erst ungefähr 6 Wochen nach der Sommersonnenwende, also Ende Juli oder Anfang August. Da das mitteleuropäische Wetter häufig von Luftmassen geprägt wird, die vom Meer her kommen und durch dessen Temperatur beeinflusst werden, sind auch hierzulande die sogenannten Hundstage, also die hochsommerlichen Hitzewellen in der Regel erst um diese Zeit zu erwarten.

Die gute Wärmespeicherung des Wassers sorgt auch Ende September mitunter noch für ein spätsommerliches Temperaturniveau, welches deutlich höher liegt als Ende März, wenn die Tage ähnlich lang sind. Und auch der Hochwinter kann erst mehrere Wochen nach der Wintersonnenwende, etwa Mitte bis Ende Januar Einzug halten, wenn die Meere die gespeicherte Wärme des Vorjahres verloren haben.

Dienstag, 4. Juni 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 04.06.2019 19:15 Uhr