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Die Wassertemperatur der Meeresoberflächen ist rund um Europa ungewöhnlich hoch.

Obwohl die Tage seit dem 21. Juni ganz allmählich schon wieder kürzer werden, steigt die Meeresoberflächentemperatur noch weiter an. Denn die obersten Wasserschichten erwärmen sich sehr träge und werden von der immer noch hoch stehenden Sommersonne auch in den kommenden Wochen weiterhin aufgeheizt.

Die Ozeane sind riesige Wärmespeicher, da einerseits das Wasser eine sehr hohe Wärmekapazität besitzt, d.h. es bedarf einer großen Energiemenge um seine Temperatur zu erhöhen, und andererseits eine riesige Wassermenge in den Weltmeeren vorhanden ist. Die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen beschränken sich lediglich auf die obersten etwa 50 bis 100 Meter, die sogenannte Mischungsschicht. Die Temperaturverteilung der Tiefsee bleibt nahezu unverändert. Dadurch reagieren die Meere sehr träge auf die jahreszeitlichen Veränderungen der Sonneneinstrahlung und hinken dem Sonnenstand etwa 6 bis 8 Wochen hinterher.

Aktuell sind die Meere rund um Europa deutlich zu warm. Besonders hohe Abweichungen findet man in der Ostsee. Im Norden des Bottnischen Meerbusens ist das Wasser mit badetauglichen 23 Grad sogar über 5 Grad wärmer als normal. Aber auch die Nordsee ist verbreitet 2 bis 3 Grad zu warm, vor Norderney lässt es sich bei 21 Grad auch noch angenehm planschen.

Im Golf von Biskaya ist der sonst eher kühle Atlantik ebenfalls zwei bis drei Grad wärmer als üblich, in Biarritz beispielsweise beträgt die Wassertemperatur 23 Grad. Und auch das Mittelmeer, die sprichwörtliche Badewanne Europas weist eine Wärmeanomalie von ein bis drei Grad auf. Im westlichen und zentralen Mittelmeer ist das nicht ganz so kühle Nass etwa 25 bis 27 Grad warm, an der türkischen Riviera werden aktuell sogar bis zu 29 Grad gemessen. Last not least weist auch das Schwarze Meer mit 24 bis 26 Grad eine positive Abweichung von verbreitet etwa zwei Grad auf.

Zum Schluss noch ein Blick über den europäischen Tellerrand: Die Meeresoberflächentemperatur der Nordhemisphäre liegen aktuell etwa 0,7 Grad über dem langjährigen Mittel. Global sind die Weltmeere immerhin noch 0,3 Grad zu warm. Alle hier genannten Abweichungen beziehen sich auf das Mittel der Jahre 1971 bis 2000.

Dienstag, 30 Juli 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 30.07.2019 19:15 Uhr