windspitzen

Am Dienstag sorgte das Sturmfeld eines kräftigen Atlantiktiefs vor allem im Küstenumfeld für schwere Sturmböen und Behinderungen im Bahnverkehr.

Warum häufen sich in unseren Breiten vor allem im Herbst und Winter schwere Stürme? Aktuell verkürzen sich die Tage in den hohen Breiten spürbar, und die Temperatur sinkt in den länger werdenden Nächten entsprechend stark ab. In südlicheren Gefilden hält sich die Wärme auch aufgrund der noch warmen Meere länger. Hier verringert sich die Sonneneinstrahlung ebenfalls, jedoch nicht in dem Maße wie im Norden, wo die tief stehende Sonne im Winter dann fast keine Wärme mehr liefern kann.

Nun versucht die Atmosphäre diese großen Unterschiede auszugleichen, indem warme Luft nach Norden und kalte nach Süden transportiert wird. Diese Umverteilung geschieht in den mittleren Breiten am effektivsten durch Tiefdruckwirbel, deren Entstehung im Detail recht kompliziert ist, die jedoch von Temperaturunterschieden angetrieben wird.

Zudem verlagern sich die Zugbahnen der Tiefs im Winterhalbjahr weiter nach Süden und kommen so dem europäischen Festland mitunter gefährlich nahe. In seltenen Fällen, wie beispielsweise beim verheerenden Orkan Lothar vom 25.12.1999, ziehen die Stürme auch über Land und richten dann mitunter großen Schaden an. Jedoch ist das Zerstörungspotential solcher Orkane noch deutlich geringer als bei tropischen Wirbelstürmen, die ihre Energie aus gigantischen Feuchtigkeitsmengen beziehen, die über warmen Meeresoberflächen tropischer Ozeane verdunsten.

Der Temperaturausgleich, den ein außertropisches Sturmtief bewirkt hält jedoch nicht lange vor, so dass es im Laufe des Herbstes und Winters wiederholt zu starken Stürmen kommen kann, bevor im Frühling die Sonne die hohen Breiten erneut mit Wärme versorgt und sich die Temperaturunterschiede wieder abbauen.

Mittwoch, 18. September 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 18.09.2019 19:15 Uhr