dezemben

Der Dezember zeigte sich bisher recht unspektakulär mit vielen Wolken und im wesentlichen auf die Westhälfte beschränkten Niederschlägen unterschiedlicher Phase. Der letzte Monat des Jahres verlief auch schon anders. Was für Extreme sind in einem Dezember möglich?

Ein durchschnittlicher Dezember hat über ganz Deutschland gemittelt eine Monatstemperatur von 1,2 Grad Celsius (Mittel aus den Jahren 1981 bis 2010). Am wärmsten ist es dabei am Niederrhein mit Werten über 4 Grad, während die Durchschnittstemperatur in den höchsten Ortschaften der Mittelgebirge unter 0 Grad liegt. Hinter diesen Mittelwerten verstecken sich jedoch einige Extreme, die ein Dezember bieten kann.

Wer sich für Wärmerekorde im Dezember interessiert, wird unweigerlich auf den 16.12.1989 stoßen. Ein Orkantief wanderte auf ungewöhnlich südlicher Zugbahn von den Azoren Richtung Irland. Sein Druck sank dabei auf unter 940 hPa. Weil dieses Tief so weit südlich ansetzte und so stark war, setzte es einen ganz ungewöhnlichen Warmluftvorstoß in Gang, der bis in den Südwesten und Süden Deutschlands reichte. Die Temperatur in 1500 Metern Höhe stieg in Baden-Württemberg und Bayern auf über 15 Grad, ein Wert der für heiße Sommertage typisch ist. Im Dezember liefert die Sonne einen nur geringen Beitrag zur Erwärmung. Trotzdem erinnerten die Höchstwerte des 16.12.1989 im Süden fast schon an den Sommer. Es war der Wind, Dank dessen Hilfe sich die sehr milde Luft auch in einigen Niederungen durchsetzen konnte. Am Oberrhein südlich von Karlsruhe und in den Alpenföhngebieten gab es oftmals über 20 Grad, in Müllheim 24,0 Grad, was die höchste jemals in einem Dezember gemessene Temperatur Deutschlands darstellt. In Mecklenburg-Vorpommern lagen die Maxima zugleich nur um 1 Grad.

Im Westen und in der Mitte des Landes setzte vielfach der 4.12.1953 die Rekordmarken. Sehr milde Luft aus Nordafrika und Sonnenschein nach einer meist noch bewölkten Nacht ließen das Quecksilber vielerorts auf Werte um 18 Grad steigen, in Bad Blankenburg reichte es für über 20 Grad. Im nördlichsten Bundesland hat es so hohe Temperaturen in einem Dezember noch nicht gegeben. Wärmer als in Ahrensburg mit 15,6 Grad am 24.12.1977 wurde es in Schleswig-Holstein in einem Dezember noch nicht.

Der Dezember gehört zu den drei Wintermonaten, also sollte man erwarten können, dass er auch richtiges Winterwetter aufweisen kann. Letztmals war das 2010 der Fall war. Für winterliche Kälterekorde muss einiges zusammenkommen. Eine einigermaßen mächtige Schneedecke ist nahezu unverzichtbar, da sie die im Boden enthaltene Wärme gegenüber der Luft isoliert. Die Luftmasse muss trocken und von sich aus schon kalt sein, wie es im deutschen Flachland nur möglich ist, wenn sie aus Nordosteuropa oder Russland einströmt. Und schließlich muss sich die Luft bei klarem Himmel und nur wenig Wind zusätzlich abkühlen können. Die niedrigste an einer amtlichen Wetterstation registrierte Temperatur eines Dezembers stammt jedoch aus dem Jahre 1939. Im bayerischen Hüll stoppte das Quecksilber am 29.12.1939 erst bei -32,4 Grad. Bemerkenswert kalt war es auch vielerorts am 21.12.1969, als in Quedlinburg stolze -30,0 Grad erreicht wurden. An den meisten Wetterstationen hat es im Dezember schon irgendwann einmal Werte unter -20 Grad gegeben, aber nicht überall. Vor allem kürzere Klimareihen in den westlichen Niederungen haben teilweise weniger tiefe Rekordwerte. Der kälteste Dezember der letzten 150 Jahre war der von 1879. Hätte es damals bereits alle heute verfügbaren Wetterstationen gegeben, so wären 1879 sicher viele Rekorde aufgestellt und bis heute nicht mehr gebrochen worden.

Schnee im Bergland ist im Dezember nichts Besonderes. Im deutschen Flachland tut es sich da schon deutlich schwerer. So kann man in den westlichen Niederungen nur alle 10 Jahre Schnee zu Heiligabend erwarten, im übrigen Flachland alle 5 Jahre und in Bayern natürlich häufiger. In einzelnen Jahren zeigte sich der Dezember jedoch schneereich, zuletzt 2010. Gerade zu Weihnachten lagen im Flachland verbreitet 20 bis 50 Zentimeter Schnee. Teile des sonst winterbegünstigten Oberbayerns hatte weniger Schnee, am Flughafen München waren es nur 3 Zentimeter.

Eines der markantesten Ereignisse mit gefrierenden Regen konnten weite Teile Deutschlands am 8.12.1978 erleben. Nach Frühwerten von meist um -10 Grad setzte kräftiger Regen ein, der das Land mit einer oft zwei bis drei Zentimeter dicken Eischicht überzog. Selbst während des Regens herrschten meist noch deutliche Minusgrade und der dicke Eispanzer taute erst am Folgetag langsam dahin. Man kann sich ausmalen, was an jenem Freitag auf den Straßen alles passiert sein muss. Doch der Dezember 1978 hatte noch deutlich mehr zu bieten: In den letzten Tagen sammelte sich über Norddeutschland extrem kalte Luft aus Nordrussland. Aus Südwesten hielt sehr milde Luft vom subtropischen Atlantik dagegen, so dass es in Norddeutschland einen historischen Schneesturm gab. Verbreitet schneite es über einen halben Meter, der Sturm türmte den Schnee in Verwehungen teilweise mehrere Meter hoch auf. Die zunächst noch sehr milde Mitte des Landes wurde am Silvestertag von der Kaltluft überflutet, der Süden dann in der Folgenacht. Der damit einhergehende Temperatursturz war in den vergangenen 200 Jahren einmalig und hatte fast schon Ausmaße, die eher aus den USA bekannt sind. Am Vormittag des 31.12.1978 war es in Frankfurt am Main noch 10 Grad mild, in der Silvesternacht kühlte es auf -17 Grad ab und an Neujahr waren mehr als -10 Grad Maximum nicht mehr drin. Die Luftmassengrenze war am 31.12.1978 über der Landesmitte so scharf, dass sich die Temperatur auf einer Strecke von 100 Kilometern oftmals um 20 Grad unterschied.

Auch in flüssiger Phase hat der Niederschlag im Dezember schon einiges an Aufmerksamkeit erweckt. Der im Bundesmittel nasseste Dezember seit Beginn der Wetterauzeichnungen verursachte 1993 an einigen Flüssen Hochwasser. Besonders betroffen war der Rhein ab Koblenz flussabwärts, wo es sich um ein Jahrhunderthochwasser handelte.

Schließlich verdient es noch eine Erwähnung, dass sich er Dezember auch sehr stürmisch geben kann. In jüngerer Vergangenheit war es Orkantief Xaver, welches am 5. und 6.12.2013 den Norden Deutschlands mit Orkanböen von bis zu 150 km/h an den Küsten beschäftigte. Anatol schaffte am 3.12.1999 auf Sylt Böen bis zu 184 km/h. Noch bemerkenswerter war aber der Weihnachtsorkan Lothar vom 26.12.1999, der den Süden Deutschlands heimsuchte. Selbst im Flachland gab es Orkanböen bis zu 150 km/h, wie in Karlsruhe, im Bergland deutlich mehr (Feldberg im Schwarzwald 211 km/h, Wendelstein 259 km/h). Vor allem im Schwarzwald holzte der Orkan beträchtliche Waldflächen ab.

Dienstag, 8. Dezember 2020

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 08.12.2020 19:15 Uhr