januarien

Der Januar zeigte sich in einigen Niederungen bisher fast schon deprimierend mit nahezu durchweg dichten Wolken und Schnee nur kurzzeitig in Form von Matsch. Der erste Monat des Jahres verlief auch schon anders. Was für Extreme sind in einem Januar möglich?

Ein durchschnittlicher Januar hat über ganz Deutschland gemittelt eine Monatstemperatur von 0,9 Grad Celsius (Mittel aus den Jahren 1991 bis 2020). Am wärmsten ist es dabei am Niederrhein mit Werten über 3 Grad, aber auch sonst sind inzwischen in den meisten Niederungen Monatsmittel knapp über 0 Grad üblich. Negative Januarmittel finden sich noch im Bergland und in Bayern. Hinter diesen Mittelwerten verstecken sich jedoch einige Extreme, die ein Januar bieten kann.

Die Wärmerekorde im Januar liegen an den meisten Wetterstationen um 15 Grad oder darüber. Prädestiniert hierfür sind Wetterlagen mit der Zufuhr milder Meeresluft aus Südwesten, also vom subtropischen Atlantik oder vom westlichen Mittelmeer. Damit sich diese bis in die Niederungen durchsetzen kann, muss der Wind lebhaft sein. Am günstigsten ist es, wenn es nach einer bewölkten und somit milden Nacht pünktlich am Vormittag aufklart. Diese Bedingungen waren am 5. Januar 1999 in Teilen Deutschlands erfüllt. Der Hessische Monatsrekord stammt mit 16,8 Grad in Schaafheim von jenem Tag, aber auch in Nordbaden, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gab es einige Rekorde. Einen Tag später passten die Bedingungen weiter nördlich. Die 14,4 Grad aus Travemünde sind der Januarwärmerekord von Schleswig-Holstein. Bemerkenswerte 18,2 Grad konnten zugleich in Wernigerode am Harz beobachtet werden. Dort haben milde Fallwinde vom Gebirge mitgeholfen. Im südlichen Baden-Württemberg datieren fast alle Wärmerekorde auf den 10.1.1991. Eine stürmische Südwestlage führte milde Atlantikluft so schnell heran, dass sich selbige auf dem Weg nach Deutschland kaum abkühlen konnte. Bei dem einzigen Wert über 20 Grad, den es bisher in einem deutschen Januar gab, dem Rekord aus Piding, hat selbstverständlich der Alpenföhn mitgeholfen.

Der Januar ist der kälteste Monat des Jahres, also sollte man knackige Kälterekorde erwarten können. Etwa zwei Drittel aller deutschen Wetterstationen hat im Januar schon Werte von unter -20 Grad erreicht. Nicht der Fall ist das vor allem bei Stationen an den Küsten und in den westlichen Niederungen und hier besonders bei solchen, deren Klimareihe noch kurz ist. Für winterliche Kälterekorde muss einiges zusammenkommen. Eine einigermaßen mächtige Schneedecke ist nahezu unverzichtbar, da sie die im Boden enthaltene Wärme gegenüber der Luft isoliert. Die Luftmasse muss trocken und von sich aus schon kalt sein, wie es im deutschen Flachland nur möglich ist, wenn sie aus Nordosteuropa oder Russland einströmt. Und schließlich muss sich die Luft bei klarem Himmel und nur wenig Wind zusätzlich abkühlen können. Die niedrigste an einer amtlichen Wetterstation registrierte Temperatur eines Januars, die Zugspitze ausgenommen, stammt aus dem Jahre 1963. Im bayerischen Aldersbach stoppte das Quecksilber am 17.1.1963 erst bei -33,5 Grad. Doch noch bemerkenswerter ist der Kälterekord aus Nordrhein-Westfalen. Eslohe liegt im meistens eher milden Nordwesten Deutschlands, doch am 27.1.1942 sank das Quecksilber dort auf -31,2 Grad. Die Bedingungen für Kälterekorde waren vom Nordwesten bis in die Mitte Deutschlands in jener Nacht so optimal, wie es dort höchstens einmal in hundert Jahren vorkommt. Russische Kaltluft kam über einer 15 bis 30 Zentimeter dicken Neuschneedecke bei klarem Himmel zur Ruhe. Ebenfalls bemerkenswerte Minima dieser Nacht waren -29,7 Grad in Münster und -28,0 Grad am Frankfurter Flughafen. Letzterer Wert taucht in der offiziellen Klimareihe von Frankfurt bisher nicht auf, da die Digitalisierung noch nicht abgeschlossen ist. Dort liegen bisher nur die Werte der damaligen, städtisch beeinflussten Station in der Feldbergstraße vor. Im Nordosten Deutschlands lag zur selben Zeit fast kein Schnee, so dass es dort nicht so kalt werden konnte. Extrem kalt war auch der Januar 1940. Im sonst so milden Mannheim gab es keinen einzigen Tag mit Plusgraden und der Kälterekord von -27,9 Grad kann sich sehen lassen. Die Wetterstation stand damals im Ortsteil Sandhofen. Auch diese Daten liegen noch nicht offiziell vor.

Der hessische Januarkälterekord von -28,3 Grad stammt aus Hofgeismar und er stellt die Überleitung zum nächsten Thema dar, der Jahrhundertwarmfront. Selten konnte man in Deutschland in kurzer Zeit derart unterschiedliche Luftmassen erleben, wie Mitte Januar 1968. Am 13.1.1968 sank die Temperatur über einer frischen Schneedecke und in einer arktischen Kaltluftmasse in vielen Regionen Deutschlands auf unter -20 Grad. Schon am Folgetag kam eine Warmfront mit milder Atlantikluft. Die Temperatur stieg bei aufkommendem Schneefall extrem schnell an. Es folgte kräftiger Regen und innerhalb eines Tages verschwand mancherorts eine Schneedecke von 30 Zentimetern. Am 15.1.1968 herrschten dann verbreitet zweistellige Plusgrade. Hier zwei Beispiele, die den ungewöhnlichen Temperatursprung zeigen sollen: Hofgeismar hatte am 13.1.1968 ein Minimum von -28,3 Grad, am 15.1.1968 dann aber ein Maximum von +9,5 Grad. In Berchtesgaden erwärmte es sich sogar noch schneller. Dort fror man am 14.1.1968 morgens noch bei -21,2 Grad, während nur ein Tag später, am 15.1.1968, bereits frühlingshafte +15,1 Grad erreicht wurden.

Schnee im Bergland ist im Januar nichts Besonderes. Im deutschen Flachland tut es sich da schon deutlich schwerer. So kann man in den westlichen Niederungen vielerorts nur an einem Viertel aller Tage eine Schneedecke erwarten, wie beispielsweise in Karlsruhe. In einzelnen Jahren zeigte sich der Januar jedoch schneereich, zuletzt 2010. Die langjährigen Rekorde der Schneehöhe im Januar liegen in den Niederungen meistens zwischen 30 und 60 Zentimetern. Seit 2014 hat sich in den Niederungen der Westhälfte kaum noch eine Schneedecke ausbilden können.

Regen kann es im Januar auch in großen Mengen geben. Der im Bundesmittel nasseste Januar seit Beginn der Wetterauzeichnungen verursachte Ende 1995 zusammen mit einer starken Schneeschmelze an einigen Flüssen Hochwasser. Besonders betroffen war der Mittel- und Niederrhein, wo es sich nach dem Dezember 1993 erneut um ein Jahrhunderthochwasser handelte.

Wie alle Herbst- und Wintermonate kann der Januar sehr stürmisch sein. In jüngerer Vergangenheit war es Orkantief Friederike, welches am 18.1.2018 einen schmalen Streifen in der nördlichen Mitte Deutschlands mit Orkanböen bis ins Flachland beschäftigte. Es handelte sich um den Jahrestag des Orkans Kyrill. Selbiger bescherte uns am 18.1.2007 verbreitet Orkanböen bis ins Flachland, in Düsseldorf mit Böen bis zu 145 km/h. Das Besondere an Kyrill war die Ausdehnung des Sturmfeldes über nahezu ganz Deutschland und die damit verbundenen Schäden. Besonders starke Januarstürme waren auch noch Daria am 25.1.1990 und der Capella-Orkan vom 3.1.1976. Letzterer sorgte an der Nordsee für höhere Wasserstände als der in seinen Auswirkungen verheerende Orkan im Februar 1962. Glücklicherweise waren die Schutzvorkehrungen in der Zwischenzeit verbessert worden.

Damit kein falscher Eindruck entsteht sei daran erinnert, dass es sich bei dieser Auflistung um Extremereignisse handelt, und der Januar in Deutschland meistens gemäßigter verläuft. Selten ist er jedoch so eintönig wie aktuell in den schneefreien Niederungen.

Donnerstag, 7. Januar 2021

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 07.01.2021 19:15 Uhr