novemben

Der November zeigte sich bisher recht ruhig und von den Niederungen Süddeutschlands abgesehen auch oft freundlich. Der vorletzte Monat des Jahres verlief auch schon anders. Wir wollen schauen, was für Extreme in einem November möglich sind.

Ein durchschnittlicher November hat über ganz Deutschland gemittelt eine Monatstemperatur von 4,5 Grad Celsius (Mittel aus den Jahren 1981 bis 2010). Am wärmsten ist es dabei am Niederrhein mit Werten über 6 Grad, während die Durchschnittstemperatur in den höchsten Ortschaften der Mittelgebirge nur knapp über 0 Grad liegt. Hinter diesen Mittelwerten verstecken sich jedoch einige Extreme, die ein November bieten kann.

Die höchste in einem November gemessene Temperatur stammt in Deutschland aus Rosenheim. Mit einem Maximum von 25,9 Grad war es dort am 6.11.1997 sommerlich warm. Für diesen Wert war der Alpenföhn verantwortlich. So hohe Werte dürften außerhalb der Föhnregionen in Deutschland kaum möglich sein, bis jetzt zumindest. Die 20-Grad-Marke wurde an über der Hälfte aller Wetterstationen hierzulande in irgendeinem November schon geknackt, meistens bei Südwestströmung mit viel Wind und wenn nach einer bewölkten Nacht die Wolkendecke pünktlich am Vormittag aufriss. Auf diese Art kam das Maximum von 24,0 Grad in Bad Dürkheim vor ein paar Tagen zustande. Dieser Wert stellt den deutschen Wärmerekord für November dar, bei dem kein Alpenföhn beteiligt war. In Schleswig-Holstein gab es noch keinen Tag mit 20 Grad im November. Der Landesrekord, aufgestellt in Grambek, liegt um ein zehntel Grad unterhalb dieser Schwelle.

Im November kann es auch schon richtig Winter sein. Der kälteste durch Messwerte dokumentierte November war der des Jahres 1858 mit einem Deutschlandmittel von -0,8 Grad. Dieser Wert liegt unter dem aktuellen Januarmittel. Der deutsche Kälterekord für November wurde am 28.11.1915 mit -25,9 Grad auf der Zugspitze aufgestellt, wegen der Höhenlage der Station fand er in unserer Grafik aber keine Berücksichtigung. Im Flachland war es fast schon genauso kalt: Am 23.11.1858 stoppte das Quecksilber in Jena erst bei extrem niedrigen -24,6 Grad. Dieser Novemberwert mag besonders für Bewohner der westlichen Niederungen unglaublich erscheinen, wo es seit Jahren selbst im Hochwinter kaum noch für Minima unter -10 Grad gereicht hat. Etwas weniger lang her ist eine bemerkenswerte zehntägige Kältewelle im November 1965 in der Nordosthälfte Deutschlands. Am 23.11.1965 gab es in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen bei einer Schneedecke von oftmals über 20 Zentimetern verbreitet Tiefstwerte um -20 Grad. Der Kälterekord von Wackersleben stellt nach den Werten von der Zugspitze und Jena die drittniedrigste in Deutschland je gemessene Novembertemperatur dar. In der Südwesthälfte verlief der damalige Frühwinter hingegen recht unspektakulär. Dort bereitete der November 1985 den Winterliebhabern mehr Freude. In der gesamten dritten Novemberdekade gab es damals in Deutschland, von den Küstenregionen abgesehen, eine geschlossene Schneedecke, die selbst an Rhein und Main meistens mächtiger als 10 Zentimeter war. Der Schneerekord stammt, wie zu erwarten ist, von der Zugspitze. Hier lag die weiße Pracht am 13.11.1952 stolze 460 Zentimeter hoch. Aber auch im Tiefland gab es schon Schneehöhen von bis zu einem halben Meter, wie Ende November 2005 im Münsterland. Dieses Ereignis war allerdings sehr lokal.

Stürme gehören eigentlich auch zum Herbst, doch in den letzten Jahren blieben sie im November selten. Recht regelmäßig traten sie in den 70ern und 80ern auf. Orkantief Yra sorgte am 24.11.1984 in einigen Regionen Deutschlands für Orkanböen bis ins Flachland. Es erfasste das Land recht gleichmäßig. Wirklich verheerend war der sogenannte Niedersachsenorkan Quimburga vom 13.11.1972. In Niederachsen, aber auch in Brandenburg wüteten verbreitet Orkanböen von über 140 km/h, in Wernigerode wurden in der Spitze 155 km/h gemessen. Teilweise überschritt der Orkan die Messbereiche der damals noch üblichen Windmessgeräte, sodass von zum Teil noch höheren Windgeschwindigkeiten ausgegangen werden kann. Auf dem Brocken im Harz zeigte das Windmessgerät fast 245 km/h an.

Dienstag, 10. November 2020

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 10.11.2020 19:15 Uhr