weihnachtstauwetter

Auch dieses Jahr sinken die Chancen auf weiße Weihnachten in den Niederungen gegen Null.

In etwa sieben von zehn Jahren stellt sich hierzulande pünktlich zu Weihnachten eine milde Westlage ein – das sogenannte Weihnachtstauwetter. Dieses ist es bereits einige Tage vor Weihnachten ungewöhnlich mild. Damit sinken vielerorts die Chancen auf weiße Weihnachten.

 Im Wochenverlauf bleibt es hierzulande deutlich zu mild, denn kräftige Atlantiktiefs sorgen für eine südwestliche Strömung, mit der sehr milde Luft aus dem westlichen Mittelmeer nach Mitteleuropa gelangt. Am Dienstag könnten im Westen sogar Höchstwerte über 15 Grad erreicht werden, eventuell werden an manchen Stationen sogar neue Rekorde für Mitte Dezember registriert. Diese Wetterlage hält voraussichtlich noch bis über das letzte Adventswochenende an.

 Ähnliche Luftdruckkonstellationen stellen sich häufig zu Weihnachten ein und bescheren dann verbreitet grüne Weihnachten, selbst wenn vorher bereits eine geschlossene Schneedecke vorlag. Besonders ausgeprägt war das beispielweise 1999 der Fall, als am 23.12. in der Mitte und im Süden noch Dauerfrost herrschte. Am 25.12. fegte dann in einer ausgeprägten Westströmung der kleinräumige Orkan Lothar über Süddeutschland und brachte einen Schwall deutlich milderer Luft mit sich. Die Höchstwerte an diesem Tag lagen verbreitet zwischen 7 und 11 Grad.

Aber auch in 1997, 1998, 2002, 2004, 2006 stellte sich immer ziemlich genau zum Weihnachtsfest eine markante Milderung ein. 2012 wurden am 24.12. in Freiburg im Breisgau sogar 18,9 Grad registriert, ein Jahr später waren es 17,2 Grad und 2015 kam es dort am 24.12. mit 16,8 Grad erneut zu einer extremen Wärmeanomalie. Auch 2017 wurden über Weihnachten verbreitet zweistellige Plusgrade verzeichnet. Weitere sehr markante Weihnachstauwetter der jüngeren Vergangenheit gab es zudem in 1983 und 1977.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele, wie 2010, als ganz Deutschland unter einer geschlossenen Schneedecke lag, was davor zuletzt 1981 der Fall gewesen war. Zwar gab es vor allem in den 60iger  Jahren eine Häufung Weißer Weihnachten, dass jedoch früher alles besser war und an Weihnachten fast ausnahmslos Schnee lag ist natürlich leicht übertrieben und hängt möglicherweise mit der subjektiven Überhöhung angenehmer Erinnerungen zusammen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit für Weiße Weihnachten naheliegender Weise sehr stark von der Höhenlage abhängig. In Hamburg beispielsweise gab es seit 1954 in 17 Jahren an mindestens einem der Feiertage Schnee, in München war dies in 28 Jahren der Fall.

Das Weihnachtstauwetter ist nicht der einzige Witterungsregelfall im Jahresverlauf. Die Schafskälte Mitte Juni oder die Hundstage, hochsommerliche Hitzewellen werden ebenfalls sehr häufig beobachtet. Dagegen treten die Eisheiligen, letzte Nachtfröste Mitte Mai, in den vergangenen Jahrzehnten immer seltener auf. Möglicherweise zeichnet sich der langfristige Erwärmungstrend dafür verantwortlich. Die Ursache dieser Regelhaftigkeit ist noch nicht verstanden und künftige Untersuchungen könnten hier möglicherweise mehr Klarheit schaffen.

Montag, 16. Dezember 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 16.12.2019 19:15 Uhr