weisseweihnachten
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Und lässt sich diese Frage bereits drei Wochen vor dem Fest beantworten?

„Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“ – dieses Zitat wird u.a. Karl Valentin, Kurt Tucholsky, Winston Churchill und Niels Bohr zugeschrieben und gilt natürlich auch für Wettervorhersagen. Eintrittstermine von Sonnenfinsternissen hängen von streng deterministischen Planetenbewegungen ab und können bereits Jahrhunderte im Voraus auf die Minute genau vorhergesagt werden. Bei der Entwicklung des Wettergeschehens wirken jedoch sehr viele Ursachen aus unterschiedlichen Regionen zusammen. Zudem treten nichtlineare Effekte zu Tage, wodurch sich selbst kleinste anfängliche Ungenauigkeiten zu großen Fehlern aufschaukeln.

Aufgrund von Messfehlern kennt man zu keiner Zeit den Zustand der Atmosphäre hinreichend genau. Zudem wachsen sich selbst kleinste Unschärfen bereits nach einigen Tagen zu inakzeptablen Fehlern aus. Vergleichbar ist dieses Verhalten mit dem einer Billardkugel, deren Bahn durch das Gesetz „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ bestimmt ist. Jedoch können selbst durch Staubteilchen auf dem Filz oder einen schwachen Luftzug minimale Abweichungen entstehen, die sich nach mehreren Banden bereits so stark aufschaukeln, dass die Kugel bald schon weit vom theoretisch vorhergesagten Weg abgewichen sein wird.

Bei der Wettervorhersage versucht man sich diesem prinzipiellen Problem anzunähern, indem man ein und dieselbe Vorhersage mehrmals mit nur leicht veränderten Anfangswerten durchrechnet und am Verhalten dieses Ensembles von Prognosen etwas über die Vorhersagbarkeit lernt. Denn je nach Wetterlage lässt sich die Natur mehr oder weniger gern in die Karten schauen. Aktuell reicht der sogenannte Vorhersagehorizont immerhin bis etwa  zum 12. Dezember, danach streuen die einzelnen Vorhersagen so stark, dass eine verlässliche Vorhersage für den Zeitraum danach nicht mehr möglich ist.

Es wird zwar ab dem Wochenende spürbar kälter, so dass ab Samstag der Regen in den Bergen in Schnee übergeht. Kommende Woche deutet sich dann eine weitere Abkühlung an. sodass sogar bis in die Niederungen Schnee fallen kann. Ob sich die polare Kaltluft hierzulande bis Weihnachten halten kann ist noch ungewiss. Zudem stellt sich in 7 von 10 Jahren pünktlich zum Fest ein milder Witterungsabschnitt, das sogenannte Weihnachtstauwetter ein. Aber auch diese mögliche Entwicklung liegt aktuell noch hinter dem Vorhersagehorizont.

Was bedeutet das nun für Weiße-Weihnachts-Prognose? Man weiß es halt noch nicht. Da hilft nur die Statistik weiter: Im Flachland liegt die Wahrscheinlichkeit für Weiße Weihnachten mit 10 bis 20 Prozent ernüchternd niedrig. In Mittelgebirgsraum werden je nach Höhenlage immerhin 30 bis über 50 Prozent erreicht, lediglich in den Gipfellagen ist Schnee an Weihnachten nahezu sicher. Die Schwankungen von Jahr zu Jahr sind allerdings beträchtlich, so dass die Frage nach einer weißen Weihnacht auch dieses Jahr wieder spannend bleibt – so viel ist sicher.

Montag, 3. Dezember 2018

Tim Staeger

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 03.12.2018 19:15 Uhr