aprillagen

Das Wetter im April kann sehr unterschiedlich ausfallen, dennoch gibt es einige Phänomene, die für den Frühlingsmonat typisch sind. Was können wir in einem normalen April erwarten und welche Besonderheiten gab es in den letzten Jahren?

Unsere Grafik zeigt die relative Häufigkeit der Wetterlagen mit typischem „Aprilwetter“ (blaue Kurve) und die der Hochdrucklagen (rote Kurve) in den Aprilmonaten seit dem Jahr 1900. Dem Fachmann sei verraten, dass für das Aprilwetter alle zyklonalen Lagen mit einer Anströmung aus Südwest, West, Nordwest und Nord und „Tief Mitteleuropa“ berücksichtigt wurden, klassifiziert nach Hess und Brezowsky. Die Kurven sind mit einem 10 Jahre übergreifenden Filter geglättet.

Das Wetter wiederholt sich niemals exakt, aber trotzdem gibt es immer wieder ähnliche Muster im Ablauf des Wettergeschehens und in der Druckverteilung. Deshalb ist es sinnvoll, Tage mit ähnlicher Druckverteilung zusammenzufassen. Im Laufe der Zeit wurden für verschiedene Länder unterschiedliche Klassifikationen entwickelt. Für Mitteleuropa und somit auch für Deutschland ist die Einteilung nach Hess und Brezowsky sinnvoll. Deren erster Katalog der Großwetterlagen Europas kam im Jahre 1952 heraus. Diese Einteilung erfolgt nach der Lage der steuernden Hochs und Tiefs und berücksichtigt dabei, ob in Mitteleuropa der Hochdruck- oder der Tiefdruckeinfluss überwiegt. Unterschieden werden hierbei 29 Großwetterlagen. Das Wetter selbst kann während einer Großwetterlage wechseln, der Charakter der jeweiligen Witterung bleibt aber erhalten. Die Wetterlagen dauern typischerweise 3 Tage bis mehrere Wochen an.

Einige der 29 verschiedenen Lagen sind für das typische Aprilwetter verantwortlich. Der April ist für seine Launen bekannt, es heißt er macht was er will. Gemeint ist dabei nicht unbedingt ein alle paar Tage stattfindender Wetterwechsel. Vielmehr ändert sich das Wetter besonders im April oft mehrmals am Tag. Gerade noch scheint die Sonne, dann folgen kräftige Schauer, mitunter Graupel oder Schnee. Und kurz danach kommt die Sonne erneut heraus. Dieses Schauerwetter entsteht im Bereich von labil geschichteten Luftmassen, also wenn die Temperatur mit der Höhe stark abnimmt. Die Bedingungen hierfür sind bei Tiefdrucklagen und einfließender Meeresluft im April besonders günstig. Die von den Ozeanen kommende Luft ist feucht genug. Der Tiefdruckeinfluss sorgt für vergleichsweise niedrige Temperaturen in größerer Höhe, während die bereits starke Aprilsonne von unten her einheizt. Im Winterhalbjahr ist die Sonne nicht stark genug, um so zahlreiche Schauer wie im April auszulösen. Im Sommer wäre sie stark genug, dafür erreicht uns dann seltener Luft, die in der Höhe kalt ist. Die Tiefs sind im Sommer schwächer und die Arktis ist wärmer.

Etwa 40 Prozent aller Tage im April sind üblicherweise von Wetterlagen geprägt, die das typische Aprilwetter begünstigen. Die Häufigkeit des Auftretens von bestimmten Wetterlagen ist immer einigen Schwankungen unterworfen. Dennoch ist das Minimum dieser Wetterlagen um 2010 herum auffällig. Lagen mit typischem Aprilwetter waren zuletzt nur noch halb so häufig wie im Mittel über die hundert Jahre zuvor. Das Gegenteil zum Schauerwetter liefern die Hochdrucklagen. Da Nebel und Hochnebel im April zum Glück keine nennenswerte Rolle mehr spielen, ist es bei Hochdruck meistens sonnig und trocken. Beständiges Wetter ist im April sehr viel seltener zu erwarten als das wechselhafte Wetter. Um das Jahr 2010 herum häuften sich die Hochdrucklagen dennoch. Die Rekordaprils der Jahre 2007, 2009 und 2011 waren extrem sonnig, warm und trocken.

Nicht nur im April zeigten die Wetterlagen in den letzten 15 Jahren einige Auffälligkeiten. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, das weiter im Auge zu behalten. Es gilt herauszufinden, ob es sich um zufällige Schwankungen handelt, oder ob es einen Zusammenhang mit den zuletzt besonders hohen globalen Temperaturen gibt.

Dienstag, 7. April 2020

Dr. Ingo Bertram

hr- Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 07.04.2020 19:15 Uhr