ensemble

Der bisherige Juni zeigte sich zwar wechselhaft, er war aber dennoch zwischen einem Grad im Südwesten und fünf Grad im Osten wärmer als normal. Sollten diese Abweichungen am Schluss noch stehen, wäre es für den Osten bemerkenswert. Doch was kommt nun?

Recht zuverlässige Vorhersagen sind für einen Zeitraum von bis zu drei Tagen möglich, man spricht in diesem Zusammenhang von sogenannten Kurzfristvorhersagen. Dieser Zeitraum wird sehr häufig für die tägliche Wettervorhersage in Funk und Fernsehen verwendet. So können Sie an vielen Stellen hören oder lesen, dass das Wetter am Dienstag und Mittwoch bei steigenden Temperaturen viel Sonne bringen wird. Dabei bleiben Quellwolken am Dienstag meist harmlos, am ehesten über den westlichen Mittelgebirgen und den Alpen bauen sie sich zu einzelnen Gewittern aus. Von den Küsten und höheren Bergregionen abgesehen werden 27 bis 31 Grad erreicht. Der Mittwoch legt noch etwa 2 Grad drauf, dafür nimmt die Gewitterneigung von Westen her zu, lokal drohen Unwetter. Am Donnerstag ist es dann durchwachsen mit weiteren Schauern und teilweise heftigen Gewittern. Es beginnt abzukühlen. Für solche Vorhersagen lässt man verschiedene Wettermodelle in die Zukunft rechnen. Die Lösungen der Modelle sind im Bereich der Kurzfristvorhersage noch recht stabil und einheitlich, man kann aus ihnen die Vorhersage ableiten. Schwieriger wird es bei Vorhersagen, die über den dritten Tag hinaus gehen.

Die sogenannten Mittelfristvorhersagen beschäftigen sich mit den nächsten 4 bis 10 Tagen. Innerhalb dieses Zeitraums kommt es verstärkt zum Tragen, dass die Atmosphäre ein chaotisches System darstellt. In die Vorhersagemodelle wird durch eine Vielzahl von Messwerte ein Istzustand der Atmosphäre eingespeist. Das Modell muss wissen, wie das Wetter zu einem aktuellen Zeitpunkt ist. Damit rechnet es dann das Wetter der Zukunft aus, wobei die Physik der Atmosphäre in komplizierten Gleichungen beschrieben wird. In chaotischen Systemen haben zunächst winzige Differenzen nach einiger Zeit einen riesigen Einfluss. So ist es tatsächlich möglich, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings das Wetter in fernerer Zukunft maßgeblich beeinflusst. Es ist jedoch unmöglich, jede Kleinigkeit im Modell zu berücksichtigen. Wollte man den Istzustand hinreichend genau kennen, müsste man so viele Messgeräte in der Atmosphäre platzieren, dass zwischen den Geräten gar kein Platz mehr für das eigentliche Wettergeschehen wäre. Der Anfangszustand in den Modellen ist also immer etwas ungenau, und diese Fehler explodieren im Bereich der Mittelfristvorhersage, sie wird unsicher. Was macht man nun, um das einigermaßen in den Griff zu bekommen? Man variieret den Anfangszustand im Modell um einige Winzigkeiten und lässt das Modell immer wieder rechnen. Das Ergebnis einer solchen Vielzahl von Rechnungen ist ein sogenanntes Ensemble, in unserem Beispiel für die Temperatur und den Niederschlag (Abbildung oben). Aus der resultierenden Vielzahl von Lösungen kann man durch Mittelung die wahrscheinlichste Lösung angeben (weiße Linien). Außerdem ergibt sich ein Unsicherheitsbereich (graue bzw. blaue Fläche). Und was kann man aus der Abbildung herauslesen?

Die Temperatur in 1500 Metern Höhe über der Mitte Deutschlands nähert sich nach der warmen Wochenmitte am Freitag (21. Juni) und zum Wochenende (22. und 23. Juni) dem Normbereich an. Dazu gibt es deutliche Niederschlagssignale. Das Wochenende wird aus heutiger Sicht in weiten Teilen Deutschlands unbeständig mit Regen, Schauern und trockenen Abschnitten. Dazu werden in vielen Regionen völlig normale 20 bis 25 Grad erwartet, bei längerem Regen kann es allerdings kühler bleiben. Zu Beginn der nächsten Woche zeichnet sich eine neuerliche Erwärmung ab, ehe sich das Temperaturniveau im weiteren Verlauf der nächsten Woche wieder dem Normbereich annähern dürfte. Ein über längere Zeit stabiles Sommerhoch ist erst einmal nicht in Sicht, doch solche Wetterlagen wie im Sommer 2018 sind für Deutschland ohnehin untypisch. Dennoch dürfte der Juni vor allem im Osten auch in einer Schlussbilanz deutlich zu warm ausfallen.

Langfristprognosen gehen über 10 Tage hinaus, sie sind aber sehr unsicher. Nur mit ihnen wären derzeit Aussagen über die Sommermonate Juli und August möglich.

Montag, 17. Juni 2019

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 17.06.2019 19:15 Uhr