windchillusa
Bild © hr

Der Mittlere Westen der USA wird von extremer Kälte heimgesucht – gefühlt ist es sogar noch kälter.

Bei Windstille umgibt sich die Hautoberfläche mit einer isolierenden Luftschicht, wodurch es beim Sonnenbad bei einer Umgebungstemperatur von beispielsweise nur 0 Grad auf den bestrahlten Hautpartien bereits als spürbar wärmer empfunden wird. Durch den kräftigen Wind wird diese isolierende Luftschicht jedoch verwirbelt und damit zerstört.

Zudem steigt die Verdunstungsrate über der Haut durch den Wind deutlich an. Diese Verdunstung benötigt sehr viel Energie, da die Wassermoleküle erst bei ausreichender schneller Bewegung gasförmig werden. Die dazu nötige Energie wird in Form von Wärme der Umgebung, also auch der Haut entzogen weswegen der Wind sich so eisig anfühlt.

Gefährlich kann dieser Windchill werden, wenn bei sehr tiefen Temperaturen und starken Wind Erfrierungen drohen. In den am stärksten betroffenen Gebieten liegt die gefühlte Temperatur aktuell unter minus 40 Grad Celsius. Bei solchen extremen Werten muss auf ungeschützter Haut bereits nach 5 Minuten mit Erfrierungen gerechnet werden. In Chicago, der auf der gleichen Breite wie Rom gelegenen „Windy City“ wurde am 10. Januar 1982 eine gefühlte Temperatur von minus 51 Grad gemessen. Die tiefste gefühlte Temperatur im Mittleren  Westen wurde am 2. Februar 1996 in International Falls an der kanadischen Grenze registriert und betrug sogar minus 57 Grad.

Aus diesem Grund wurde der Effekt sehr genau untersucht. Hierbei ergibt sich das Problem, dass das Wärmeempfinden und auch die Speicherung von Körperwärme sehr individuell sind und von vielen schwer zu erfassenden Faktoren abhängen. Beispielsweise spielt natürlich die Kleidung eine entscheidende Rolle, aber auch die körperliche Fitness oder der Anteil an Muskelmasse sind von Bedeutung.

Da die gefühlte Temperatur keine physikalische Größe wie gemessene Temperatur oder Windgeschwindigkeit ist, gibt es auch einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen ihre Bestimmung erfolgt. Es handelt sich also um einen Richtwert, der für kleine dicke Männer mit Vollbart mitunter genauso wenig zutrifft wie für große schlanke Frauen.

Donnerstag, 31. Januar 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 31.01.2019 19:15 Uhr