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Wieso weht der Wind bei einer Westwetterlage aus Südwesten?

Aktuell gelangen milde Luftmassen vom Atlantik auf das europäische Festland. Zwischen Tiefs, die in rascher Folge vom Nordatlantik über die Nordsee nach Skandinavien ziehen und hohem Luftdruck über dem Mittelmeerraum hat sich eine westliche Strömung eingestellt. Am Erdboden beobachtet man jedoch Winde aus südwestlichen Richtungen. Wieso?

Die Natur mag keine Ungleichgewichte. In der irdischen Lufthülle herrschen jedoch ständig Temperatur- und Druckunterschiede. Denn in den Tropen gelangt wegen der hoch stehenden Sonne sehr viel mehr Energie in die Atmosphäre, als in hohen Breiten.

Naheliegender Weise möchte die Luft auf direktem Weg vom hohen zum tiefen Druck strömen um diese Unterschiede auszugleichen. Durch die Erdrotation wird die Luft jedoch abgelenkt. Es stellt sich ein Gleichgewicht zwischen der von den Druckunterschieden hervorgerufenen Druckgradientkraft und er durch die Erddrehung bewirkten sog. Corioliskraft ein. Die Resultierende nennt man den geostrophischen Wind.

Nun muss die Luft dadurch genau senkrecht zu der eigentlich angestrebten Richtung strömen,  also das Zentrum des Tiefs umkreisen und kann sich ihm nicht annähern. Die Beobachtung zeigt aber, das atmosphärische Druckgebilde nicht ewig bestehen bleiben, sondern eine charakteristische Lebensdauer von Tagen bis maximal wenigen Wochen haben. Die Unterschiede werden also ausgeglichen, und die Luft erreicht doch noch ihr Ziel, den tiefen Druck.

Ihr kommt der Umstand zu Hilfe, dass die ablenkende Kraft der Erddrehung auch von der Windgeschwindigkeit abhängt. In den unteren Luftschichten, unterhalb von etwa 0,5 bis 2 km Höhe macht sich von oben kommend in zunehmendem Maße die Bodenreibung bemerkbar, welche die Luftströmung abbremst. Dadurch gewinnt die Druckgradientkraft quasi Oberwasser, und der Wind wird in Bodennähe in Richtung des tiefen Druckes, auf der Nordhalbkugel also nach links abgelenkt.

Weht anders ausgedrückt am Boden ein Südwestwind, so dreht dieser mit zunehmender Höhe unter Verstärkung nach rechts. Die Stärke dieser sogenannten Windscherung hängt vor allem von der Bodenbeschaffenheit ab und beträgt in unseren Breiten über der glatten Meeresoberfläche 15 bis 30 Grad, über glattem Land wie Sand oder Gras 25 bis 40 und über rauer Erdoberfläche wie Wald oder bebautem Land sogar 35 bis 50 Grad.

Mittwoch, 25. September 2019

Tim Staeger

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 25.09.2019 19:15 Uhr