sommer

Ein beständiges Sommerhoch hat es dieses Jahr noch nicht gegeben und sonderlich heiß war es auch noch nicht. Was ist denn jetzt auf einmal los mit dem Wetter, war es das mit dem Klimawandel?

Der Meteorologische Sommer geht nach Definition vom 1. Juni bis 31 August und fasst die drei wärmsten Monate des Jahres zusammen. Über die Hälfte des meteorologischen Sommers ist nun bereits vorbei, doch so richtig ist er noch nicht in Schwung gekommen. In den wärmsten Regionen Deutschlands, am Rhein und in den östlichen Niederungen, gab es erst 2 bis 6 heiße Tage mit Höchstwerten von über 30 Grad. Im übrigen Flachland waren es 1 bis 2 heiße Tage und in den Gebirgen gab es sie meistens noch gar nicht. Dazu zeigte sich das Wetter wechselhaft.

Ein Blick auf die langjährigen Mittel offenbart nun das, was einige Menschen überraschen dürfte: Der bisherige Sommer war nicht so schlecht wie sein Ruf. Der Zeitraum seit 1. Juni zeigte sich in allen Teilen Deutschlands recht einheitlich um ein Grad wärmer als üblich, wenn als Referenzperiode der Zeitraum von 1961 bis 1990 dient. Im Vergleich zu der Periode 1981 bis 2010, auf die sich auch unsere Grafik für Europa bezieht, war er normal temperiert. Auch bezüglich des Sonnenscheins und des Regens war der Sommer 2020 auf die Fläche von ganz Deutschland bezogen bisher sehr normal, beim Regen gibt es jedoch einige stärkere regionale Abweichungen von der Norm.

Längere Hitzewellen, wie wir sie in Deutschland in den vergangenen Sommern häufig erlebten, fanden 2020 bisher in anderen Regionen statt. Und schuld daran ist die Wetterlage. Immer wieder befanden sich Tiefs über Großbritannien und Südosteuropa. Sie verhinderten mit kühler Atlantikluft die Entstehung ungewöhnlicher Hitzewellen bei uns und am östlichen Mittelmeer. Diese konnten jedoch auf der Vorderseite der Tiefs in Osteuropa und Skandinavien beobachtet werden. Noch extremer zeigte sich der bisherige Sommer im Norden von Sibirien. Dort war der Juni vielerorts um mindestens 5 Grad wärmer als üblich und es gab Hitzerekorde. Mit 38 Grad ist am 20. Juni im nördlich des Polarkreises gelegenen Werchojansk ein neuer Hitzerekord aufgestellt worden.

Der bei uns bisher recht normale Sommer 2020 lässt sich also ganz einfach mit den Wetterlagen erklären. Es ist immer wieder interessant, wie vorschnell Aussagen über das Klima getroffen werden. Wer wissen möchte, inwieweit sich das Klima geändert hat, muss langjährige Mittelwerte betrachten, und sich nicht anhand der Witterung weniger Wochen zu Aussagen verleiten lassen. Global betrachtet änderte sich an der in den letzten Jahrzehnten beobachteten Erwärmung nichts. Der Juni 2020 brachte es auf eine um 0,53 Grad höhere globale Mitteltemperatur als es im Mittel der Jahre 1981 bis 2010 üblich war. Der Wert ist nahezu identisch mit dem Juni des Vorjahres, der den Rekord aller durch Messwerte belegten Juni-Monate hält.

Dienstag, 21. Juli 2020

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 21.07.2020 19:15 Uhr