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Linsenförmige Wolkenformationen nennt man Lenticulariswolken. Diese sind ein Vorbote für den Mistral im Süden Frankreichs.

Ein Meer von kleinen linsenförmigen Wolken erstreckt sich auf dem Bild vom Dienstag den 8. Januar nördlich von Marseille in Frankreich. Aufgenommen aus einem Cockpit sieht es aus, als würde man ein Teil dieser Herde sein.  Diese langestreckten, klar definierten Wolken nennt man Lenticularis aus der lateinischen Ableitung „lens“ für Linse. Die hier abgebildeten Wolken gehören zu der Gattung der Altocumulus Wolken. Das sind mittelhohe Wolken, die in einer Höhe von 4 bis 7 Kilometern liegen.  

Sie entstehen meist durch die Hebung von Luftmassen an orographischen Hindernissen, also Gebirgen oder auch einzelnen Bergen. Überströmt eine Luftmasse  ein Gebirge wird die Luft gehoben. Hinter dem Gebirge entsteht eine Wellenbewegung in der Strömung, die sogenannten Leewellen. Am Höhepunkt der Wellenbewegung entstehen Lenticulariswolken. Durch die Hebung der Luft kondensiert der eingelagerte Wasserdampf und wird sichtbar. Sie sind oft ortsfest, das bedeutet die Luft strömt durch die Wolken hindurch ohne die Wolke zu bewegen. Die Wolke besteht dabei immer wieder aus anderen Luftmassen. Kurz vor der Wolke findet Kondensation statt und dahinter verdampfen die Wassertropfen beim Absinkvorgang wieder. Oft werden solche Wolken auch direkt über Bergen beobachtet, die dann wie ein Hut über dem Berg sitzen. Diese Wolken gehören dann jedoch zur Gattung der Stratocumulus, also tiefer Haufenschichtwolken.

Lenticularis können jedoch auch aufgrund von Scherwellen entstehen. Bei dieser Welle erfolgt die Schwingung um 90 Grad gedreht zu ihrer Ausbreitungsrichtung. Sie entstehen wenn Luftmassen mit unterschiedlicher Richtung aneinander grenzen. Diese Wolken bewegen sich von der Stelle.

Treten Lenticularis im Mittelmeerraum auf, wie am Dienstag nördlich von Marseille, kann man sich schon auf einen bevorstehenden Mistral vorbereiten. Der Mistral ist ein kalter, starker Fallwind. Er entsteht oft wenn ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet über dem Atlantik liegt, während in Italien tiefer Luftdruck herrscht. Um ein Hochdruckgebiet verläuft die Luftströmung auf der Nordhalbkugel mit dem Uhrzeigersinn (fun fact: Meteorologen bezeichnen die Luftströmung in einem Hochdruckgebiet als antizyklonal) und um ein Tiefdruckgebiet gegen den Uhrzeigersinn (zyklonal). Liegt ein Hoch nun westlich von einem Tief resultiert daraus eine nördliche bis nordwestliche Luftströmung. Die kalte Luft aus Norden wird vor allem durch die Alpen im Südosten und durch die Cevennen im Süden Frankreichs abgeschirmt und wird durch das Rhonetal kanalisiert. Die Folge sind starke Winde mit Geschwindigkeiten von 50-75 Kilometern in der Stunde. Die Windspitzen können 135 Kilometer in der Stunde und mehr erreichen.

Aktuelle Werte aus dem Süden Frankreichs am 10.01.2019 um 7 Uhr Ortszeit:

Istres: 78 km/h

Montpellier: 57 km/h

Port-Vendres: 115 km/h   

Donnerstag, 10. Januar 2019

Pila Bossmann
hr-Wetterredaktion 

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 10.01.2019 19:15 Uhr