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Nach einem verhältnismäßig kalten Wochenstart wird es im Laufe der zweiten Wochenhälfte wieder milder. Doch es bestehen noch einige Unsicherheiten darin, wie schnell das geht und inwieweit der Osten Deutschlands davon überhaupt betroffen sein wird.

Das Festland kühlt im Winter sehr viel stärker ab als die Wasserflächen der Ozeane. Deshalb ist es für die Witterung in Deutschland entscheidend, ob der Wind aus Westen oder aus Osten weht. Im Winterhalbjahr ist es bei uns üblicherweise mild, wenn uns Luftmassen aus Westen vom Atlantik erreichen. Kalt wird es bei einer Luftzufuhr aus Russland oder Nordosteuropa. Da wir in einem Klima vorherrschender Westwinde leben, siegt meistens der Atlantik. Immer wieder schafft es die Kaltluft dennoch, Deutschland zu erreichen, und manchmal gibt es auch ein zähes Ringen zwischen Winter und Nicht-Winter.

Aktuell erreicht uns zwischen einem Hoch über Südskandinavien und einem Mittelmeertief verhältnismäßig kalte Luft aus Nordosteuropa. Im Süden schneit es dabei in der Nacht zu Dienstag und am Dienstag zum Teil bis auf 300 Meter herunter. Das Temperaturniveau liegt aktuell leicht unter dem langjährigen Mittel für die Jahreszeit. Bei ähnlichen Wetterlagen kann es auch wesentlich kälter werden mit Dauerfrost und Schnee in ganz Deutschland, wie wir es beispielsweise in der letzten Novemberdekade 1985 erlebten. Die aktuelle Nordostströmung dauert hierfür nicht lange genug an. Sie wird erlahmen, ehe uns wirklich kalte Luft erreichen kann. Schuld daran ist eine Umstellung der Wetterlage.

In der zweiten Wochenhälfte zieht sich das Skandinavienhoch erst nach Osteuropa und dann weiter nach Russland zurück. Zugleich etablieren sich über Großbritannien kräftige Tiefdruckgebiete. Diese lenken mehrere Tiefausläufer gegen das zurückweichende Hoch. Der Wettkampf zwischen den Tiefausläufern und dem Hoch wird genau über Deutschland ausgetragen. Aus aktueller Sicht werden sich früher oder später die Tiefausläufer mit milder Atlantikluft in ganz Deutschland durchsetzen, ganz sicher ist das jedoch noch nicht. Vor allem im Osten Deutschlands könnte es sehr lange dauern, bis es milder wird. Nach einem vom Süden abgesehen ruhigen Dienstag macht sich der erste Tiefausläufer am Mittwoch ganz im Westen mit kaum nennenswertem Regen bemerkbar. Sonst wird es sogar recht freundlich. Ein zweiter Tiefausläufer folgt am Donnerstag. Sein Regen und seine milde Luft erreichen immerhin schon weite Teile der Westhälfte. Im Osten bleibt es freundlich und deutlich kälter. Der Dritte Tiefausläufer schafft es am Freitag wahrscheinlich auch in den Osten Deutschlands, dort zum Teil mit gefrierendem Regen. Das kommende Wochenende sollte überall mild verlaufen.

Die Unsicherheiten zeigen sich auch in unserer Temperaturvorhersage für Frankfurt und Berlin. In Frankfurt setzt die Milderung bereits am Mittwoch ein und über das Ausmaß der Erwärmung sind sich die Modelle recht einig. In Berlin ist der Donnerstag voraussichtlich der kälteste Tag. Danach geht es auch dort mit der Temperatur nach oben, die Unsicherheiten sind aber groß.

Montag, 26. November 2018

Dr. Ingo Bertram

hr-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 26.11.2018 19:15 Uhr