westlage

Ab Freitag stellt sich die Wetterlage um. Das aktuell vorherrschende ruhige Hochdruckwetter wird von einer sogenannten „zyklonalen Westwetterlage“ abgelöst. Wie entsteht eine solche Lage, was bringt sie für Wetter und wie häufig kommt sie vor?

Eine Westwetterlage ist dadurch gekennzeichnet, dass die Luft aus Westen nach Deutschland strömt. Im langjährigen Mittel erleben wir in Deutschland an knapp 30 Prozent aller Tag eine Westwetterlage, sie ist die häufigste Wetterlage in unserem Klima. Tage mit südwestlicher oder nordwestlicher Strömung sind darin nicht enthalten. Meistens bestimmen dabei Tiefdruckgebiete unser Wetter, die Westwetterlage ist dann zyklonal. Ein geringerer Anteil der Westwetterlagen ist hochdruckgeprägt, also antizyklonal. Die bei uns vorherrschenden Westwinde entstehen durch die Temperaturunterschiede zwischen den Subtropen und der Polarregion und durch die Erdrotation.

Die polaren Breiten empfangen im Jahresverlauf aufgrund des niedrigeren Sonnenstandes weniger Energie als die Tropen. Dadurch bauen sich deutliche Temperaturunterschiede auf. Kalte Luft ist schwerer und damit dichter gepackt als warme Luft. In ihr nimmt der Druck mit der Höhe schneller ab als in einer Warmluftmasse. Aufgrund dieser Tatsache entsteht in höheren Luftschichten ein deutlicher Druckunterschied zwischen einem Hoch über den Subtropen und einem Tief über der Polarregion. Winde versuchen, diesen auszugleichen. Könnten sie direkt von den Subtropen nach Norden Richtung Pol wehen, würde das auch rasch gelingen. Durch die ablenkende Kraft der Erdrotation, die Corioliskraft, werden die Winde auf der Nordhalbkugel nach rechts abgelenkt. Es entsteht ein Band mit Westwinden. Am stärksten sind sie im Bereich des Jets in 10 Kilometern Höhe.

Die Abbildung zeigt eine schematische Darstellung einer typischen Westwetterlage. Mit den Westwinden in der Höhe werden zwischen einem typischerweise bei den Azoren liegenden Hoch und einem Tief bei Island kleinere Randtiefs von West nach Ost gesteuert. Solange diese Tiefs nördlich von uns vorbeiziehen, weht der Wind bei uns auch am Boden aus westlichen Richtungen. Das Wetter ist wechselhaft. Immer wieder ziehen Tiefausläufer mit Wolken und Niederschlägen von West nach Ost über Deutschland. Zwischen den Fronten lockert es auch mal auf. Die mitgeführte Atlantikluft ist im Winter mild und im Sommer kühl. Eine zyklonale Westwetterlage beschert uns zu allen Jahreszeiten überdurchschnittliche Regenmengen. Schnee fällt im Winter meist nur im höheren Bergland und auch nur vorübergehend. Sind die Temperaturunterschiede zwischen Subtropen und Polarregion groß, können sich Orkantiefs entwickeln. Das passiert eher im Winter als im Sommer. Seit dem Jahre 2009 erleben wir eine auffällige Phase mit einer unterdurchschnittlichen Anzahl von Westwetterlagen. In einigen Jahren konnte man sie nur etwa halb so oft beobachten wie im langjährigen Schnitt.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Dr. Ingo Bertram

ARD-Wetterredaktion

Sendung: "alle wetter!", hr-fernsehen, 04.12.2019 19:15 Uhr