Gesunde Ernährung liegt voll im Trend. Lebensmitteln werden zum Teil ganz erstaunliche Effekte auf die Gesundheit zugeschrieben. So soll Kraftbrühe Arthrose lindern, Hühnersuppe Erkältungen vertreiben, und Nüsse sollen beim Abnehmen helfen und das Leben verlängern. Zu schön, um wahr zu sein? Diesen und vielen weiteren Fragen geht die Sendung auf den Grund und zeigt, dass gesundes Essen richtig lecker sein kann.

Und wie sieht es aus mit Kaffee? Lange Zeit wurde er verdächtigt, dem Körper Wasser zu entziehen, das Herz zu belasten, gar das Leben zu verkürzen. "12-mal natürlich lecker" berichtet über neue Studien, die zu ganz anderen Ergebnissen kommen.

Frisch, naturbelassen, wenig tierisches Fett ist bei gesunder Ernähung oft die Devise. Deshalb greifen viele statt zur Butter lieber zu einem pflanzlichen Öl. Am beliebtesten hierzulande: Rapsöl. Doch ausgerechnet in dem besonders gesunden kalt gepressten Öl fanden Tester giftige Mineralölverbindungen – und die können krebserregend sein. Sollte man in Zukunft also besser auf Rapsöl verzichten?

Platz 12: Suppen

Suppen liegen voll im Trend. Denn sie locken mit massenhaft gesunden Inhaltsstoffen und manche sagen ihnen sogar Heilkräfte nach.

Kraftbrühe für die Knochen

Sie soll gut sein für Knochen und Gelenke, für gesunde Haut, schöne Haare und Nägel. Dafür verantwortlich: das Kollagen, das zum Beispiel in Rinderknochen steckt. Kollagen ist ein Eiweiß und wichtiger Baustein unseres Körpers. Es steckt in Zähnen und Knochen, aber auch in Knorpeln, Sehnen und Bändern. Ohne Kollagen würde der Körper auseinanderfallen.

Das Kollagen aus der Nahrung wird im Verdauungstrakt in Aminosäuren zerlegt und aus denen stellt der Körper dann eigenes Kollagen her. Das wird da genutzt, wo es gebraucht wird und landet nicht direkt in Knochen, Haut oder Haaren.

Hühnersuppe bei Erkältung

Ein zweiter Suppen-Klassiker: Die Hühnersuppe. Die schmeckt nicht nur, sondern hilft auch bei Erkältung haben Wissenschaftler herausgefunden. Bei Virusinfektionen etwa setzt der Körper große Mengen weißer Blutkörperchen frei, so genannte Neutrophile. Sie sind mitverantwortlich für Erkältungs-Symptome wie die laufende Nase. Im Laborversuch zeigte sich, dass Hühnersuppe die Neutrophile blockieren kann. Das, so vermuten die Forscher, lindert die Symptome. Zudem steckt in Hühnersuppe Zink, das die körpereigene Abwehr stärkt. Und die Aminosäure Cystein, die das Abschwellen der Schleimhäute unterstützt.

Gemüse-Linsen-Eintopf für einen gesunden Darm

Suppe drei: Ein Gemüse-Linsen-Eintopf. Die Ballaststoffe der Linsen sorgen schon im Magen für Fülle und damit für ein gutes Sättigungsgefühl. Im Darm saugen sie sich mit Flüssigkeit voll,  dehnen sich aus und regen Darmbewegung und Verdauung an. Ballaststoffe helfen auch bei der Vorbeugung vieler Krankheiten, darunter  Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt und Arterienverkalkung.

Unser Fazit: Suppen und Eintöpfe haben ihren Platz in einer gesunden Ernährung zu Recht.

Platz 11: Lichtpilze

Ein verlassener Nato-Bunker mitten im Wald. Das ist das Reich von Georg Heinrich Rühl, Deutschlands führendem Edelpilzhersteller. Hunderte von Tonnen Austernpilze wachsen hier jedes Jahr. Und einige von ihnen werden zu etwas ganz Besonderem: Zu extrem gesunden Vitamin D-Lieferanten! 

Eiweiß und Vitamine

Austernpilze haben viel Eiweiß, Folsäure und Mineralstoffe. Sogar das wertvolle Vitamin B12, das sonst nur in Fleisch vorkommt. Pilze können noch ein weiteres Vitamin enthalten, eines, von dem viele Menschen zu wenig haben: Vitamin D  - das Sonnenvitamin. Unsere Haut kann es durch das UVB-Licht der Sonne bilden. Es stärkt unter anderem das Immunsystem und die Psyche. Denn es sorgt für Wohlbefinden. Besonders wichtig ist es für starke Knochen.

Weit verbreiteter Vitamin D-Mangel

Doch weil die meisten Menschen zu selten im Freien sind, bekommen sie zu wenig Licht ab. Die Folge ist Vitamin D-Mangel. Und der wirkt sich negativ auf die Psyche aus. Besonders im Winter geht die Stimmung dann schnell mal in den Keller. Leider enthalten nur wenige Lebensmittel Vitamin D. Eier etwa, auch Milchprodukte und Seefisch. Doch über die Nahrung nehmen wir nur ein Drittel der Menge zu uns, die wir eigentlich bräuchten. Pilze könnten entscheidend zur Vitamin-D-Versorgung beitragen. Wild wachsende Pilze bilden ihr Vitamin D über das Sonnenlicht.  Aber die Pilze im Bunker sehen kein Sonnenlicht. Was also tun?

Künstliche Sonne für den Pilz

Ein Forscherteam um den Chemiker Ralf Günter Berger kam auf die Idee Pilze, darunter auch Georg Rühls Seitlinge mit UVB-Licht zu bestrahlen. Ihre Frage: Würde auch das künstliche Licht zur Bildung von Vitamin D in den Pilzen führen? Günter Berger: "Zu unserer eigenen Überraschung ist die Vitamin D Bildung in den Seitlingen sehr viel schneller und intensiver als in jedem Champignon. Und es ist möglich, mit einer Pilzmahlzeit den gesamten Wochenbedarf von Vitamin D zu decken."

Enormer Vitamin-D-Anteil

Ermutigt durch die wissenschaftlichen Ergebnisse begann Georg Heinrich Rühl selbst, Vitamin D-haltige Pilze zu produzieren. 20 Sekunden Besonnung mit UVB-Licht genügen, um aus Vitamin D-armen Austernpilzen Vitamin D-reiche Lichtpilze zu zaubern.

Übrigens: Wer keine UVB-Röhren hat, kann die Pilze auch für ein Stündchen in die ganz normale Wintersonne stellen. Der Effekt ist derselbe.

Platz 10: Kaffee

Kaffee  ist Lifestyle. Und Kaffee ist lecker. Doch Kaffee kann noch viel mehr! In ihm stecken nämlich eine ganze Menge Inhaltsstoffe. Unter anderem der Wachmacher Koffein.

Kaffee macht wach!

Nach dem ersten Schluck vergehen 20 Minuten, bis das Koffein im Blut ist. Dann schlägt das Herz schneller, der Blutdruck steigt. Und Koffein macht das wache Gefühl im Kopf. Normalerweise sorgt dort der Botenstoff Adenosin dafür, dass wir irgendwann müde werden. Dafür muss er im Gehirn an entsprechende Rezeptoren andocken. Koffein jedoch besetzt eben diese Rezeptoren, das Adenosin kann nicht mehr andocken. Die wach machende Wirkung hält bei den meisten Menschen bis zu vier Stunden an. Die Folge: Koffein und Kaffee ist für viele Menschen aus dem Alltag nicht wegzudenken! Heißt das, Kaffee macht süchtig?

Kaffee macht nicht süchtig!

Tatsächlich bekommen regelmäßige Kaffeetrinker, wenn sie keinen Kaffee trinken, Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen und  Konzentrationsschwäche. Aber keine Angst, sagt Kaffee-Experte Prof. Chacan Yeretzian: "Man bringt das in Zusammenhang mit dem Blutdruck, dass eine gewisse Erhöhung des Blutdrucks vielleicht da mit rein spielt, das sich aber nach drei-vier Tagen wieder beruhigt und der Körper sich darauf eingestellt hat. Das hat auch gar nichts mit einer Suchterscheinung zu tun."

Kaffee verlängert das Leben!

Ist Kaffee dann vielleicht sogar gesund? Fest steht: Einige Inhaltsstoffe der Kaffeebohne wirken als sogenannte Antioxidantien. Sie schützen unsere Zellen, indem sie sich an die freien Radikale heften und sie unschädlich machen. Dass Kaffee damit möglicherweise lebensverlängernd wirkt, zeigt eine Studie aus den USA mit 400.000 Probanden. Die Teilnehmer tranken über zehn Jahre täglich zwei bis drei Tassen Kaffee. Das Ergebnis: Die Lebenserwartung stieg um drei bis fünf Jahre. Krankheiten wie Krebs traten seltener auf. Ob die lebensverlängernde Wirkung ausschließlich am Kaffee liegt oder auch am stressmindernden Effekt des gemütlichen Kaffeetrinkens, ist umstritten.

Vier Tassen sind okay

Klar ist allerdings: Menschen mit Bluthochdruck sollten ihren Kaffeekonsum mit dem Arzt besprechen. Ansonsten gilt: Bis zu vier Tassen am Tag sind gesund. Und natürlich lecker!

Platz 9: Nüsse

Schützende Nuss

Nüsse sind nicht nur natürlich lecker - sie stecken auch voller Rätsel und Überraschungen. Stoffwechselexperte Klaus  Parhofer von der Uniklinik München nähert sich dem Phänomen "Nuss" auf wissenschaftliche Weise. Denn die Nuss schafft etwas, wovon andere Lebensmittel nur träumen können: sie schützt vor tödlichen Krankheiten. "Es gibt eine Reihe von Studien die zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Nüsse verzehren, weniger bestimmte Krankheiten bekommen, die bekommen zum Beispiel weniger Zuckerkrankheit, bekommen weniger Herzinfarkte, weniger Krebs und das überträgt sich dann auch in eine verlängerte Lebenszeit."

Cholesterin-Senker Nuss

Warum? Um das heraus zu finden, hat Prof. Parhofer eine Studie mit Walnüssen durchgeführt. Acht Wochen lang haben die Probanden  jeden Tag circa 45 Gramm Walnüsse gegessen - und dann acht Wochen lang keine Nüsse, beides bei gleicher Kalorienanzahl. Besonders deutlich war der Einfluss der Nüsse auf das sogenannte LDL-Cholesterin, verantwortlich etwa für Herzinfarkte. Es konnte um ganze sieben Prozent gesenkt werden.

Schlank Dank Nuss

Und viele Probanden konnten mit der Nuss-Diät sogar noch abnehmen! Ein weiteres Rätsel. Denn eigentlich sind Walnüsse kleine Kalorienbomben: sie bestehen zu 65 Prozent aus Fett, enthalten 15 Prozent Proteine und 100 Gramm haben rund 650 kcal! Die Forscher vermuten, dass die Gewichtsabnahme damit zusammenhängt, dass Nüsse nur grob zerkaut und nicht fein zermahlen werden. Die Nuss-Bestandteile können deshalb vielleicht nicht komplett verdaut werden.

Fest steht: Die positiven Effekte des Nussverzehrs zeigen sich nicht nur von Walnüssen, sondern auch bei allen anderen Nussarten, sogar solchen, die im botanischen Sinne gar keine Nüsse sind, wie Erdnüsse.

Platz 8: Rapsöl

Millionen Deutsche stehen auf Rapsöl. Denn es ist reich an Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren. Doch immer wieder wird in dem Öl etwas gefunden, was da gar nicht reingehört: Rückstände von Mineralöl.

Viele Öle belastet

Die Zeitschrift Ökotest hat Ende 2017 zwanzig Rapsöle untersuchen lassen. In mehr als der Hälfte wurden Mineralöl-Rückstände gefunden. Sogenannte gesättigte Kohlenwasserstoffe, auch MOSH genannt, die im Tierversuch Leberentzündungen ausgelöst haben. Und aromatische Kohlenwasserstoffe, sogenannte MOAH. Diese Verbindungen sind dafür bekannt, dass sie krebserregend sind. Wie aber kommt das Mineralöl überhaupt mit dem Speiseöl in Kontakt?

Eine Ursache: Autos und Erntefahrzeuge. Aber auch Öl-Pressen der Hersteller, die mit mineralölhaltigen Schmierstoffen geölt werden. Ökotest fand ebenfalls heraus: Rapsöle aus Osteuropa waren oft stärker belastet und hauptsächlich die nativen, kalt gepressten Öle, die eigentlich besonders gesund sein sollen, sind belastet. Die raffinierten, also weiterverarbeiteten Öle dagegen kaum. Denn beim Raffinationsprozess kann der Mineralölanteil reduziert werden.

Wir machen den Test

Wie groß ist das Problem bei Ölen aus Deutschland? Das wollen wir herausfinden und kaufen in Supermärkten und Discountern insgesamt acht  Rapsöle, sieben davon mit Raps aus deutschem Anbau. Alles native Rapsöle, die nicht weiterverarbeitet wurden. Im Labor lassen wir sie auf Mineralöl-Rückstände testen. Die Ergebnisse: Vier Proben sind mit Mineralöl belastet. Aber alle bleiben unter dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Richtwert von vier Milligramm pro Kilo. Was bedeutet das?

Forscher geben Entwarnung

Wir fragen nach bei Lebensmittel-Chemiker Dr. Ludger Brühl vom Max-Rubner-Institut. Er gibt Entwarnung: "Das ist jetzt schon ein sehr niedriger Befund und wenn man jetzt die Ergebnisse aus vorherigen Jahren sieht, kann man daran deutlich erkennen, dass die Bemühungen der Hersteller gute Früchte getragen haben."

Die gute Nachricht lautet also: Es scheint sich etwas zu verbessern.

Platz 7: Nudeln

Guiseppe L‘ Abbate kam als Sechsjähriger aus Italien nach Deutschland. Nudeln, der Klassiker aus seiner Heimat, kommen bei ihm und seiner Familie auch heute noch oft auf den Tisch. Aber heute betritt die hessisch-italienische Familie geschmackliches Neuland: Nudeln aus Kichererbsen-Mehl und grünen Erbsen. Können die geschmacklich der klassischen Pasta Konkurrenz machen?

Sie wagen sich als erstes an Kichererbsen-Spirelli. Guiseppe L‘ Abbates Urteil ist eher verhalten: "Die Nudel saugt die Soße nicht auf. Die Soße läuft eher weg, als dass die Soße als dass sie auf den Nudeln drauf bleibt."

Viele Ballaststoffe

Am Institut für Ernährungsforschung in Potsdam sind es die inneren Werte der Kichererbsen-Nudeln, die sie für Prof. Andreas Pfeiffer so interessant machen. Denn Nudeln aus Hülsenfrüchten haben einen klaren Vorteil: "Ballaststoffe sind hier so im Bereich von zehn Prozent - hier in klassischen Nudeln sind sie etwa bei zwei Prozent. Und Ballaststoffe sind die stärksten Komponenten der Nahrung, die uns gesund halten."

Im Dickdarm bauen Darmbakterien Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren ab, die die Schleimhaut vor schädlichen Keimen schützen. Davon profitiert unser Immunsystem. Durch die ballaststoffreiche Ernährung wird dazu noch die Darmtätigkeit angeregt. Das kann das Risiko für Dickdarmkrebs senken. Zudem haben die Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten noch einen leicht Cholesterin senkenden Effekt.

Günstig beim Blutzuckerspiegel

Und die Nudeln aus Hülsenfrüchten lassen im Vergleich zu "normaler" Pasta auch den Blutzuckerspiegel nach dem Essen langsamer ansteigen, es wird weniger Insulin freigesetzt. Allerdings sollten sie kurz, also al dente gekocht werden, empfiehlt Prof. Pfeiffer: "Wenn man sie sehr weich kocht, dann wird die Stärke aufgebrochen, wird sehr schnell verdaut. Man hat also einen schnellen Zuckeranstieg, was eher ungünstig ist. Wenn man sie al dente isst, dann sättigen sie länger, besser; der Zucker steigt weniger und langsamer an. Man braucht weniger Insulin und wird weniger dick."

Hoher Proteinanteil

Zweiter Test. Jetzt gibt's Nudeln aus grünen Erbsen. Andrea L‘Abbate ist begeistert: "Also ich finde den Geschmack ganz toll. Wenn ich jetzt einen Teller mache und ich will das als Beilage, kann ich mir das total gut zu einem Lachssteak vorstellen. Das ist von der Optik her ein Hingucker." Für den Experten sind diese Nudeln eine gute Entscheidung. Denn der Eiweißanteil der Erbsen-Nudel ist im Vergleich zu normaler Pasta doppelt so hoch und die sind wichtig um neue Zellen aufzubauen oder bestehende Zellen zu reparieren.

Fazit: Nudeln aus Hülsenfrüchten sind eine gesunde Alternative. Zumindest dann und wann.

Platz 6: Lupinen

Lupinen essen? Warum nicht! Lupinen können uns ausgewogen ernähren und satt machen.

Essbare  Süßlupinen

Aber: Nicht jede Lupine ist essbar. Wilde Lupinen sind sogar giftig, da sie  viele Bitterstoffe enthalten. Forscher haben die bei der Süßlupine weg gezüchtet. Gegessen werden die Samen. Und die sind wahre Proteinbomben. Dazu enthalten sie alle acht essentiellen Aminosäuren, die wir nur über die Nahrung aufnehmen können. Obwohl Lupinen Hülsenfrüchte sind, enthalten sie keine blähenden Stoffe, wie man sie von Bohnen kennt.

Lupinen statt Schnitzel

Lupinen haben 42 Prozent Eiweißanteil, deutlich mehr als ein Rindersteak. Deshalb sind sie ein guter Fleisch- und Milchersatz. Zudem enthalten sie einen hohen Anteil an Ballaststoffen. Diese fehlen beim Fleisch.

Die meisten Lupinenprodukte sind schon fertig verarbeitet und vorgekocht. Wie zum Beispiel Lupinenfrikadellen -Gyros oder -Schnitzel. Aber auch Lupinenmilch oder –joghurt sind mittlerweile in vielen Supermärkten erhältlich.

Wer weniger Fleisch essen möchte und trotzdem nicht aufs Eiweiß verzichten will, für den sind Süßlupinenprodukte eine gute Alternative.

Platz 5: Lebensmittelretter

Ladenschluss in einer Kasseler Bäckerei. Alles noch frisch, und jetzt: Ab damit in den Müll. Pro Woche sind das allein in dieser Bäckerei 180 Kilogramm Backwaren.

Doch so weit kommt es zum Glück nicht. Dank Nils. Denn er nimmt mit, was sonst in die Tonne käme. Gut für die Umwelt, denn die Herstellung jedes einzelnen Brotes verbraucht Energie, Arbeitskraft und belastet die Umwelt. In einem Kilogramm Brot stecken rund 1.000 Liter Wasser. Zudem entsteht so viel CO2 wie bei einer Autofahrt von fünf Kilometern.

Essensretter im Einsatz

Mehrmals die Woche ist der "Essensretter" unterwegs – in verschiedenen Geschäften wie auch in der Kasseler Markthalle und sammelt dort ein, was übrig ist. Insgesamt hat er schon 400 Einsätze hinter sich. Und dabei über 8000 Kilogramm Lebensmittel abgeholt. Die bringt er dann zu einer Verteilstation an der Uni. Da kann sich dann jeder  – ob Student oder nicht – bedienen.

Essensvernichtung zu Hause

Aber nicht nur bei Bäckern und Händlern wird weggeschmissen. Auch bei uns zu Hause. Denn immer noch landet jedes achte gekaufte Lebensmittel in der Tonne. Macht für jeden von uns 82 Kilogramm und bundesweit 6,7 Millionen Tonnen pro Jahr. Wie kommt es dazu? Wir kaufen oft viel mehr, als wir brauchen, zum Beispiel Großpackungen. Schmeißen schon weg, wenn das Haltbarkeitsdatum naht. Kochen mehr als wir benötigen und entsorgen die Reste.

Günstiges Essen für Selbstabholer

Zeit, der Verschwendung den Kampf anzusagen. Deshalb geben mittlerweile auch Läden und Restaurants günstig ab, was bei Ladenschluss übrig bleibt – an Selbstabholer. Welche Läden mitmachen, das zeigt die App "Too Good To Go". Übrigens: Ein leckeres Menü kostet dann höchstens 3,50 Euro.

Platz 4: Burgunder-Trüffel

Er fehlt in keiner Gourmetküche:  Burgundertrüffel. Der edle Pilz galt in Deutschland lange als praktisch ausgestorben. Deshalb muss er importiert werden, zum Beispiel aus Frankreich. Doch das könnte sich ändern.

Drei vergraben, vier gefunden

Alles fing an mit einem Trüffelhund, den die Forstbotaniker Ludgar Sproll und Ulrich Stobbe im heimischen Stadtwald trainieren wollten. Ulrich Stobbe: "Wir waren wirklich total verblüfft: Drei Trüffel vergraben, die ich dabei gehabt habe und vier haben wir gefunden. Und da war uns bewusst: Wir haben hier Trüffel in Deutschland!"

Trüffel-Forschungsprojekt

Da gibt es bestimmt noch mehr, vermuteten die beiden Forstbotaniker und starteten ein Forschungsprojekt. Das überraschende Ergebnis: An 116 Stellen in Baden-Württemberg fanden sie die kostbaren Burguntertrüffel. Wo genau, verraten sie nicht. Denn Trüffel stehen heute auf der Roten Liste, dürfen in Deutschland nur für Forschungszwecke aus der Natur entnommen werden.

Eine Trüffelbaumschule

Und so kam den Forschern die Idee, Trüffel selbst anzubauen. Sie entnahmen den Pilzen Sporen und beimpften damit die Wurzeln kleiner Eichen, Buchen und Haselnussbäume - Baumarten, mit denen sich Trüffel gern zusammen tun. Jahrelang machten sie immer neue Versuche. Dann endlich der Durchbruch: Der Pilz verband sich mit dem Baum, ging die erhoffte Symbiose mit ihm ein. Die Forscher gründeten darauf hin eine Trüffelbaumschule und zogen Trüffelbäume im Schutz von Gewächshäusern vor. Im Frühjahr 2011 setzen sie dann ihre ersten Bäume auf der Plantage von Heinrich Gretzmeyer aus. Dann hieß es wieder warten. Denn es dauert etwa sieben Jahre bis Bäume tatsächlich Trüffel "tragen".

Erfolg lässt auf sich warten. Noch…

Dieses Jahr hatten sie keinen Erfolg. Aber die Beiden sind überzeugt, dass sie schon bald ihre ersten eigenen Burgundertrüffel ernten können.

Platz 3: Wildkräuter

Wie wär’s denn damit: Wildkräuter vom Wegesrand? Nur wenigen läuft wohl bei diesem Gedanken das Wasser im Munde zusammen.

Wildkräuter: Natur pur

Doch das sollte sich ändern, sagt Wildkräuter-Experte Markus Strauß: "Das sind die ehrlichsten Lebensmittel die wir heute bekommen können - ohne Züchtung ohne Gentechnik ohne Dünger ohne Agrar-Chemie."

Markus Strauß ist überzeugter Fan der essbaren Wildpflanzen. Zusammen mit der Hochschule Nürtingen-Geislingen bildet er Wildkräuter-Experten aus. Und: Er selbst isst die Kräuter täglich.

Grüne Soße aus Wildkräutern

Wie lecker Giersch und Co. tatsächlich sind, will uns Markus Strauß heute beweisen. Dazu sammelt er sieben Wildkräuter für seine Version des Hessischen Nationalgerichts: der Grünen Sauce. Wildkräuter haben oft mehr gesunde Inhaltsstoffe als manch gezüchtete Pflanze. Der humusreiche Waldboden ist sehr nährstoffreich und somit auch die 7 Kräuter, die Markus Strauß für seine Version der Grünen Soße zusammen sucht.

  • 1. Der Giersch. Wo er sprießt, gedeiht  sonst kaum noch etwas. Für so manchen Gärtner ein Unkraut, dem man nur mit roher Gewalt beikommen kann.  Nur die wenigsten kommen auf die Idee, ihn einfach zu ernten. Eigentlich schade, mein Strauß: "Er ist ein richtiges Wunderpaket, ein Kraftpaket. Viele Spurenelemente und Mineralien, dann eine große Menge an Vitamin C, und, und das ist das Besondere eine hohe Menge an pflanzlichen Eiweiß." Geschmacklich kommt er der Petersilie sehr nahe.
  • 2. Die Knoblauchsrauke. Sie enthält Senfölglykoside, also Scharfstoffe, die den Stoffwechsel anregen und somit eine entgiftende Funktion haben, sowie Vitamin A und C.
  • 3. Schaumkraut. Das enthält Senfglycoside, dazu viele Mineralien und Spurenelemente.
  • 4. Brennnessel. Sie enthält sehr viel Eisen, entwässert und fördert den Stoffwechsel. Zudem hilft sie bei Prostataleiden und reguliert den Blutzuckerspiegel.
  • 5. Taubnessel. In ihr stecken ätherische Öle, ähnlich denen in Thymian und Lavendel.
  • 6. Vogelmiere. Sie sorgt im Darm für eine gute Nährstoffaufnahme. Sie soll sogar vor Darmkrebs schützen.
  • 7. Löwenzahn. Im  eigenen Garten bringt er viele zur Weißglut. Weil er besonders gerne im Rasen wuchert. Bisweilen wird da schweres Geschütz aufgefahren. Schade eigentlich, sagt Markus Strauß: "Diese Pflanze ist jetzt ein echter Gesundbrunnen, weil sie auch wieder reich an Mineralstoffen und Spurenelementen ist, aber vor allem eben auch an Bitterstoffen."

Extrem gesunde Bitterstoffe

Bitterstoffe sind enorm wichtig, weil sie Leber, Bauchspeicheldrüse und Galle in ihrer Funktion anregen, also bei der Entgiftung des Körpers helfen.

Vielleicht lohnt es sich ja, diese Variante der Grünen Soße mal auszuprobieren.

Platz 2: Urkörner

Noch sind sie ein kulinarischer Geheimtipp. Doch Spitzenköche wie Slim Khanchouch schwören auf sie: Urkörner. Mit Quinoa und Amarant zaubert er völlig neue Geschmackserlebnisse. Und: Die exotischen Zutaten sind auch noch richtig gesund.

Proteinreiches Quinoa

Welches Potential tatsächlich in den Urkörnern steckt, versucht man an der Uni Hohenheim in Baden-Württemberg heraus zu finden. Die Forscherin Simone Graeff-Hönninger hat die Körner bis aufs kleinste Molekül untersucht. Besonders Quinoa hat sie überrascht: "Quinoa enthält sehr, sehr viele Proteine, hat also einen hohen Proteingehalt, enthält sehr, sehr viele Ballaststoffe und natürlich auch Mineralien, vor allem insbesondere Magnesium, Kalzium und er enthält auch wertvolle essentielle Aminosäuren die wir mit anderen Getreidearten in dem Maße nicht abdecken können."

Viel Eisen in Amarant

Ebenso gesund ist auch sein naher Verwandter, der Amarant. In Hohenheim hat man herausgefunden dass in dem Fuchsschwanzgewächs sehr viel gesundes Öl steckt. Prof. Simone Graeff-Hönninger: "Und auch sehr hohe Anteile an entzündungshemmenden Stoffen. Andererseits ist Amarant auch sehr attraktiv, weil es extrem hohe Gehalte an Eisen aufweist."

Gesunder Klassiker: Das Einkorn

Auch das Einkorn findet immer mehr Freunde. Einkorn gehört zu den ältesten kultivierten Getreidearten weltweit. Doch da moderne Weizen-Sorten viel ertragreicher sind, geriet es fast in Vergessenheit. Leider. Denn es enthält wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente wie Magnesium, Zink und Eisen - deutlich mehr als Reis oder Weizen.

Slim Khanchouch hat ein ganzes Menü aus den Urkörnern gezaubert. Quinoa-Risotto mit Dorade. Ein frischer Salat aus Quinoa, Apfel, Paprika und Kalb und zum Abschluss Amarant mit Jogurt, Obst und Einkornkeksen. Das sieht nicht nur lecker aus, sondern ist auch ein wahrer Genuss …

Platz 1: Bienen und Erdbeeren

Wenn Bäcker Jens Hildebrand Erdbeerkuchen macht, dann ist ihm das Beste gerade gut genug, deshalb holt er die Früchte direkt vom Hof der Erdbeerbauern-Familie Mecke bei Göttingen.

Doch es gab Zeiten, da hatten die Meckes große Qualitätsprobleme mit ihren Erdbeeren. Kay Mecke: "Wir hatten viele Früchte, die nicht richtig ausgebildet waren, also förmlich deformiert waren. Und wir konnten uns dieses Phänomen nicht erklären."

Schlechte Bestäubung?

Durch Zufall trafen sie damals auf Björn Klatt. Der Agrarwissenschaftler hatte sofort einen Verdacht: Die Probleme der Meckes könnten mit der Bestäubung auf ihren Erdbeerfeldern zu tun haben. Björn Klatt und sein Wissenschaftlerteam wollten deshalb die verschiedenen Bestäubungsarten miteinander vergleichen. Bei einem Teil der Pflanzen packten sie dazu jede einzelne Blüte in Plastikfolie ein. Dadurch konnten sich die Pflanzen nur selbst bestäuben. Bei anderen Pflanzen sorgten Netze dafür, dass nur Windbestäubung möglich war. Der Rest der Erdbeeren stand frei. Hier kamen Insekten zum Zug – vor allem Bienen.

Zusätzliche Nisthilfen

Um die anzulocken, wurden Nisthilfen aufgestellt. Für Wildbienen. Die nutzten dankbar die neue Brutbehausung, denn ringsum fehlten solche Nistmöglichkeiten. Jeder Bienenanflug wurde unter die Lupe genommen. Unter anderem mit Kameras. Big Brother auf dem Erdbeerfeld. Die Forscher waren überrascht: besonders über die neu angesiedelten Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehörten. Björn Klatt: "Natürlich machen die Honigbienen die große Masse der Bestäuber aus. Aber Wildbienen können bei viel widrigeren Temperaturen fliegen. Sie fliegen viel länger am Tag, bewegen sich effektiver auf der Blüte und können auch viel, viel mehr Blüten in einer kürzeren Zeiteinheit bestäuben."

Insgesamt waren die Insekten bei der Bestäubung deutlich effektiver als der Wind. Die Tiere brachten viel mehr Pollen auf die Blüte und verteilten ihn darauf auch besser.

Fester, röter, frischer

Bei den Erdbeeren von Familie Mecke machte sich das Plus an Bienen deshalb bezahlt.  Die von den Bienen bestäubten Erdbeeren sind fester und röter. Ihr Geschmack ist ausgewogener. Und: Insektenbestäubte Früchte bleiben über einen Tag länger frisch. Björn Klatt hat errechnet, dass Europas Erdbeerbauern mit Insektenbestäubung einen Mehrgewinn von jährlich 235 Millionen Euro erwirtschaften könnten

Natürlich und lecker – das passt doch wirklich gut zusammen. Nicht nur bei Erdbeeren.


Sendung: hr-fernsehen, "12-mal Natürlich lecker", 17.01.2019, 21:00 Uhr