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Senckenberg

Frankfurter Bürger gründeten 1817 die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft – heute Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung - um die Naturwissenschaft zu fördern und ein öffentliches Naturalienkabinett einzurichten.

Ihren Namen trägt die Gesellschaft zu Ehren des großzügigen Frankfurter Arztes Johann Christian Senckenberg. Ein großzügiger Stifter, der sein ganzes Vermögen in die Gründung eines Hospitals und in die Wissenschaft investierte.

1821 wird das erste Senckenberg-Museum, das Senckenbergianum eröffnet. Die meisten Exponate kommen aus privaten Sammlungen, die von Mitgliedern gestiftet wurden. Sie betreuen das Museum auch ehrenamtlich.  

Eduard Rüppell – der Frankfurter Humboldt

Besonders viel zu verdanken hat die Gesellschaft Eduard Rüppell: Frankfurter Bankierssohn und erfolgreicher Kaufmann. Eine Handelsreise führte ihn nach Ägypten, wo er im Alter von 23 Jahren den Entschluss fasste, Forschungsreisender zu werden. Rüppell stellte sein geerbtes Millionenvermögen und sein ganzes Leben in den Dienst der Wissenschaft. Er unternahm mehrere, bis zu fünf Jahre lange Afrika-Reisen und lernte sogar afrikanische Stammessprachen. Rüppell leistete großes in der Landvermessung, erforschte Kultur, Flora und Fauna, sammelte, präparierte, skizzierte, dokumentierte. Er war einer der ersten Afrikaforscher und gilt heute als der Frankfurter Humboldt. Rund viertausend Forschungsobjekte brachte Rüppell von seinen Expeditionen mit. Sie sind der Grundstock für das erste Senckenbergmuseum.

Schnell genoss die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft höchstes Ansehen. Humboldt, Darwin, Goethe – die Liste der Ehrenmitglieder liest sich wie das "who is who" der damaligen Wissenschaftsprominenz.  

Erster Dinosaurier zur Eröffnung des neuen Senckenberg-Museums

Ende des 19. Jahrhunderts platzte das Senckenbergianum aus allen Nähten. Ein neues Museum wurde gebaut. Die Sammlung zog an ihren heutigen Standort. Höhepunkt der feierlichen Eröffnung am 13. Oktober 1907 war die offizielle Übergabe des ersten Dinosauriers. Eine Schenkung des American Museum of Natural History. Das neue Senckenbergmuseum war hochmodern. Dioramen sollten die Tiere jetzt möglichst lebensnah zeigen. Im Senckenbergmuseum war das die Geburtsstunde der Museumspädagogik. Neben der Schausammlung für die Öffentlichkeit gab es jetzt aber auch ein Forschungsinstitut mit eigener wissenschaftlicher Sammlung.

1923 hatte die Gesellschaft bereits 14.000 Mitglieder. Trotz Inflation und Wirtschaftskrise schaffte sie es, sich weiter zu vergrößern. Mit "Senckenberg am Meer" wurde in Wilhelmshaven sogar ein neues Institut gegründet.

Der Zweite Weltkrieg brachte die Forschungsarbeit fast völlig zum Erliegen. Arthur von Weinberg - ein wichtiger Mäzen - verlor sein Leben im KZ (+ 1943, Theresienstadt) und bedeutende Forscher wie Franz Weidenreich (Anthropologe), Fritz Haas (Zoologe),Tilly Edinger (Paläontologin) wanderten aus in die USA. Die meisten Wissenschaftler mussten in den Kriegsdienst und wer bleiben durfte war damit beschäftigt, die Sammlungen zu sichern und auszulagern. Als die Bomben das Museum am 22. März 1944 trafen, waren die Exponate auf 40 sichere Orte verteilt.  

Nach dem Krieg: Senckenberg wird stattlich geförderte Forschungseinrichtung

Noch bevor die Arbeiten für den der Wiederaufbau abgeschlossen waren, öffnete das Senckenbergmuseum am 31. Mai 1947 seine Pforten wieder. Seit 1954 finanzieren Bund und Länder die Gesellschaft. Ein gravierender Einschnitt, denn seitdem ist Senckenberg eine staatlich geförderte Forschungseinrichtung mit fest angestellten wissenschaftlichen Mitarbeitern und klar gestecktem Ziel: Vergangenheit und Gegenwart erforschen, um das Ökosystem Erde besser verstehen und schützen zu können. Daran arbeiten heute rund 300 Wissenschaftler an 11 Standorten und mit mehr als 40 Mio. Forschungsobjekten.

Sendung: "alles wissen", hr-fernsehen, 30. August 2017, 21 Uhr