Die Werbung verspricht uns oft das Blaue vom Himmel: Genuss ohne Reue, Gesundheitsprodukte zu Schnäppchenpreisen und Wunderkosmetik dank neuer Erfolgsformeln. Aber was stimmt davon?

Lässt ein exotischer Abnehm-Kaffee tatsächlich die Pfunde purzeln? Kann ein Deo 72 Stunden vor Schweißgeruch schützen? Und: Ist der Gelbe Sack wirklich eine so gute Recycling-Idee? Wir wollen diesen Fragen nachgehen und Ihnen Tipps geben, worauf Sie achten müssen, um nicht in die Falle zu tappen.

9 - Lebensmittelbetrug

Der Skandal um das Insektengift Fipronil in Hühnereiern hat uns Verbraucher stark verunsichert. Dabei wollten wir doch eigentlich glauben, dass in Eiern kein Gift enthalten ist. Experten sagen: 100 Millionen von Hühnereiern mussten aus dem Verkehr gezogen und vernichtet werden.

Das Beispiel zeigt: Wenn es um falsche Versprechen geht, sind auch immer wieder Lebensmittel betroffen. Um Lebensmittelbetrug zu bekämpfen, wird am Bundesinstitut für Risikobewertung nach Methoden gesucht, um den Betrügern das Handwerk zu legen.

Gepanschtes Olivenöl

Beispiel Olivenöl: Hier wird immer wieder getrickst. Da werden zum Beispiel minderwertige Öle als hochwertige verkauft. Oder die Angabe des Herkunftslandes gefälscht. Manche enthalten sogar gesundheitlich bedenkliche Stoffe wie Mineralöl. Eine neue Testmethode soll all das in Zukunft schnell entlarven können. Dafür müssen aber erst zahlreiche Olivenöle aus aller Welt auf ihre Inhaltsstoffe analysiert und Ölprofile erstellt werden. Die sollen anschließend mit Profilen von verdächtigen Olivenölproben verglichen werden.

Gestrecktes Paprikapulver

Bei Paprikapulver haben die Forscher bereits zweihundert handelsübliche Sorten analysiert. Sind Fremdstoffe, wie zum Beispiel Siliciumdioxid also Sand beigemengt, weicht das Profil deutlich ab. Die Forscher fanden mit dieser Methode auch PVC–Partikel, Holz oder rote Beete im Paprikapulver. Stoffe, die zugesetzt werden, um das Pulver zu strecken. Besonders bedenklich waren Funde von Bleioxid. Denn das ist für Verbraucher sogar gesundheitlich bedenklich.

Industriemethanol in Spirituosen

Auch Panschereien mit Wein sind die Wissenschaftler auf der Spur. Ein typischer Trick: Dem Wein wird vor der Gärung Rüben- oder Rohrzucker zugesetzt. Vergleichsweise harmlos gegenüber dem, was schon im Wodka gefunden wurde: Industriemethanol, der eigentlich als Scheibenreiniger auf den Markt gekommen ist. Er wurde Wodka zugesetzt und dadurch sind in der Tschechischen Republik 2012 viele Menschen ums Leben gekommen.

Die Forscher wollen nun portable Messgeräte entwickeln, um unerwünschte Fremdstoffe in Produkten bereits an Häfen oder Flughäfen enttarnen zu können.

Ist Lebensmittelkauf Vertrauenssache?

Stellt sich die Frage: können wir Lebensmittelhändlern überhaupt noch vertrauen? Fakt ist: Vertrauen in den Händler ist für 90 % der Deutschen sehr wichtig. Aber vertrauen sie ihnen tatsächlich? Etwa unseren Supermärkten und Discountern? Immerhin die Hälfte der Befragten vertraut den hiesigen Supermärkten. Man könnte meinen, das liegt auch am Angebot von Bioprodukten. Aber: Nur 45 Prozent halten das Bio-Versprechen der Discounter und Supermärkte für glaubwürdig. Beim Bioladen sind es hingegen knapp 70 und im Hofladen sogar 75 Prozent.

Diesen Ergebnissen zum Trotz: Besonders bei Discountern, Super- und Drogeriemärkten steigt der Umsatz von Biolebensmitteln.

8 - Falsch deklarierter Fisch

Fisch ist gesund. Aber landet tatsächlich immer der Fisch in unserer Einkaufstasche, der auf dem Etikett ausgezeichnet ist? Das hat sich auch die Molekularbiologin Babett Günther gefragt – und hat insgesamt 118 Stichproben von Fischprodukten bei Fachhändlern wie auch in Supermärkten untersucht. Mit Hilfe eines von ihr, am Senckenberg-Forschungs-Institut-Wilhelmshaven, neu entwickelten DNA-Tests kann sie genau bestimmen, um welche Fischart es sich handelt. Das war bisher nur bei rohem Fisch möglich. Bei verarbeiteten Fischprodukten etwa als Pizzabelag, bei Fischpasten, geräuchertem und in Säure eingelegtem Fisch funktionierte das bisher nicht.Denn durch die Hitze oder die Säure zerfällt die DNA in sehr kleine Stücke. Für die klassischen Tests wurden aber lange und intakte DNA-Fragmente benötigt.

Neue Methode bringt es ans Licht

Mehrere Monate lang arbeitete Babett Günther mit ihrem Team an dem neuartigen Test, der nun auch mit Hilfe kürzerer DNA-Fragmente die Fischart eindeutig bestimmen kann. Die Ergebnisse aus der DNA-Analyse verglich sie mit den Angaben der Fischverkäufer oder denen auf der Verpackung. Das Resultat: Etwa jede zehnte Probe war nicht richtig etikettiert, besonders bei stark verarbeiteten Fischprodukten. Zum Beispiel fand sie bei ihren Proben statt weißen, hochwertigeren Heilbutt, den das Etikett versprach, nur schwarzen Heilbutt. Statt Buttermakrelen identifizierte sie Ölfisch.

Gesundheitsgefahr durch falsch deklarierten Fisch

Das Problem: Für Allergiker kann falsch deklarierter Fisch zur Gesundheitsgefahr werden. Bei Betroffenen kann das Durchfall und starke Kopfschmerzen auslösen.

Allerdings: Nicht immer steckt böser Wille dahinter. Gerade bei der Hochseefischerei werden oft verschiedene Fischarten gefangen, die im Akkord sortiert werden müssen - mitunter falsch. Auch bei der Verarbeitung können Arten verwechselt werden. Und wegen der langen Verarbeitungs- und Exportkette können Angaben zu den Fischwaren verloren gehen.

Das Forscherteam in Wilhelmshaven plant jetzt, das neue Test-Verfahren schneller und günstiger zu machen, damit es in Zukunft bei Lebensmittelkontrollen eingesetzt werden kann.

Lebensmitteltricksereien haben übrigens eine lange Tradition. Und sind natürlich nicht nur auf Deutschland beschränkt. In der Vergangenheit gab es sogar Wissenschaftler, die systematisch versucht haben, zu betrügen. Mit schlimmen Folgen für uns Verbraucher.

7 - Fruktose

Dem Zucker sind wir verfallen – obwohl wir wissen, dass er ungesund ist, können wir nicht mehr von ihm lassen. Aber ein bestimmter Zucker soll ganz besonders schädlich sein, in hohen Dosen sogar ein schleichendes Gift: Fruchtzucker.  Fruktose.

Experten warnen

Der Ernährungsforscher Andreas Pfeiffer  warnt vor zu viel Fruktose:  Fruktose ist vor allen Dingen in der letzten Zeit wahrgenommen worden als eines der Probleme in der Ernährung, eben weil es ein Zucker ist, der erhebliche Wirkungen auf die Leber hat. Wenn man den in größeren Mengen aufnimmt, kann er zu einer Fettleber führen.

Dabei steigt unser Fruktosekonsum stetig. Vielen Fertigprodukten wird dieser Zucker zugesetzt. Auch vielen Süßwaren. Fruktose wird immer mehr hochkonzentriert industriell hergestellt. Und das hat gute Gründe: Reine Fruktose hat von allen Zuckern die größte Süßkraft, und sie kann sehr kostengünstig hergestellt werden.

Sie galt sogar lange als gesund. Weil sie den Blutzucker nicht erhöht, wurde sie Diabetikern ausdrücklich empfohlen. Denn Fruktose verhält sich im Körper vollkommen anders als beispielsweise der Zucker Glukose.

Fruktose und Glukose – zwei völlig unterschiedliche Zucker

Glukose gelangt über den Dünndarm direkt ins Blut und lässt so den Blutzuckerspiegel ansteigen. Mithilfe des Hormons Insulin wird Glukose in die Zelle hinein geschleust und versorgt sie dort mit Energie.

Fruktose gelangt langsamer als Glukose aus dem Dünndarm ins Blut. Sie kann nicht von den Zellen aufgenommen werden, sondern wird in der Leber abgebaut – und zu Fett umgewandelt.

In Haushaltszucker stecken beide Zuckerarten, denn Haushaltszucker besteht gleichermaßen aus Glukose und Fruktose.

Schon vor über zehn Jahren geriet Fruktose in Verdacht

Der Verdacht, dass Fruktose gefährlich sein könnte, kam US-amerikanischen Forschern bereits vor über zehn Jahren. Sie stellten fest, dass Mäuse, die eine Fruchtzuckerlösung tranken, deutlich mehr zunahmen als Mäuse, die eine Lösung aus Haushaltszucker bekamen. Auch der Tübinger Stoffwechselforscher Andreas Fritsche begann sich für Fruktose zu interessieren. Er wollte wissen, wie dieser Zucker im menschlichen Körper verstoffwechselt wird.

Dazu spritzte er Probanden unterschiedliche Mengen an Fruktose und nahm dabei genaue Messungen vor, wieviel Energie seine Probanden während eines solchen Versuchs verbrauchten. Während dieser Untersuchungen wurde ständig der Blutzuckerspiegel  kontrolliert:  Man misst dann, wie viel Zucker zum Beispiel die Leber produziert, wie viel Fett die Leber produziert und wie viel Zucker gespeichert wird. Bei der Auswertung der Untersuchungen stellte er – wie auch andere Wissenschaftler – fest, dass zu viel Fruktose zu einer Gewichtszunahme führt.

Fruktosefolgen in der Leber wie nach Alkoholmissbrauch

Noch verheerender sind die Veränderungen an der Leber. Dort traten dieselben Schäden auf wie nach Alkoholmissbrauch. Professor Andreas Fritsche kennt die Ursachen: Wenn einfach die Leber zu viel zu tun hat mit dieser Fruktose, dann schafft sie diese Verstoffwechslung nicht mehr richtig und dann wird die Verfettung angestoßen.

Das bedeutet: Die Leber wandelt Fruktose zu Fett um, das dann teilweise in den Körper transportiert und in Fettdepots gelagert wird. Aber auch in der Leber selbst werden durch Fruktose Fettzellen gebildet. Zu viele davon führen zu einer Fettleber, genau wie ein zu hoher Alkoholkonsum.

Fruktose hat gleich mehrere Mechanismen zum Dickwerden

Wer zu viel Fruktose zu sich nimmt, riskiert aber nicht nur eine Fettleber und in der Folge Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Auch die Harnsäure-Konzentration im Blut wird erhöht, sagt Andreas Pfeiffer: Das ist mittlerweile auch bestätigt, dass die Harnsäure direkt die Fettsynthese in den Leberzellen anregen kann, also ne Fettleber machen kann. Und Harnsäure wird auch gebildet durch Fruktosestoffwechsel in der Leber.

Andreas Fritsche kennt die Wirkung von Fruktose auf ganz bestimmte Hormone: Es ist ein spannendes Gebiet, wie wir satt werden und wie wir hungrig bleiben, und da spielt offensichtlich die Fruktose auch eine Rolle.

Wenn wir Fruktose aufnehmen, wird in der Magenschleimhaut das Hormon Ghrelin gebildet. Dieses Hungerhormon meldet an das Gehirn,  dass wir noch nicht satt sind. Wir essen mehr.

Dabei ist das Hauptproblem oft gar nicht das Essen. Der Wissenschaftler Andreas Pfeiffer warnt vor zu viel Fruktose durch Softdrinks oder Säfte: In einem Liter Apfelsaft ist der Zuckergehalt im Grunde so wie in den Äpfeln. Aber wenn ich hier so einen Liter trinke, dann entspricht das acht Äpfeln. Wenn ich diese acht Äpfel esse, dann habe ich sicher die Nase voll. So eine Flasche kann ich aber leicht trinken.

Vorsicht bei Getränken, Obst ist erlaubt

Wer auf seinen Fruktose-Konsum achten will, sollte auch bei Softdrinks und Fertigprodukten auf die Zutatenliste schauen – und zwar nicht nur auf das Wort Fruktose. Auch hinter dem Begriff Corn Sirup versteckt sich eine Menge. des schädlichen Zuckers. Und Obst?

Das bleibt weiterhin gesund. Denn darin steckt weniger Fruktose, dafür aber Ballaststoffe und Vitamine.

6 - Softdrinks und Light-Getränke

Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Fettleber und Diabetes das sind längst schon Volkskrankheiten. Eine Ursache: zu viel Zucker. Auch  Christian Schadler aß und trank von Kindheit an viel Süßes. Vor allem Softdrinks gehörten für ihn einfach dazu. Rund 3 Liter trank er davon täglich und wog zeitweise bis zu 180 Kilogramm. Kein Wunder, denn allein in den drei Litern Softdrinks steckt die Energie von 30 Stück Würfelzucker, etwa 1.000 Kilokalorien – jeden Tag. Und so kam zu seinem Übergewicht bald auch Bluthochdruck dazu, gegen den er Tabletten nehmen muss.

Krank durch Zucker

Wissenschaftler am Deutschen Institut für Ernährungsforschung untersuchen, wie Menschen auf kalorienreiche Getränke reagieren. Das Problem: Softdrinks schmecken sehr gut und wir möchten gern mehr davon trinken. Aber die Softdrinks mit ihren vielen Kalorien machen nicht wirklich satt. Der Zuckerspiegel steigt zwar kurzzeitig sehr stark an, fällt aber auch sehr schnell wieder ab. Und dieses starke Tal, das sich danach ergibt, sorgt in der Regel dafür, dass kurz danach schon wieder ein neues Hungergefühl entsteht. Das heißt: Christian Schadler hatte permanent Lust auf Süßes - und er bekam ständig Hunger. Bis ihm seine 180 Kilogramm zu viel wurden.

Light- statt Zuckerdrinks?

Statt komplett auf Limos zu verzichten, stieg er deshalb vor einigen Jahren auf Light-Produkte um und spart dadurch täglich 1.000 Kilokalorien ein. Der Erfolg blieb jedoch aus. Für Ernährungsforscher Dr. Stefan Kabisch keine Überraschung. Denn es gibt viele Hinweise, dass Süßstoffe den Appetit anregen. Die Kalorien, die Süßstoffe einsparen, würden dann an anderer Stelle zusätzlich gegessen, so dass die Kalorienbilanz letztlich gleich bleibt.

Die Forscher vermuten außerdem, dass Süßstoffe auch direkt auf den Körper wirken. Sie könnten die Hormonausschüttung beeinflussen und darüber indirekt auch unseren Appetit. Außerdem scheint es möglich, dass Süßstoffe die Zusammensetzung der Darmbakterien verändern und dadurch mehr Kalorien aus der Nahrung aufgenommen werden. Auch das würde zu einer Gewichtszunahme führen. Sollten die Forscher Recht haben, wären Süßstoffe plus Zucker für Abnehm-Willige eine besonders schlechte Kombination.

Ernährungsumstellung brachte die Wende

Christian Schadler suchte sich Hilfe bei einer Ernährungsberaterin, um endlich abzunehmen. Mit ihr stellte er seine Ernährung völlig um: Süßstoff-Drinks wurden komplett gestrichen. Außerdem gab’s Fisch und Tofu statt großer Fleischportionen. Dazu viel Obst und Gemüse. Mit vernünftiger Ernährung und Sport schaffte er es – er nahm 50 Kilogramm ab. Das Verlangen nach Süßem hat Christian Schadler mittlerweile im Griff. Denn klar ist: Egal ob Zucker oder Süßstoffe - süße Getränke sind wie Süßigkeiten: nur in Maßen zu empfehlen.

5 - Gefährliche Internet-Importe

Im Internet locken viele Produkte. Schlankheitskaffee zum Beispiel klingt toll. Aufgießen, trinken, und ganz schnell zum Wunschgewicht. Und praktisch ist es dazu: Ein Mausklick – schon bestellt. Aber ist das wirklich eine gute Idee? Lebensmittelkontrolleurin Dr. Sabine Pluskat  warnt ausdrücklich vor solchen Internetprodukten. Denn mitunter können diese sogar lebensgefährlich sein.

Dr. Sabine Pluskat kontrolliert im Auftrag des Hessischen Landeslabors am Frankfurter Flughafen Internetlieferungen aus aller Welt. Im Fokus: Päckchen mit potenziell gefährlichem Inhalt. Ihren Kollegen vom Zoll ist heute bei einer Stichprobe ein verdächtiges Päckchen aufgefallen. Adressiert an eine Privatperson. Dieses Päckchen enthält einen der fragwürdigen Schlankheitskaffees. Die Probe geht zur Untersuchung ins Fach-Labor. So wie auch viele andere fragwürdige Produkte aus Internet-Shops.

Von Gewürzen bis Tattoo-Farben

Etwa Gewürzmischungen aus Afrika. Sie können krebserregende Aflatoxine enthalten. In Tabakmischungen für Wasserpfeifen kann zu viel Feuchthaltemittel stecken. Diese reizen die Atemwege und sind krebserregend. Oder Potenzmittel mit zu hoch dosierten Inhaltsstoffen, die Herz-Kreislaufprobleme verursachen. Auch bizarre Wundermittel wie Schafembryonen, die gegen Demenz helfen sollen, sind hier schon aufgetaucht. Da Schafembryonen als Nahrungsergänzungsmittel lebensmittelrechtlich gar nicht zugelassen sind, werden auch diese aus dem Verkehr gezogen.

Wenig Kontrolle bei Privatpäckchen

Oft wird versucht, die deutschen Einfuhrbestimmungen zu umgehen, indem die Produkte als Privat-Päckchen verschickt werden. Denn die werden nur stichprobenartig vom Zoll kontrolliert. Professionelle Zwischenhändler nutzen das aus und tarnen sich als Privatbesteller. Bei 30 Tausend Päckchen und Paketen pro Tag sucht der Zoll hier nach der Nadel im Heuhaufen. Sabine Pluskat sieht hier dringenden Regulierungsbedarf.

Entwarnung beim Kaffee

Zurück zum Schlankheitskaffee. Im Hessischen Landeslabor in Kassel wird die Probe untersucht. In der Vergangenheit ist in solchen Produkten immer wieder der Stoff Sibutramin enthalten gewesen, teilweise auch Phenolphtalein. Phenolphtalein wurde als Abführmittel verwendet und schon in den 1990er Jahren vom Markt genommen - wegen des Verdachts auf Krebsgefahr. Der Appetitzügler Sibutramin wurde 2010 verboten. Die Einnahme hatte in zwei Fällen zum Tod durch Herzversagen geführt. Und unsere Probe? In diesem Fall eine gute Nachricht. Das Päckchen mit dem Schlankheitskaffee kann an den Empfänger ausgeliefert werden. LebensmittelchemikerJohannes Kemme möchte deswegen aber nicht generell Entwarnung gegeben. Denn in den letzten Jahren waren von den  100 Proben, die er und seine Kollegen untersucht haben, über dreiviertel positiv. Vor dem Hintergrund war unsere Stichprobe eher eine Ausnahme.

Doch wie können wir uns vor gefährlichen Produkten aus dem Internet schützen? Eine Möglichkeit sind Siegel wie "Trusted shops" oder spezielle TÜV-Internetsiegel. Die gewährleisten eine seriöse Zertifizierung. Sie stehen zum Beispiel für Datenschutz, Liefersicherheit und Seriosität,

Aber Vorsicht: Wie sinnvoll das jeweilige Produkt ist - darüber geben die Siegel keine verlässliche Auskunft.

4 - Langzeitwirkung von Deos

Deos versprechen den perfekten Schutz: 24, 48 oder 72 Stunden lang sollen sie gegen Schweißgeruch helfen. Funktioniert das? Das wollen wir zusammen mit Dr. Christoph Schick am Deutschen Hyperhidrose-Zentrum im München überprüfen.

Wie wird der Schweiß gestoppt?

Eine Methode, um Schweißbildung zu verhindern, sind sogenannte Anti-Transpirantien. Sie unterdrücken die Schweißbildung. Allerdings enthalten sie meist Aluminium-Verbindungen, die im Verdacht stehen, Krebs zu begünstigen. Die Aluminiumsalze dringen dabei in die Schweißdrüse ein und formen einen Pfropf. Die Schweißdrüse ist dann an dieser Stelle zugesetzt, der Schweiß kann nicht mehr austreten. Die Drüse reguliert sich dabei von selbst herunter und produziert keinen weiteren Schweiß mehr.

Es gibt aber auch Schweißhemmer auf pflanzlicher Basis. Sie enthalten Stoffe, wie zum Beispiel Hopfen, Weinsäure oder Salbei, die nicht die Schweißproduktion unterdrücken, sondern die Bakterien auf der Haut bekämpfen sollen. Denn der unangenehme Schweißgeruch entsteht durch Keime, die den Schweiß zersetzen. Wirkstoffe im Deo sollen die Keime abtöten oder ihre Vermehrung durch ein saures Milieu zumindest verhindern.

Wirken die genauso gut wie Aluminiumverbindungen? Das wollen wir in einem Härtetest herausfinden – beim Sport.

Vorher-Nachher-Vergleich

Zuerst müssen unsere Probanden ganz ohne Deo auf dem Ergotrainer schwitzen. Mit Hilfe von Saug-Papieren wird ermittelt, wie viel Milligramm Schweiß sie dabei produzieren. Danach wird der Test mit verschiedenen Langzeitdeos unter den Achseln wiederholt. Eine halbe Stunde lang müssen die Schweißhemmer einwirken, bevor die Tester mit dem schweißsaugenden Papier unter den Achseln wieder auf dem Ergotrainer schwitzen.

Schlechte Bilanz beim Sportlerschweiß

Nach fünf Minuten Sport bei sommerlich warmen Temperaturen steht das Ergebnis fest: Gegenüber dem Vergleichswert ganz ohne Deo hat die erste Testperson mit dem 48-h-Antitranspirans ohne Aluminiumsalze weniger als halb so viel geschwitzt. Das 48-Stunden-Deo mit Aluminiumsalzen wirkte besser. Hier sind es nur 6 Prozent der Schweißmenge ohne Deo.

Bei der zweiten Testperson wirkte das Langzeit-Antitranspirans ohne Aluminiumsalze so gut wie gar nicht. Gerade mal drei Prozent weniger Schweiß – fast ein Totalausfall. Auch das 72 Stunden-Deo mit Aluminiumsalzen war nicht überzeugend. Nur 17 Prozent weniger Schweiß. Damit ist klar: Zumindest bei sportlicher Anstrengung versagen diese Deos sehr viel schneller als erhofft.

Aber Langzeitschutz bei Sport, so die Hersteller, sind auch gar nicht versprochen. Denn ihre Tests basieren auf einem ganz normalen Arbeitstag ohne schweißtreibenden Sport.

3 - Gelber Sack – ein Entsorgungsmärchen?

Mehr als 220 Kilo Verpackungsmüll verursachen wir Deutschen pro Jahr. Gut, dass es Recycling gibt. Dafür gibt es ja die gelben Säcken und die gelben Tonne. Aber: Wissen Sie, was da eigentlich reinkommt? Die so genannte "Fehlwurf-Quote" liegt teilweise bei bis zu 50 Prozent. Wir wollen wissen: Woher kommt die Konfusion?

Absurde Regelungen

Bei der Deutschen Umwelthilfe ist Thomas Fischer Experte für Recycling. Er glaubt, dass die meisten Verbraucher die Systematik nicht nachvollziehen können. Beispielsweise gehören getrennt gekaufte Kleiderbügel nicht in den Gelben Sack. Wenn der Kleiderbügel allerdings mit den Textilien gekauft wird, dann doch. Blumentöpfe, in denen eine Pflanze verweilen soll, gehören nicht in den Gelben Sack. Soll die Pflanze gleich aus dem Topf und in die Erde gebuddelt werden, dann gehört der Pflanztopf hinein. Schwer zu verstehen. Deshalb landet massenhaft "falscher" Abfall in der Gelben Tonne - und gilt ab dem Moment als recycelt! Tatsächlich, so Thomas Fischer, werden aber nur rund 40 Prozent der im gelben Sack gesammelten Kunststoffverpackungen tatsächlich recycelt. Der Rest - ungefähr 60 Prozent - geht in die Verbrennung, und dort werden die wertvollen Rohstoffe vernichtet und sind somit unwiederbringlich verloren.

Recycling-Produkte

Und es kommt noch dicker! Aus einer Kunststoffverpackung wird nur in den seltensten Fällen wieder eine neue und vor allem gleichwertige Verpackung hergestellt. Oft wird etwas Minderwertigeres daraus - zum Beispiel Blumenkübel. Wie gut sich die Stoffe recyceln lassen, hängt vom Material ab. Nicht jeder Kunststoff ist gleich gut verwertbar.

Besser Mehrweg

Bei Getränkeflaschen sind Mehrwegflaschen klar die bessere Wahl. Denn im Gegensatz zu Einwegflachen können sie wieder befüllt werden, PET-Flaschen bis zu 20mal, Glasflaschen bis zu 50mal. Auf jeden Fall wäre es für unsere Umwelt gut, auf die rund 17 Milliarden Einweg-Plastikflaschen pro Jahr zu verzichten. Insgesamt fielen im Jahr 2015 gut 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll in Deutschland an. Dabei versuchen mittlerweile viele Menschen durchaus, Plastikmüll zu vermeiden. Unser Fazit: Bis zu einem Recycling, das seinen Namen wirklich verdient, ist es noch ein langer Weg.

Massenmüll durch Kaffeebecher

Das zeigt auch der Trend mit den Coffee to go-Bechern. Eigentlich eine praktische Sache. Aber: Laut Deutscher Umwelthilfe verbrauchen wir 320.000 dieser Einmal-Becher. Stündlich! Das sind drei Milliarden pro Jahr. Allein die Produktion verursacht 100.000 Tonnen CO2 im Jahr. Da lohnt es sich, auf die mittlerweile überall erhältlichen wiederverwendbaren Becher zurückzugreifen. Denn das entlastet die Umwelt enorm.

2 - Dicke Dämmung – gute Dämmung?

Immer mehr Häuser werden dick eingepackt. Das spart Heizkosten. Doch die Wärmedämmung birgt auch Risiken! Das musste Christian Grunwald aus Griesheim feststellen. Der Vorbesitzer des von ihm gekauften Hauses hatte die Innenwände gedämmt. Zusätzlich baute Christian Grunwald neue Isolier-Fenster ein. Alles, um energiesparend und behaglich zu wohnen. Doch heute ist das 60er-Jahre-Haus eine einzige große Baustelle! Denn Schimmel hatte sich breit gemacht.

Das Wärmebrücken-Problem

Christian Grunwald entfernte die verschimmelten Dämmplatten und schaltete den Energieberater Jörg Sennewald ein. Der soll ihm nun helfen herauszufinden, wo der Schimmelbefall herkam. Das Problem ist schnell erkannt: so genannte Wärmebrücken. Sie entstehen bevorzugt an  Metallbauteilen wie Stahlträgern. Denn diese kühlen wesentlich stärker ab und ziehen die Raumluftfeuchte an. Dort kann dann schnell Schimmel entstehen. Falsche Dämmung ist also ein idealer Nährboden dafür.

Weniger ist manchmal mehr

Ist Dämmen vielleicht gar keine so gute Idee? Der Architekt Karim El Ansari beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Wärmedämmung. Energetische Sanierung hält auch er grundsätzlich für sinnvoll und zweckmäßig. Aber es sollte dabei einiges beachtet werden. Denn es bringe nichts, quasi mit der Gießkanne einfach 20 cm über jedes Objekt drüber zu gießen. Auch mit dünneren Dämmstärken ließe sich genug Energie einsparen. Und das ist nur ein Kritikpunkt.

Problematischer Dämmstoff

Am häufigsten wird Polystyrol als Dämmstoff eingesetzt. Polystyrol ist preisgünstig und gilt wegen zugesetzter Brandhemmer als „schwer entflammbar“. Doch in Flammen aufgehen kann der Dämmstoff trotzdem. Brennende Müllcontainer setzten in der Vergangenheit bereits mehrere mit Polystyrol gedämmte Fassaden in Brand. Hinzu kommt ein ökologisches Problem: Der Dämmstoff wird aus Erdöl hergestellt, einem fossilen Rohstoff, der nicht nachwächst. Und zugesetzte Chemikalien dürften spätestens bei der Entsorgung zum Problem werden.

Öko-Dämmstoffe

Viel besser sind umweltfreundliche Alternativen: mineralischer Wärmedämmputz zum Beispiel oder Holzfaser- und Hanfdämm-Material. Christian Grunwald hat sich für recycelte Cellulosefasern entschieden. Und zwar außen statt innen.

Unser Fazit: Gut gemachte Wärmedämmung ist sinnvoll. Denn sie spart viel Energie. Und das ist nicht nur gut fürs Gewissen, sondern auch für die Umwelt.

1 - Trügerischer Energieausweis

Wärmedämmung ist in der Regel Sache der Eigentümer. Aber: Rund 57% der Deutschen leben zur Miete. Wer als Mieter wissen will, wie gut seine Wohnung oder das von ihm gemietete Haus gedämmt ist, kann den Vermieter nach einem Energieausweis fragen. Ihn gibt es in zwei Varianten. Als so genannter Verbrauchsausweis oder als Bedarfsausweis. In beiden Fällen soll der Ausweis helfen, den künftigen Energieverbrauch einzuschätzen. Dies geschieht oft durch die Dokumentation des Verbrauchs der letzten Jahre.

Baugleiche Häuser – unterschiedlicher Verbrauch...

Aber dieser so genannte Verbrauchsausweis ist oft trügerisch. Energieberater Harald Hahn erklärt das an einem Beispiel. Zwei 6-Familienhäuser, die  baugleich entstanden sind, die gleiche Anlagentechnik nutzen und doch zeigen die Energieausweise stark abweichende Werte.

Der Grund: in einem der beiden Häuser lebten ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern. Und die haben einen wesentlich höheren Verbrauch als die Bewohner des anderen Hauses, in dem Arbeiterfamilien lebten, die den ganzen Tag nicht zuhause waren. Das heißt: das Nutzerverhalten in den beiden Häusern macht einen großen Unterschied.

Bedarfsberechnung ist verlässlicher

Besser ist deshalb die zweite Variante des Energieausweises: Der so genannte Bedarfsausweis. Der lässt sich seriös eigentlich nur erstellen, wenn ein Fachmann das Objekt persönlich in Augenschein nimmt. Der ermittelt: Wie viel Heizenergie geht nach außen verloren? Etwa durch schlecht isolierte Fenster, einen nicht gedämmten Dachboden oder eine veraltete Heizung. All das erhöht den Energieverbrauch drastisch und schlägt sich negativ im Energieausweis nieder. Solche Begutachtungen und die anschließenden Berechnungen der Energie-Effizienz sind aufwändig. Viele Vermieter lassen deshalb nur den günstigeren Verbrauchsausweis erstellen. Den bieten Fachfirmen schon für unter 30 Euro an. Der Eigentümer sendet der Firma dafür die Verbrauchsdaten und allgemeine Hausangaben – unter anderem das Baujahr und die Wohnflächen. Die Fachfirma berechnet dann den Verbrauch.

Kritik an Online-Energieausweisen

Genau hier sehen Verbraucherschützer ein Riesenproblem. "Aus meiner Sicht ist es einfach nicht möglich, für dieses wenige Geld einen seriösen Ausweis zu erstellen. Denn wir empfehlen immer, dass sich die Aussteller der Ausweise vor Ort die Gebäude ansehen."

Ein genauer Blick lohnt sich

Wenn Sie als Mieter oder Käufer einen Energieausweis vorgelegt bekommen, sollten Sie deshalb vor allem auf die ersten drei Seiten schauen. Egal, ob Verbrauchs- oder Bedarfsausweis. Auf der Seite eins muss im Feld Ausstellerimmer zwingend der Name einer Fachfirma stehen. Hat der Vermieter den aussagekräftigeren Energiebedarfs-Ausweis erstellen lassen, dann ist die Seite zwei ausgefüllt. Wenn sie leer ist, ist stattdessen die Seite drei ausgefüllt, weil es sich bei Ihrem Energieausweis um einen Verbrauchsausweis handelt. Aber Vorsicht: Bei Gebäuden mit mehreren Wohnungen bezieht sich der Verbrauch immer auf den Gebäude-Durchschnitt. Das heißt: Wenn ihre Wohnung im Erd- oder Dachgeschoss liegt, hat sie oft einen höheren Energieverbrauch als die Wohnungen dazwischen.

Autor: Stefan Venator

Sendung: hr-fernsehen, "9-mal falsche Versprechen", 07.03.2019, 21:00 Uhr