Das Wetter – ständig sind wir ihm ausgeliefert. Besonders dann, wenn es sich von seiner extremen Seite zeigt. Stürme decken Häuser ab, reißen Bäume um und legen den Flugverkehr lahm. Sintflutartige Regenfälle überfluten Städte. Hagel vernichtet ganze Ernten. Solche Extremwetterereignisse werden in Zukunft vermutlich noch viel häufiger auftreten, das sagen Wissenschaftler.

Die Folgen: nicht nur hohe Schäden und Kosten, sondern auch dramatisch Veränderungen unserer Umwelt. Plötzlich tauchen fremde Tiere und Insekten bei uns auf, einheimische Vogelarten dagegen verschwinden.

Spielt unsere Natur verrückt? Im Sommer 2018 fielen laut Deutschem Wetterdienst nur 54 Prozent der üblichen Regenmenge. Es war so trocken wie nie. Zumindest seit 1951, denn erst seitdem werden Messungen zu Trockenheit und Bodenfeuchte aufgezeichnet. Andererseits kommt es gehäuft zu extremen Regenfällen und Überflutungen.

9 – Todesfalle Starkregen

Das Jahr 2018 war ein Jahr der Wetterextreme – zu warm der Winter, zu heiß der Frühling, viel zu trocken der Sommer und Herbst. Und wenn es mal geregnet hat, dann kamen regional Unmengen an Wasser herunter – Starkregen. Für Autofahrer kann das lebensgefährlich werden.

Langsam durch Wasser fahren

Starkregen lassen sich schlecht vorhersagen, das macht sie so gefährlich. Besonders tückisch ist es, wenn man im Auto davon überrascht wird. Innerhalb kürzester Zeit können Straßen und Unterführungen überflutet werden. Wie gefährlich das für Auto-Insassen werden kann, haben wir auf einem Testgelände der Bundeswehr bei Munster in Niedersachsen untersucht. Ein Becken wird nach und nach mit Wasser gefüllt und wir testen, wie lange ein Auto noch durch das Wasser fahren kann.

Bei 30 Zentimeter Wasserhöhe stehen die Reifen eines Mittelklasse-PKW etwa zur Hälfte im Wasser. Bei dieser Tiefe nimmt noch niemand Schaden. Vorausgesetzt, man fährt langsam durch das Wasser. Denn schnelles Durchfahren verursacht eine Bugwelle, die leicht die sensiblen Teile des Autos erreicht: den Luftansaugstutzen und den Zündverteiler, wie Heino Krehe erläutert, KFZ-Experte der Dekra.

Wenn das Auto aufschwimmt

Bei 60 Zentimeter Wassertiefe können wir die Auswirkungen sehen: Kommt der Zündverteiler mit Wasser in Berührung, läuft der Motor nicht mehr. Und saugt der Motor Wasser anstelle von Luft an, führt das zum sogenannten Wasserschlag. Der Motor ist sofort zerstört.

Steigt das Wasser höher, beginnt ein Mittelklasse-PKW aufzuschwimmen. Bei Autos mit Frontmotoren bleiben die Vorderreifen noch am Boden, während die leichteren Teile wie Koffer- und Fahrgastraum bereits auf dem Wasser schwimmen. Der Wagen neigt sich nach vorn, die Hinterräder schweben über dem Boden. Jetzt muss man aussteigen, denn der Außendruck des Wassers, der auf die Türen wirkt, wird mit steigendem Wasserpegel immer größer. Ein normal-kräftiger Fahrer hinter dem Lenkrad kann nur eine Kraft entwickelt, die einem Gewicht von 45 bis 50 Kilogramm entspricht. Das reicht nicht, um etwa bei 75 Zentimeter Wasserhöhe den Außendruck auf die Wagentür zu überwinden. Das heißt: Der im Fahrzeug sitzende Fahrer kann die Türen nicht mehr öffnen!

Nothammer im Auto mitführen

Wenn jetzt noch elektrische Fensterheber oder Schiebedach-Öffner ausgefallen sind, ist jeder Fluchtweg versperrt. Sicherheitsexperten raten, immer einen kleinen Nothammer mitzuführen, wie man ihn zum Beispiel aus Bussen oder Bahnen kennt. Mit der stählernen feinen Spitze splittert die Verbundglas-Scheibe in winzige Einzelteile und macht so den Weg nach draußen frei.

Ist das Fahrzeug so weit abgesunken, dass der Innenraum fast vollständig mit Wasser gefüllt ist, gleicht sich der Außendruck des Wassers mit dem Druck im Wageninneren aus. Jetzt geht die Tür wieder auf. Aber um diesen letzten Moment abzuwarten, braucht es sehr starke Nerven. Sollte man gezwungen sein, bei Starkregen durch tieferes Wasser zu fahren und der Motor geht aus, am besten das Fahrzeug verlassen und nicht warten, bis es zu spät ist.

8 – Urbane Sturzfluten – Schäden verhindern?

Auch wenn das letzte Jahr insgesamt viel zu trocken war, gab es immer wieder verheerende Wolkenbrüche. Überraschend waren nicht nur deren Heftigkeit, sondern auch die Wege, die die Sturzfluten nahmen. Für Gegenmaßnahmen blieb oft keine Zeit. Viele Städte und Gemeinden wollen das ändern. Beispiel Grevenbroich: Ingenieur Robert Mittelstädt untersucht hier, welchen Weg die Wassermassen nach einem Starkregen nehmen würden. Welche Häuser sind gefährdet – und was kann getan werden, um Katastrophen zu verhindern?

Überflutete Straßen trotz Kanalisation?

Der Experte weiß, das Kanalnetz ist ein wichtiger Faktor, um Überflutungen vorherzusagen. In den meisten deutschen Städten kann die Kanalisation so heftige Regenfälle aufnehmen, wie sie normalerweise einmal alle 5 Jahre vorkommen. Bei noch stärkerem Regen läuft sie über. Ob die Kapazität der Kanalisation ausreicht, welchen Weg das Wasser nimmt und wo mit Überflutungen zu rechnen ist, berechnen die Ingenieure in Aachen. Dafür spielen sie verschiedene Starkregen-Szenarien durch. Ihre Grundlage sind neben dem Kanalnetz auch digitale Geländekarten und Höhenmodelle. 

Mit all diesen Daten bilden sie ein detailliertes 3D Modell - in unserem Beitrag von der westfälischen Stadt Grevenbroich - nach. Und dann lassen sie den Regen kommen. In diesem Fall ist es ein Starkregenereignis mit einer hundertjährlichen Wahrscheinlichkeit. Ein Regen, wie es ihn in diesem Sommer an vielen Stellen in Deutschland gab.

"Diese Starkregengefahrenkarte, die wir hier berechnet haben, die zeigt dann die Fließwege, Fließrichtung, Fließgeschwindigkeiten und dann fließt das Wasser entsprechend im Gelände über Straßen auch in Wohnbebauung hinein. Und es gibt solche Hotspots, oder Gefahrenbereiche in Grevenbroich" meint Ingenieur Robert Mittelstädt.

Unvermutete Gefahrenbereiche

Und die Analyse zeigt: Die Bereiche sind nicht immer dort, wo man sie vermuten würde: "Also Häuser am Hang, können genauso gefährdet sein, wie Häuser im Tal. Die in der Senke liegen, sind vielleicht ein bisschen gefährdeter als andere, aber man muss das ja auch erst einmal wissen, ob man in der Senke liegt. Aber eigentlich kann jedes getroffen werden."

Im nächsten Schritt erarbeiten die Ingenieure Schutzmaßnahmen, welche die Sturzfluten zurückhalten oder zumindest umleiten können. So kann zum Beispiel ein erhöhter Bordstein dem Wasser eine neue Richtung geben. Und manchmal hilft es schon, wenn der Bauer sein Feld anders pflügt, nämlich quer zur Hanglage. Dann kann der Regen nicht mehr so einfach auf die Straße laufen und für Überschwemmungen in dem angrenzenden Wohngebiet sorgen.

7 – Wetterphänomene

Unser Wetter – meist ist es ja eher unauffällig. Aber manchmal setzt es uns auch ganz schön zu. Immer wieder kommt es auch zu faszinierenden Wetterphänomen. Jeder hat sie schon einmal gesehen, aber wissen wir tatsächlich immer, wie sie entstehen und was dahinter steckt?  

Wie schwer sind eigentlich Wolken?

Nehmen wir mal eine Wolke von 1000x1000x1000 Metern Ausdehnung. Wie viel wird das luftig erscheinende Gebilde wohl wiegen? Tim Staeger, der Wetterexperte des Hessischen Rundfunks hat auf diese Frage eine erstaunliche Antwort: "Eine Schönwetterwolke hat ein enormes Gewicht!  Denn in einem Kubikmeter  Wolke befindet sich etwa ein Gramm Wasser. Und das gibt dann zusammen genommen tausend Tonnen. Also ungefähr ein Gewicht von etwa 200 Elefanten."

Aber das ist noch gar nichts im Vergleich zu großen Gewitterwolken: Die können mehrere Millionen Tonnen wiegen!

Der Kugelblitz – gibt es ihn wirklich?

Und wenn es dann kracht, wollen viele Menschen ein ganz eigenartiges Wetterphänomen  gesehen haben: den Kugelblitz. Um ihn ranken sich viele Gerüchte. So soll er schon über die Straße gefegt, durch Fenster gehuscht und sogar schon aus dem Kamin gerollt sein. Seit Jahrhunderten kursieren solche und andere unglaubliche Geschichten vom Kugelblitz. Aber wirklich nachgewiesen hat seine Existenz noch niemand. Aber wie kommt es dann zu diesem Phänomen? Tim Staeger hat eine Erklärung: "Es gibt Vermutungen, die dahin gehen, dass es vielleicht eine optische Täuschung ist. Vielleicht ein Lichteffekt, der durch das helle Licht des Blitzes im Gehirn erzeugt wird. Das heißt, dass man sich das nur vorstellt und es in der Realität gar nicht existiert. Wie auch immer: Es ist weiterhin ungeklärt – und dadurch auch extrem spannend!"

Unstrittig ist allerdings, dass sich Kugelblitze im Labor erschaffen lassen. Mit Hilfe von Salz, Wasser und einem 5000-Volt-Blitz entsteht eine Plasmawolke, die faszinierend leuchtet.

Ein Blitz ein Knall – und dann kommt das nächste Wetterphänomen: Hagel. Wer  einen heftigen Hagelniederschlag schon erlebt hat, der weiß, dass Wetter ganz schön brutal sein kann. Aber:

Wie entsteht eigentlich Hagel?

"Also, das Besondere beim Hagel ist, dass er in schweren Gewittern entsteht - und dort herrschen extreme Auf- und Abwinde", erklärt  hr-Meteorologe Staeger. "Die Regentropfen werden nach oben transportiert, in kalte Bereiche. Da gefrieren sie. Und wenn sie dann in die Abwindbereiche kommen, dann kommen sie in wärmere Regionen. Dann tauen sie wieder etwas an. Und dann wird die nächste Eisschicht angelagert bei der nächsten Runde. Und so wächst das wie eine Zwiebel an, bis es eben zu schwer wird. Und dann können bis zu zehn Zentimeter Durchmesser große Eisklumpen aus dieser Wolke herausfallen."

Was ist Petrichor?

Aber zum Glück fallen meistens ganz normale Wassertropfen aus den Wolken. Und wenn die dann auf die Erde treffen, dann entsteht ein ganz typischer Geruch, den jeder irgendwie kennt. Besonders im Sommer. Aber wussten Sie, dass dieser Geruch einen Namen hat? Ja, wirklich! Er heißt: Petrichor.

Petrichor ist griechisch und setzt sich zusammen aus Petros, dem Stein und Ichor, der Flüssigkeit, die den griechischen Göttern statt Blut durch die Adern geflossen sein soll. Petrichor entsteht, wenn Regentropfen auf den trockenen Boden fallen und dort Duftstoffe aus dem Boden lösen. Tim Staeger: "Vor allem Geosmin ist so ein Stoff. Er wird von Bakterien erzeugt. Aber auch Öle, die von Pflanzen erzeugt werden, lagern sich in trockenen Böden ab. Und wenn jetzt ein Regen kommt, dann ist das wie ein Sekt, der perlt. Es werden kleine Luftbläschen aus dem Boden rausgeschlagen. Da sind diese Aromen drin, die werden dann freigesetzt als so genannte Aerosole – und sind dann riechbar. Also: Regen riecht!"

6 – Climate Engineering – kann das Klima manipuliert werden?

Klimaforscher und Umweltexperten schlagen Alarm, denn die Erderwärmung spitzt sich immer stärker zu.  Viele von ihnen halten es für unrealistisch, dass wir das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, allein durch weniger CO2-Ausstoß noch erreichen können. Es drohen dramatische Folgen für die Umwelt! Könnte Geo-Engineering ein Ausweg sein? Techniken, die das Klima global manipulieren und so der Erderwärmung entgegen wirken. Sind künstliche Eingriffe in das Klima sinnvoll oder ein nicht zu kalkulierendes Risiko?

Climate Engineering – Natur als Vorbild um Erderwärmung zu reduzieren

Was passiert bei einem großen Vulkanausbruch? Glühend heißes Gestein schießt aus dem empor. Lava quillt aus dem Vulkan und fließt über die Erdoberfläche, eine riesige Aschewolke steigt in extreme Höhen der Atmosphäre auf. Dort schirmen die Schwefelpartikel das einfallende Sonnenlicht ab. Die Folge: die Temperatur sinkt. Bei großen Eruptionen weltweit bis zu einem halben Grad. 

Wissenschaftler versuchen jetzt, dieses Natur-Phänomen nachzuahmen. Mit Schwefelpartikeln in der Atmosphäre wollen sie die Erderwärmung bekämpfen. "Wir gehen davon aus, dass es technisch machbar ist, das SO2 in die Stratosphäre einzubringen", sagt Dr. Ulrike Niemeier vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg.

Wie Reflektoren könnten die winzigen Partikel einen Teil des Sonnenlichts abschirmen. Ein globaler Schutzschirm, der die unseren Planeten wirksam abkühlt. Klingt verblüffend einfach. Doch ist das wirklich eine gute Idee? Dr. Niemeier ist skeptisch: "Das System Klima ist so komplex, das wir auch mit Modellrechnungen nicht vorhersagen können, ob es nicht unerwartete Nebenwirkungen gibt, die eventuell Folgen hätten, die wir so nicht erwarten würden."  Trotzdem arbeiten Forscher weltweit an Methoden, um das Klima technisch zu manipulieren. Was könnten die Folgen davon sein?

Dünger für Ozeane – Mehr Phytoplankton soll CO2 schlucken

Andreas Oschlies vom Helmholtz-Zentrum für Meeresforschung in Kiel untersucht, welche Folgen das sogenannte Climate Engineering für das Leben auf unserer Erde haben könnte: "Wir unterscheiden zwei Methoden des Climate Engineerings: Die erste richtet sich an ein Symptom; nämlich die Klimaerwärmung und versucht Sonneneinstrahlung zu reduzieren; abzuschatten. Die zweite Methode, die geht wirklich an die Ursache des Klimawandels Co2. Und versucht Treibhausgas Co2 rauszunehmen aus der Atmosphäre an Land, im Ozeanen oder in der festen Erde." Schon relativ kleine Eingriffe können gewaltige Auswirkungen haben. Das zumindest ist das Ergebnis der Computer-Simulationen von Andreas Oschlies. Viele Ideen klingen erst einmal verblüffend einfach: wie zum Beispiel, die Ozeane als CO2 Speicher zu nutzen.

Kälteres Wasser kann mehr Kohlendioxid binden als warmes. Große Pumpen sollen deshalb kaltes Wasser aus der Tiefe der Ozeane an die Oberfläche pumpen. Dort kann es dann überschüssiges Co2 (aus der Atmosphäre) aufnehmen. "Aus Modellsimulationen" sagt Oschlies, "denken wir, dass wir zehn Prozent der heutigen Emissionen kompensieren könnten. Würden aber dafür massive Eingriffe in riesige Ökosysteme in den ganzen Südozeanen vornehmen müssen, und dort das Algenwachstum verändern; das würde zu mehr Sauerstoffabnahme führen. Und das ist die Frage: Wollen wir das, für nur zehn Prozent der Emissionen, die wir heute verursachen."

Ähnliche Ergebnisse lieferten auch Versuche im Nordpolarmeer. Forscher düngten dort das Phytoplankton. Dieses bindet während seiner Blüte schädliches CO2. Danach sinkt es auf den Meeresboden. Das Kohlendioxid wäre entsorgt. Durch große Meeresströmungen könnte sich der Dünger weltweit in den Ozeanen verteilen und so zu einer vermehrten Blüte der Kleinstlebewesen führen. Aber auch hier: Das Einsparpotential beträgt auch hierbei höchstens zehn Prozent und die Auswirkungen auf das Ökosystem sind ungewiss.

Co2-Reduktion an Land – riesige Filter-Sauger sollen helfen   

Auch an Land gibt es bereits Erfahrungen mit Climate Engineering. Etwa der Schweiz: dort filtern Sauganlagen schädliches CO2 aus der Luft. Dieses wird dann als Pflanzendünger in riesigen Gewächshausplantagen verwendet oder unter der Erde gespeichert. Ein Modell, das weltweit einsetzbar wäre! Technisch wäre es bereits möglich, CO2 unterirdisch zu speichern, so der Kieler Forscher Andreas Oschlies. "Technisch geht alles. Die Frage ist, wollen wir das, können wir es gesellschaftlich durchsetzen." Denn Kritiker befürchten, dass dadurch starke Beben erzeugt werden könnten oder das Grundwasser verseucht wird. Die Folgen – heute noch kaum abschätzbar! Auch deswegen tut sich die Politik schwer mit dem Thema Climate-Engineering. Ob und wie es eingesetzt werden soll - dazu gibt es noch keine Regeln. Sicher ist nur: Wird nichts getan, steigt die Erderwärmung weiter. Laut Oschlies gibt es derzeit kein Szenario, in dem man die Klimaziele, die international ausgehandelt wurden, ohne den Einsatz von Climate Engineering noch erreichen könnte. "Das heißt, wir haben jetzt die Wahl, wollen wir Climate Engineering einsetzen, mit allen Nebenwirkungen oder geben wir die Klimaziele auf."

Trotz immenser Nebenwirkungen – macht Climate-Engineering Sinn?

Technisch funktionieren schon heute viele Verfahren – keine Frage. Doch viele Experten sind skeptisch. Denn greift man an einer Stelle künstlich ins Klima ein, kann es woanders Katastrophen erzeugen. Und es könnte Mächte geben, die das auch für politische Ziele nutzen wollen. Ulrike Niemeier vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg "Ich halte dieses politische, was dahinter steht, eigentlich für die größte Schwierigkeit. Weil es sicherlich auch sehr schwierig sein wird, internationale Regeln abzuschließen, die alle einhalten. Und denen alle Zustimmen können. Und für mich persönlich ist das die größte Gefahr, dass wir auf Dauer eventuell doch auch einen Krieg damit auslösen könnten."

Die Zeit drängt! Aber ob gezielte Eingriffe ins Klimasystem tatsächlich als Lösung taugen, kann derzeit noch niemand sagen.

5 – Kiebitz und Rebhuhn: zwei Projekte kämpfen um ihren Bestand

Es zwitschert nichts mehr – oder jedenfalls viel weniger. Vor allem die Vögel, die in Agrarlandschaften heimisch sind, nehmen immer mehr ab. So ist zum Beispiel der Bestand an Kiebitzen in Deutschland seit 1990 um 80 Prozent gesunken, der des Rebhuhns um 84 Prozent. Was sind die Gründe dafür und was kann man tun, um die Agrarvögel vor dem Aussterben zu bewahren.

Der Kiebitzretter

Dr. Stefan Stübing ist Biologe und Mitglied der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Er will sich nicht damit abfinden, dass die Vögel mit dem hübschen Kopfgefieder völlig aus unserer Landschaft verschwinden. Er setzt sich im hessischen Landschaftsschutzgebiet "Auenverbund Wetterau" für den Schutz der Kiebitze ein. Wir begleiten ihn bei einer Tour durch die Wetterau. Unsere Fahrt führt uns vorbei an monotonen Feldern – es dominiert die industrielle Landwirtschaft, wie überall in Deutschland.

Kleinbäuerliche Landschaften gut für den Kiebitz

Doch noch vor 40 Jahren sah es hier ganz anders aus. Mit dem Verlust der kleinbäuerlichen Vielfalt ging es mit den Kiebitzen bergab. Wir halten an einem Bauernhof, der noch so wirtschaftet wie in früherer Zeit. Kleine Felder wechseln ab mit Streuobstwiesen und Weideflächen. Am Rand stehen Feldgehölze. Wir sehen kurzgefressenes Gras, durch Rinderhufe aufgerissene Erde, kleine Wasseransammlungen. Mit so einer Landschaft kamen Kiebitze gut zurecht – auch wenn es nicht ihre natürlichen Lebensräume waren. Ursprünglich sind sie Bewohner der Flussauen, Niedermoore und anderer Feuchtgebiete. Aber solche Gebiete wurden meist schon vor langer Zeit  trocken gelegt, um die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen.

Kiebitzküken sind Nestflüchter

Stefan Stübing zeigt uns am Beispiel des kleinbäuerlichen Betriebes, wie groß das Nahrungsangebot für Vögel auf Wiesen ist, die wenig oder gar nicht gedüngt werden. Auf jedem Millimeter entdeckt er Käfer, Spinnen, kleine Schnecken und Heuschrecken. Und die brauchen Kiebitze von der ersten Minute an. Kiebitzküken sind Nestflüchter, also darauf angewiesen, dass sie nach dem Schlüpfen ohne viel Aufwand reichlich Nahrung finden. Die Kiebitzmutter sucht daher für die Eiablage Stellen, die wenig Pflanzenbewuchs, aber ein großes Nahrungsangebot haben. Außerdem können die sehr leichten Küken dort gut laufen, sie sind nämlich nicht in der Lage, sich durch das "Dickicht" gedüngter, hochwüchsiger Wiesen oder Felder zu kämpfen.

Stefan Stübing führt uns ins  "Heute" zurück. Nur wenige hundert Meter weiter stehen wir in einer heute typischen Agrarlandschaft – ein Feld mit noch licht gewachsenem Winterweizen und einem kahlen Feldweg. Hier finden die Vögel, nichts zu fressen und auf solchen Flächen werden Gelege sofort vom Fuchs und anderen Fressfeinden gefunden. Es gibt keine anderen Pflanzen, die Insekten anlocken und damit auch keine Nahrung für die Kiebitze. Sie müssen verhungern, sagt der Stübing.

Ein Forschungsprojekt für den Rebhuhnschutz

Das gleiche Schicksal teilt auch das Rebhuhn. Doch das will Dr. Eckhard Gottschalk von der Universität in Göttingen ändern. Er ist Naturschutzbiologe und hat mit seinem Team sechs Jahre lang das Verhalten der Rebhühner untersucht – denn frühere Schutzmaßnahmen zeigten wenig Wirkung. Dazu  lockten die Biologen wilde Rebhühner mit Hilfe von Vögeln aus Volieren an. So konnten sie insgesamt 202 Rebhühner und Rebhähne mit kleinen Funksendern besendern. Dabei haben sie Erstaunliches nachweisen können: Die Rebhühner finden sich zwar früh im Jahr zusammen. Sie bilden schon Ende Februar, Anfang März Paare. Aber dann dauert es noch sehr lange, bis sie anfangen, Eier zu  legen – meist erst im Mai. Im Juni brüten sie und im Juli schlüpfen dann die Küken. Mitte August können die Jungtiere erst sicher fliegen und sich schnell bewegen. Und erst dann darf man Flächen mähen, wenn man die Rebhühner schützen will. Denn die Rebhuhnhenne versucht ihr Gelege möglichst lange zu beschützen und kann dann der sich schnell nähernden Mähmaschine nicht mehr entkommen, auch das Gelege kann durch die Maschinen zerstört werden und auch später die Küken sind stark gefährdet. Sie sind zu langsam, um rechtzeitig zu flüchten.

Was hilft den Rebhühnern?

Dr. Eckhard Gottschalk hat herausgefunden, dass Rebhühner in der Agrarlandschaft überleben können, wenn sie geeignete Rückzugsorte haben. Er empfiehlt "Blühstreifen", die allerdings relativ groß und breit sein müssen, nämlich mindestens 20 Meter. Sind sie schmaler, fressen Waschbär, Fuchs und Marder über 60 Prozent der Eier, in den größeren Flächen nur etwa 30 Prozent. Außerdem müssen die Blühstreifen aus zwei unterschiedlichen Teilen bestehen. Auf einem Teil sollten Pflanzen vom Jahr zuvor den Rebhühnern Deckung bieten, um ihre Nester anzulegen. Der zweite Teil sollte einjährig und lückig sein, damit die Küken gut laufen können und Nahrung finden.

Blühstreifen für den Rebhuhnschutz

1000 solcher Blühstreifen pflanzten engagierte Landwirte im Landkreis Göttingen seit 2005. Dr. Eckhard Gottschalk und sein Team haben die Landwirte beraten, die Kosten erstattet das Agrar-Umweltprogramm von Niedersachsen. In den Gebieten mit vielen Blühstreifen leben inzwischen zehn Mal so viele Rebhuhnbrutpaare wie zuvor. Ein toller Erfolg. Im Übrigen Niedersachsen haben sich die Bestände hingegen halbiert.

Was hilft dem Kiebitz?

Noch aufwändiger ist der Kiebitzschutz. Denn inselartige Natur reicht ihnen nicht, sie müssten Teile ihres ursprünglichen Lebensraumes zurückbekommen. Das bedeutet, 

Feuchtgebiete müssten konsequent erhalten, Auenlandschaften wieder überflutet und Moore wiedervernässt werden. Die umgebende Landwirtschaft müsste außerdem naturnäher werden.  Solange das nicht passiert, helfen selbst eigentlich ideale Lebensräume dem Kiebitz nur wenig.

Der "Auenverbund Wetterau" ist ein solches Beispiel. Zwar haben hier engagierte Naturschützer in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden schon seit den 1980er Jahren viel für den Schutz und den Erhalt dieser seltenen Feuchtgebiete in Hessen getan, aber der Auenverbund besteht aus mehreren voneinander getrennten, eher kleinen Feuchtgebieten. Und in solchen kleinen, überschaubaren Gebieten sind sofort Fressfeinde zur Stelle. Da hilft zurzeit nur ein Zaun, damit Fuchs, Marder und Waschbären nicht die wenigen Gelege fressen. Keine Ideallösung – doch damit die Kiebitze in Hessen nicht vollständig verschwinden, ist das momentan die einzige Lösung.

Mehr Raum für die Natur

Wollte man dem Rebhuhn und mit ihm vielen anderen bedrohten Tier- und Pflanzenarten flächendeckend helfen, müssten etwa fünf Prozent des landwirtschaftlichen Raumes rebhuhnfreundlich, also z. B. mit Blühstreifen gestaltet sein. Kiebitze benötigen rund 1 Prozent naturbelassener Feucht- und Überschwemmungsgebiete in Deutschland. Das klingt nicht viel, ist aber zurzeit nicht im Fokus der Politik. Dabei würde sich das nicht nur positive auf Rebhühner und Kiebitze auswirken. Würden wir der Natur insgesamt wieder mehr Raum geben, wäre das auch gut für viele weitere bedrohte Arten. Teure oder arbeitsintensive Einzelmaßnahmen würden überflüssig. Doch bis dahin bleibt den Naturschützern nichts anderes übrig, als erste Hilfe zu leisten für Kiebitz und Rebhuhn.

Weitere Informationen

Linksammlung

Infos unter: www.rebhuhnschutzprojekt.de
Infos unter: www.hgon.de/lebensraeume/auen/auenverbuende/auenverbund-wetterau/
Infos unter: www.rp-darmstadt.hessen.de/sites/rp-darmstadt.hessen.de/files/Bingenheimer%20Ried%20-%20Faltblatt.pdf
Infos unter: www.nabu-bingenheim.de/bingenheimer-ried/
Infos unter: www.dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/121/1812195.pdf

Ende der weiteren Informationen

4 – Das große Aufräumen – eine Jahresernte fällt an einem Tag

Der Staatswald im nordhessischen Ippinghausen. Orkan "Friederike" hat auch im Revier von Förster Frank Ohlwein ganze Arbeit geleistet: "Ich habe den Sturm zuhause am Fenster erlebt. Und da war mir schon klar: das gibt eine böse Überraschung im eigenen Revier." Nicht nur in Ippinghausen waren die Schäden gewaltig. Insgesamt lagen dem Sturm 1,8 Millionen Kubikmeter Holz in ganz Hessen am Boden.

Aufräumen unter Zeitdruck

Überall rückten Aufräumtrupps mit Harvestern an. Das sind tonnenschwere Maschinen mit großen Rädern oder Kettenraupen. Mit diesem schweren Gerät aufzuräumen, ohne weitere Schäden anzurichten, das ist gar nicht so einfach. Denn der Boden war vielerorts nass und weich. Um die Bodenverdichtung so gering wie möglich zu halten, halfen Kettenräder, die das Gewicht des Fahrzeugs besser verteilen. Denn dort, wo der Boden stark verdichtet wird, entsteht Staunässe und die lässt die Wurzeln der gesunden Bäume faulen. Ein Phänomen erschwerte die Arbeiten zusätzlich. Es ist das Zerstörungsmuster, das der Orkan hinterlassen hat: "Friederike" hatte mit lokal auftretenden Sturmböen mitten im Wald kleine Lichtungen geschlagen. Der Wald drum herum aber blieb intakt. Das erschwerte das Vorrücken mit schwerem Gerät.

Besonders gefährdet: Fichten und Buchen

Der hessische Wald kann sich wieder erholen – aber das wird viele Jahre dauern. Forstwirtschaftler planen jetzt schon seine Zukunft. Das bedeutet, dass andere Baumsorten gepflanzt werden müssen. Denn Stürme wie Friederike werfen besonders die flachwurzelnden Fichten um. Diese Nadelbäume werden es in Hessen immer schwerer haben. Die Prognose für die Fichte ist verheerend. Forscher haben berechnet, dass heute fünf Prozent der Waldflächen bedroht sind. In der Zukunft könnten auf mehr als 60 Prozent der Waldflächen keine Fichten mehr wachsen.

Der Klimawandel verändert unsere Wälder

Schuld ist ein weiteres Klimaphänomen: extreme Trockenperioden während des Sommers. Und das bringt nicht nur die Fichte zunehmend in Gefahr, sondern auch die Buche.  Und gerade sie ist in Hessen besonders weit verbreitetet und dominiert das hessische Waldbild. Heute ist ihr Bestand gerade mal auf drei Prozent der Waldfläche gefährdet. Mit zunehmendem Trockenstress könnten auf über 50 Prozent der Flächen keine Buchen mehr wachsen.

Auf Kahlflächen, die durch Stürme entstanden sind, müssen die Forstwirte genau planen, wie sie den Wald über die Jahre neu wachsen lassen. Statt der anfälligen Fichte wird deshalb heute zum Teil mit der widerstandfähigeren Nordamerikanische Douglasie aufgeforstet.

Sturm Friederike als Chance für den Neuanfang

Eine Lichtung, wie sie Orkan Friederike im Wald bei Ippinghausen geschlagen hat, birgt auch eine Chance. Wenn das Aufräumen beendet ist, entsteht hier ein "naturnahes Waldstück". Der Mensch greift nicht mehr ein, lässt der Natur freien Lauf. Förster Frank Ohlwein vertraut darauf, dass sich dann die Pflanzen durchsetzen, die widerstandsfähig genug sind. Der Wald der Zukunft wird vielleicht anders aussehen, aber er wird erhalten als wichtiges Ökosystem, das unsere Luft filtert, das Grundwasser sichert und Lebensraum für tausende Tierarten bietet.

3 – Die Invasion der Kirschessigfliegen

2008 wurde die Kirschessigfliege - vermutlich aus Japan - nach Süd-Europa eingeschleppt. Nur drei Jahre später hatte sie Deutschland erreicht und breitete sich auch hier in Windeseile aus. Die Rede ist von der Kirchessigfliege, Drosophila Suzikii. Sie ist klein, unscheinbar und fast durchsichtig und kann auf Obstplantagen oder in Weinbergen verheerende Schäden anrichten. Bei Ferdinand Schuler vom Obsthof Bausch aus Nordhessen zum Beispiel hat sie in kürzester Zeit die gesamte Holunderernte vernichtet. Sie macht aber auch vor Kirschen, Trauben und Beeren nicht halt. Insgesamt frisst sie sich durch über 300 Weichobstsorten. Vorbeugen? Bisher – kaum möglich. Denn ein spezielles Mittel gegen den Einwanderer aus Asien gibt es bisher nicht. 

Die Vermehrung

Das Problem ist die extrem hohe Reproduktionsrate der Kirschessigfliege. Bereits im Alter von einem Tag beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Pro Frucht legt es jeweils ein bis drei, im Laufe ihres Lebens rund 300 bis 400 Eier. Aus den abgelegten Eiern entwickeln sich schnell gefräßige Larven. Diese wandern dann an die Außenhülle des Obstes und verpuppen sich dort. Innerhalb von zwei bis drei Tagen ist die Frucht verdorben. Pilze und Bakterien beschleunigen den Fäulnisprozess.

Im Gegensatz zu der verwandten Fruchtfliege, die leicht angefaultes Obst befällt, nutzt die Kirschessigfliege ausschließlich gesunde und reife Früchte kurz vor der Ernte. Somit ist der Einsatz von Insektiziden praktisch nicht mehr möglich. Denn diese Mittel müssen bis zum Verkauf rückstandsfrei abgebaut sein. Bei reifem Obst – keine Chance.

Der Kampf gegen die Kirschessigfliege

Um ihre Ernte zu retten, versuchen einige Bauern mit Netzen, die Invasion der Kirschessigfliegen aufzuhalten. Eine teure Notlösung. Und es spricht noch etwas dagegen: vor allem für Bienen sind die Netze ein echtes Problem. Sie finden auf solchen benetzten Obstplantagen keine Nahrung mehr und verhungern.

Deshalb sucht Prof. Dr. Andreas Vilcinskas von der Uni Gießen und Leiter des Fraunhofer Institut für Insektenbiotechnologie nach neuen Wegen, um den Siegeszug der Kirschessigfliege zu stoppen. Dafür sammelten die Wissenschaftler im Jahre 2016 rund um Frankfurt herum kranke Kirschessigfliegen und untersuchten sie. Dabei fanden sie Viren, welche die Tiere schwächen und töten können. Aus diesen Viren wollen die Forscher nun einen Wirkstoff entwickeln, den die Bauern auch noch kurz vor der Ernte einsetzen können, da der für andere Organismen wie Bienen oder Menschen absolut unbedenklich ist.

Die Gießener Forscher erproben gleichzeitig noch eine weitere erfolgversprechende Methode: Die sogenannte sterile Männchentechnik. Männliche Tiere werden unfruchtbar gemacht – durch Radioaktivität oder Genmanipulation und dann wieder ausgesetzt. Da diese dann natürliche Männchen verdrängen, kann die Population gesenkt werden. Die Vision des Forschers: beide Methoden zu kombinieren. Damit Bestände eine gute Chance die Plage zu bekämpfen.  

Was jetzt noch fehlt: ausreichend Geld und Zeit für die Forscher. Denn eins steht fest – die Kirschessigfliege wird sich weiter ausbreiten. Für den Obstbauern Ferdinand Schuler und seine vielen Kollegen heißt es jetzt abwarten und hoffen, dass die Kirschessigfliege in diesem Jahr nicht allzu hungrig sein wird.

2 – Zecken: Überträger gefährlicher Krankheiten

Die Gefahr lauert im Gras. Millionen von Zecken warten dort geduldig auf eine Blutmahlzeit. Sie sind äußerst zäh und kommen auch mal zwei Jahre ohne Nahrung aus. Für den Menschen sind sie gefährlich, da sie mit ihrem Biss verschiedene Bakterien und Viren übertragen kann.  Dadurch erkranken allein in Deutschland jährlich rund 80.000 Menschen an Lyme Borreliose oder die durch Viren verursachte Frühsommer Meningo Enzephalitis, kurz FSME.

Wahre Überlebenskünstler

Unbemerkt schleppen wir die kleinen Spinnentiere nach einem Spaziergang auch mit in unsere Wohnungen. Wie gut und wie lange sie dort überleben können wollte Doktor Hans Dautel, Biologe und Geschäftsführer von "Insect Services" in Berlin wissen und machte als erster Wissenschaftler ein einzigartiges Experiment – den Zeckenhärtetest. Seine Begründung: "Wir haben eine Reihe von Tests durchgeführt um festzustellen, zum einen, wie groß ist die Gefahr, wenn man aus Versehen Zecken aus dem Wald mit nach Hause nimmt, also wie lange können sie dort überleben und die andere Frage war, wenn man so eine Zecke zu Hause findet, wie man sie sicher entsorgen kann."

 1. Test: Zecken in der Waschmaschine

Dr. Dautel steckte das Spinnentier - Ixodis Ricinus – bei 40 Grad in die Waschmaschine.  Sorgsam eingepackt in Tütchen mit einem Temperaturstick versehen. Alles inklusive Schleudergang und Waschpulver. 90 Minuten später hat er dann nachgeschaut und entdeckt:  Alle Zecken lebten und waren quicklebendig "Durchaus überleben die Zecken einen Waschgang, wenn die Temperatur nicht über 40 Grad steigt in der Waschmaschine. Es wird viel bei tiefen Temperaturen gewaschen, auch die Hersteller propagieren das ja, um  Energie zu sparen, aber für Ektoparasiten die sich auf Kleidung befinden können, wie Zecken, ist das gar nicht so vorteilhaft."

2. Test: Zecken in der Toilette entsorgen

Wie sinnvoll ist es, Zecken in der Toilette zu entsorgen? Auch dieses Experiment hat Hans  Dautel mit "alles wissen" zusammen gemacht. In einem Aquarium wird die Situation simuliert. Drei Wochen überlebten die Zecken unbeschadet unter Wasser. Doch woran liegt das? Das Überleben garantieren die Tracheen der Zecke. Kurz unterhalb der Beine befindet sich dieses siebartige Organ und durch dieses kann die Zecke atmen und Sauerstoff aufnehmen. Für das Wasser sind die Tracheen zu engmaschig, das bleibt also draußen, nur der im Wasser gebundene Sauerstoff gelangt in die Zecke und lässt sie so im Sparmodus überleben. Doch warum hat die Natur das so eingerichtet?  Dr. Dautel: "Mit Hilfe dieser Tracheen, den sogenannten physikalischen Kiemen kann die Zecke zum Beispiel  im Frühjahr, wenn die Wiese überschwemmt wird, leicht zwei Wochen und mehr unter Wasser überleben."

3. Test: Die Zecke im Eisfach

Für den Kältetest kommen die kleinen Krabbler bei – 12 Grad in die Tiefkühltruhe. 24 Stunden später: Dr. Hans Dautel schaut nach und stellt fest: "Bis zu -12 Grad haben sie das relativ gut überstanden, bei tieferen Temperaturen -15 und - 20, da steigt die Sterblichkeit der Zecken dann doch stark an."

Das heißt: der Spruch, dass ein harter Winter alle Zecken sterben lässt, stimmt also gar nicht? Der Biologe erklärt, warum das so ist: "In freier Natur sind die Zecken meistens an geschützten Stellen, also sie suchen sich Stellen zur Überwinterung wo sie geschützt sind, vor allen Dingen, wenn eine Schneedecke da ist, dann kann es über der Schneedecke minus 20 oder auch minus 25 Grad haben. Unter dem Schnee liegt die Temperatur dann aber meist nah am Gefrierpunkt, also bei Null Grad oder  minus ein bis minus zwei Grad und das sind dann Temperaturen, die die Zecke über viele Wochen überstehen kann."

4. Test: Zecken und Haushaltsmittel

Doch Dr. Dautel gibt nicht auf. Jetzt werden Spülmittel, Glasreiniger und sogar Haarspray gegen die Zecken eingesetzt. Doch kein Kraut oder Spray scheint dem Krabbler gewachsen zu sein. Bis auf eine Zecke, die im Haarspraytest stirbt, überleben alle unbeschadet. Dr. Dautel erklärt warum das so ist. "Das war jetzt fast zu erwarten, wenn man weiß, dass die lange Zeit ohne Sauerstoff auskommen können, dazu kommt, dass die Curtikula, also die Haut dieser Zecke relativ dicht ist, so dass die Stoffe sehr lange brauchen, um da einzudringen."

5. Test: Das Aus im Wäschetrockner

Bleiben also nur noch Hitze und Trockenheit. Die Zecken kommen bei 60 Grad in einen Wäschetrockner.  Eine Stunde später – das war das Aus für die Tiere – keine einzige Zecke hat den Wäschetrockner überlebt. Dr. Dautel: "Am wenigsten mag die Zecke direktes Sonnenlicht, hohe Temperaturen und Trockenheit. Das ist dann auch der Grund, warum man die eben sehr häufig entweder im Wald oder in solchen Gärten findet, wo man auch schattige Bereiche hat, zum Beispiel bodenbedeckenden Efeu. Das ist das, was die Zecke liebt."

Fazit

Der Zeckenhärtetest hat gezeigt, egal ob zu Hause oder in der freien Natur, Zecken sind zäh und schwer zu bekämpfen. Damit sie erst gar nicht mit Zecken in Berührung kommen, schützen sie sich: Lange, helle Hosen helfen, aber auch Anti-Zeckenspray hält sie eine Weile lang fern. Vor allem aber suchen sie sich gründlich ab, wenn sie nach Hause kommen: Besonders hinter den Ohren, am Haaransatz und zwischen den Zehen. Denn Zecken lieben es geschützt, feucht und dunkel. So gewappnet sollte einem Sommer in der freien Natur nichts mehr im Wege stehen.

1 – Waschbärplage in Hessen?

Wenn Frank Becker sich für seinen Einsatz bereit macht, dann geht es ganz speziellen Einbrechern und Randalierern an den Kragen: den Waschbären. Denn mit ihnen ist nicht zu spaßen. Auf den ersten Blick wirken sie putzig, aber die Schäden, die Waschbären an und in Häusern anrichten können, sind enorm: "abgedeckte Dächer, also Ziegel, wo es rein regnet, das Zerstören der Dämmung", erklärt Becker. "Der Waschbär legt auch Latrinen an, Klos. Das geht dann so weit, dass es im Wohnzimmer von der Decke tröpfelt."

Vom Wald in die Stadt

Lange Zeit hielt sich der Waschbär eigentlich nur im Wald auf. Doch sobald es Städte in der Nähe gab, änderte er sein Verhalten, weiß Waschbär-Kenner Frank Becker: "Dann hat der Waschbär gemerkt, dass er da in den städtischen Gebieten ein riesiges Nahrungsangebot findet. Und hat dann gesagt: Okay, dann brauche ich gar nicht zurück. Also suche ich mir hier eine Bleibe."

Begnadete Kletterer

Denn in den Städten winkt den Waschbären reichlich Futter - in Müll - und Biotonnen. Oder in Müll-Säcken, die in Kassel Woche für Woche zu Tausenden am Straßenrand zur Abholung bereit liegen. Und erst einmal davon angelockt, macht der der Waschbär auch vor Wohnhäusern nicht mehr halt. Frank Becker: "Es ist so, dass der an einer Klinkerwand, an einer glatten Wand hochklettert oder an Hausecken und Blitzableitern. Das ist schon beeindruckend. Und ich kann immer nur betonen: Jeder Affe ist schwerbehindert gegen Waschbären. Wenn man gesehen hat, wie der klettert: Das ist genial."

Aufrüstung ist angesagt

Becker hat eine Methode entwickelt, um die Tiere am Eindringen in Häuser zu hindern.  Regen- und Fallrohre an Hauswänden werden mit einem dafür patentierten Kletterschutz aus Plexiglas aufgerüstet. Optisch stört der wenig, für Waschbären allerdings ist er ein unüberwindbares, rutschiges Hindernis. Und falls sie anderweitig aufs Dach zu kommen versuchen, hat Becker noch seinen elektrischen Bären-Schocker im Angebot. Der an der Dachrinne befestigte Elektro-Draht macht das Haus dann absolut sicher.

Mit den Waschbären leben

Für Frank Becker steht aber eines fest: "Die Waschbären sind hier, die haben sich etabliert, die werden wir auch nicht ausrotten. Wir müssen versuchen, mit denen klarzukommen." Die friedliche Koexistenz von Bär und Mensch ist wohl genau das, auf was wir uns einstellen müssen.

Weitere Informationen

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Forstbetrieb
Frank Becker
Alt Wahlershausen 4
34131 Kassel
Telefon: 0561 - 314871
Fax: 0561 - 315780
E-Mail: info@waschbaerschutz.de
Internet: www.waschbaerschutz.de

Waschbärstopp - Lösungen
E-Mail: argesmart@web.de
Infos unter: www.waschbaer-stopp.de

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Filmautorin: Sabine Guth
Sendung: hr-fernsehen, "12-mal Natürlich lecker", 29.01.2019, 21:00 Uhr