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zum Video Macht Kälte schlank?

Der Winter kommt jetzt doch noch. Und wer über die Minusgrade schimpft, tut ihnen unrecht. Sie haben nämlich ein ungeahntes Potenzial als Schlankmacher. Es klingt zwar paradox, stimmt aber: Kälte lässt Fettzellen schmelzen, ist das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Wir erklären, wie Frieren dauerhaft schlank macht und gehen gemeinsam mit drei Frauen der Frage nach: mit Kälte abnehmen. Funktioniert das?

Methode 1: Fett einfach einfrieren

Eine Problemzone, die viele Menschen kennen: Der Bauch. Auch Marjorie Delle Buena kämpfte nach ihrer 4. Schwangerschaft vergebens gegen das hartnäckige Bauchfett. Jetzt versucht sie es mit einer ganz besonderen Methode: der Kryolipolyse. Mit dieser Kälte-Behandlung sollen Fettpölsterchen ganz einfach verschwinden. Die Behandlung findet im Liegen statt. Mit Zellstoff und Schutzfolie wird die Haut vor der Behandlung abgedeckt, um zu verhindern, dass sie geschädigt wird. Ein sogenannter Applikator, in dessen Innerem zwei Kälteplatten sind, wird angesetzt. Er erzeugt ein Vakuum und saugt das zu behandelnde Fettgewebe ein.

Carla Fernandes betreibt ihr Kryolipolyse-Studio seit einem Jahr.  "Der Fettschwulst wird quasi eingesaugt und runter gekühlt." Die Patienten merken von der Behandlung nicht viel, erklärt uns Marjorie Delle Buenas. "Man merkt auf jeden Fall, dass an den Stellen, wo die Applikatoren sitzen, dass da was passiert. Aber es ist nicht schmerzhaft. Auf der rechten Seite, da fängt es schon ein bisschen an zu pieken, das ist das die Zellen da arbeiten, aber überhaupt nicht schlimm."

Eine Stunde dauert die Behandlung. Bei minus 9 Grad erfrieren die  Fettzellen. Danach muss der Körper die toten Zellen einfach abtransportieren, erklärt Carla Fernandes: "Die Fettzellen, die wir zerstört haben, werden über das Lymphsystem abtransportiert. Das ist auch der Grund, warum ich immer sage: viel Wasser trinken, es muss aus dem Körper raus, am besten noch in Verbindung mit Lymphmassage. Das wirklich die Lymphen angeregt werden, diese zerstörten Zellen aus dem Körper raus zu schleudern."

Achtung: Nebenwirkungen

Der Abtransport ist Experten wie Uwe Popert zufolge nicht ungefährlich, denn die große Menge an abgestorbenen Fettzellen könnte Probleme bereiten, erklärt der Allgemeinmediziner. "Mit der Zerstörung von Fettgewebe haben sie eine ganze Reihe von Effekten, die wir auch nur zum Teil überblicken. Wir wissen, dass Fettgewebe hormonproduzierend ist. Das kann gut sein, dass kann aber auch nachteilig sein. Wenn ich Fettgewebe kaputt mache, dann müssen die Bruchstücke ja irgendwo hin. Einfach so über das Blut abtransportieren kann Ärger geben."

Im Extremfall könnte das zu Embolien oder zu einer Überlastung der Leber führen. Deshalb empfiehlt Carla Fernandes Jedem vor einer Kryolipolyse-Behandlung mit einem Arzt zu sprechen. Bei gesunden Menschen sind bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet worden. Marjorie Delle Buenas ist nach einer Stunde mit der Behandlung fertig. 198 Euro zahlt sie dafür.

Die tiefgekühlten roten Flecken, die die Applikatoren auf ihrem Bauch hinterlassen haben, werden schon bald verschwunden sein. Vor acht Monaten war sie zum ersten Mal hier und die Vorher/Nachher-Fotos zeigen, wie sich ihr Körper in dieser Zeit verändert hat. "Ich will noch mal den Bauch und die Hüften, aber danach ist es dann auch perfekt. Also wenn das alles weg ist, dann bin ich auch zufrieden."

Methode 2: Schockfrieren in der Kältesauna

Auch Franziska Bertram will mit Hilfe von Kälte ihre Problemzonen bekämpfen. Dabei war die 23-Jährige eigentlich wegen ihrer Rückenschmerzen zur Behandlung in die Kältesauna geschickt worden. Zur Schmerzbehandlung ist das Gerät seit vielen Jahren im Einsatz.

Nach ein paar Anwendungen hat sie dann gemerkt, dass nicht nur ihr Rücken weniger weh tat, sondern auch die Hosen wieder besser passten. "Ich habe mir dann einfach so einen Flyer mal mitgenommen, hab halt gedacht okay, guckste mal, was die sonst noch so therapieren können Und hab dann gesagt, okay. Ich lege jetzt nicht den Fokus nur noch auf meine Schmerzen, sondern auch auf Diät und Fettabbau."

Drei bis vier Mal die Woche geht sie nun zum Abnehmen in die Kältekammer - bei bis zu 160 Grad minus. Nach acht Behandlungen sind jetzt schon fünf Kilogramm runter. Für ihren Trainer Rüdiger Scholz keine Überraschung: "Wenn sie nach der Behandlung raus kommt, hat sie eine verbesserte Durchblutung. Ihr Stoffwechsel ist angeregt, Leber und Nieren arbeiten vermehrt." Nur durch das Stehen in der Kälte verbraucht Franziska Bertram in der Kältesauna bis zu 1500 Kalorien in drei Minuten.

Abnehmen durch Kälte – warum geht das?

Der Mensch ist ein Warmblüter. Er hält seine Temperatur stets auf circa 37 Grad. Bei Kälte werden die Muskeln automatisch in Bewegung gebracht, wir zittern. Dadurch erzeugen wir Wärme und verbrauchen Kalorien. In der Kältekammer, vervielfacht sich dieser Effekt, weiß Allgemeinmediziner Uwe Popert: "Natürlich kann ich Kalorien verlieren, indem ich mich irgendwo hinsetze und still vor mich hin friere, aber so viel Spaß macht das auch nicht! Die Alternative wäre, raus zu gehen und sich zu bewegen. Und diese Alternative ist in der Regel deutlich gesünder."

Franziska Bertram geht auch regelmäßig ins Fitnessstudio. Kombiniert mit der Kältekammer hat das einen großen Vorteil: "So schnell, wie das mit der Therapie funktioniert, kriege ich mein Fett mit Sport nicht abgebaut. Wir Frauen vor allem sind ja sehr ungeduldig mit uns und unserem Körper, da ist es natürlich auch die Zeitersparnis."

Methode 3: Sport bei Brrrrr-Graden.

8 Uhr morgens, bei ungemütlichen 3 Grad Celsius. Franziska Eitles trainiert trotzdem draußen im Freien. "Wenn man sich ein persönliches Ziel setzt, dann kommt die Motivation und dann zieht man sich an und los geht’s!" Motivation ist gut, eine Trainerin besser. Tina Grams treibt sie immer wieder an. "Ihr Körper muss bei Kälte ja wesentlich mehr arbeiten, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Obwohl sie Sport macht. Das geht über die Hautrezeptoren, dass heißt die Haut nimmt schon wahr, dass es jetzt hier draußen kälter ist als sonst. Das bedeutet für den Organismus: ich muss jetzt Energie bereit stellen, aus meinen Zellen und zwar mehr, als wenn es draußen warm ist und das führt zu einem höheren Grundumsatz! Das bedeutet: obwohl sie Sport macht und sich anstrengt, muss der Körper mehr Energie aufwenden und der Grundumsatz erhöht sich. Das bedeutet wiederum, dass sie mehr Kalorien verbrennen muss!"

Vor einem Jahr ist Franziska Eitles Mutter geworden. Hatte dadurch viel zugenommen. Seit sechs Monaten trainiert sie jetzt mit Tina Grams und hat seitdem 22 Kilogramm abgenommen. Und das Training im Winter hat einen äußerst positiven Nebeneffekt: Der Kalorienverbrauch steigt um zirka fünf5 Prozent. Die braucht der Körper, um seine Temperatur aufrecht zu erhalten. Die Pfunde purzeln also schneller.

Vorsicht bei Sport im Freien!

Die Kälte kann die Lunge reizen. Um dem vorzubeugen, hat Experte Uwe Popert einen einfachen Tipp: "Man kann einen Teil dieser Effekte dadurch lindern, dass man einfach irgendwas Wärmendes als Vorlauf hat, das heißt indem man ein Tuch vor den Mund nimmt, wärmt man das Ganze ja schon vorher." Mit Kälte kann man also tatsächlich effektiv Fettpolster bekämpfen. Egal, ob man einfach im Freien Sport treibt. Oder sich therapeutisch mit extremer Kälte behandeln lässt.

Bericht: Christof Dörr

Sendung: hr-fernsehen, "Alles Wissen", 25.01.2018, 20:15 Uhr