Heuschnupfen

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Ein Heuschnupfen – das ist ja nichts Besonderes. Inzwischen leidet ja schon ein Drittel der Deutschen an dieser allergischen Erkrankung. Und jedes Jahr werden es mehr. Wer bisher Glück hatte und nicht davon betroffen war: Heuschnupfen kann man auch noch mit 60 oder 70 Jahren bekommen. Leider. Denn der Heuschnupfen ist eine schwer unterschätzte Volkskrankheit, der unbehandelt schlimme Folgen haben kann.

Allergien werden immer häufiger

Allergien haben in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Inzwischen sind rund 30 Proznt der Bevölkerung betroffen.  Vor 200 Jahren war diese Erkrankung noch so gut wie unbekannt. Noch deutlicher ist der Trend bei Asthma. Hier hat sich die Zahl der Erkrankungen innerhalb der letzten 20 Jahre mehr als verdoppelt, so dass Asthma heute die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter ist.

Gefährliche Kreuzallergien

Ein Heuschnupfen ist nicht nur lästig. Er kann unbehandelt auch zu weiteren gefährlichen Lebensmittelallergien führen. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem unangemessen heftig auf Substanzen, die normalerweise harmlos sind - wie zum Beispiel Pflanzenpollen, Insektengifte oder Schimmelpilzsporen. Über 20.000 Auslöser für Allergien kennt man bislang. Die Immunabwehr bildet gegen das Allergen Antikörper, die Entzündungsreaktionen auslösen. Das Problem: Oft reagiert der Körper dann nicht nur auf diese Allergene, sondern auch auf Allergene von Lebensmitteln, die eine ähnliche Eiweißstruktur wie die Pollen haben. Es kommt zu einer so genannten Kreuzallergie: Ganz plötzlich reagiert der Körper hochallergisch auf bisher unproblematische Lebensmittel. Unvermutet kommt es dann zu allergischen Reaktionen, im Extremfall zu einem allergischen Schock.

Immuntherapie als Schutz

Eine Immunisierung – auch Hyposensibilisierung – schützt mit recht großem Erfolg vor Kreuzallergien oder chronischem Asthma. Als erstes stellt dabei man fest, auf welche Substanzen der Betroffene reagiert. Dafür werden dem Patienten allergieauslösende Stoffe unter die Haut geritzt. Diese Allergene bekommt man dann wöchentlich gespritzt.  Das Immunsystem soll sich an die allergieauslösende Substanz gewöhnen, sodass es weniger oder gar nicht mehr darauf reagiert

Eine dreijährige Therapie, die nach einer Studie von einer Million Allergiker-Akten aber bei viel zu wenigen Allergikern gemacht wird. Vielleicht, weil den 30 Millionen deutschen Allergikern nur 5200 Allergologen zur Verfügung stehen.

Die verharmloste Volkskrankheit

Vielleicht aber auch, weil man die Medikamente gegen Allergien selbst zahlen muss. Warum dann extra zum Facharzt gehen? Zehn Jahre dauert es im Schnitt bis zu einer Diagnose - häufig werden die Beschwerden mit einer Erkältung verwechselt.

Dazu Prof. Ludger Klimek vom Allergiezentrum Wiesbaden: "Wir sehen im Schnitt dass allergische Patienten 10 Jahre brauchen, bis sie richtig diagnostiziert werden. Oft werden die Beschwerden verwechselt mit Erkältungskrankheiten. Und das führt dazu, dass viele der Patienten häufig Antibiotika bekommen, dass sie andere entzündungshemmende Mittel bekommen, dass sie sich selber behandeln, bevor dann endlich irgendjemand auf die Idee kommt, das könnte doch eine Allergie sein."

Freiverkäufliche Medikamente sind auch für den Leiter des Allergie-Centrum-Charité in Berlin, Prof. Torsten Zuberbier, das falsche Signal: "Das ist eine Bagatellisierung dieser Krankheit. Damit wird das Gefühl gegeben, es ist nicht wichtig. Andere Medikamente wie Diabetesmedikamente, Herz-Kreislauf-Medikamente, Bluthochdruck - das wird alles bezahlt."

Allergien kommen uns alle teuer zu stehen

Bei Schulkindern mit unbehandeltem Heuschnupfen konnte nachgewiesen werden, dass sie in Prüfungen bis zu einer Note schlechter abschneiden. Messbar ist, dass durch Atemwegsallergien weniger leistungsfähig gearbeitet wird, Symptome einer Dauererkältung vorliegen. Das Nichtbehandeln kostet die europäische Wirtschaft rund 100 Milliarden Euro im Jahr. Und: Die Kosten für eine Asthma-Erkrankung als Folge eines unbehandelten Heuschnupfen sind sechs Mal höher als für einfachen Heuschnupfen.

Noch ist nicht erforscht, was den Körper dazu bringt, Allergien zu entwickeln. Es braucht endlich mehr Geld für Forschung und Aufklärung, um die Volkskrankheit Allergie in den Griff zu bekommen.

Weitere Informationen

Weiterführende Links

DAAB - Deutscher Allergie- und Asthmabund:
https://www.daab.de/allergien/allergiewelt/

ECARF - Europäisches Centrum für Allergieforschung:
https://www.ecarf.org/

Ende der weiteren Informationen

Autorin: Caroline Habel

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 25.04.2019, 20:15 Uhr