Warum ist das Herzinfarktrisiko um 8 Uhr morgens am höchsten? Gibt es eine optimale Uhrzeit für Operationen? Und hängt die Wirksamkeit von Medikamenten davon ab, wann sie eingenommen werden?

Der Schlüssel zur Antwort auf diese Fragen ist die Chronobiologie, also die innere Uhr. Sie beeinflusst den Menschen in jedem Augenblick seines Lebens. Sie tickt in jedem Organ des Körpers. Wie die Chronobiologie genutzt werden kann, wird bei "Alles Wissen" erklärt.

Ständig "on"

Wie oft schauen Sie auf ihr Handy? Der Durschnitt macht das unglaublicherweise alle acht Minuten. Insgesamt zweieinhalb Stunden am Tag. Jugendliche sogar bis zu sieben Stunden. Wir sind im digitalen Stress und beklagen uns dann, dass wir zu wenig Zeit für uns haben. Ständig checken wir Nachrichten, Mails, Kommentare und so weiter. Die Handys ziehen uns quasi an – erst recht, wenn nichts zu tun ist.

Eine erzwungene Wartesituation, also Langeweile, macht schlechte Laune, sagt Hirnforscher Henning Beck. Viele Menschen sind sogar eher bereit, Schmerzen zu ertragen als Langeweile – das zeigt eine Studie: Wissenschaftler ließen Probanden in einem Raum 15 Minuten warten. Die Probanden hatten die Möglichkeit, entweder nichts zu tun oder sich unangenehme Elektroschocks zu verpassen. Das Ergebnis ist drastisch: Zwei Drittel der Männer und zwei Drittel der Frauen greifen zum Schocker. Eines der größten Probleme unserer Gesellschaft ist: Wir gönnen uns zu wenige Pausen, nehmen uns zu wenig Zeit. [zum Video]

Fünf-Stunden-Arbeitstag

Es ist Montag, 13:00 Uhr. Das heisst schon wieder Feierabend in Deutschlands erstem Betrieb mit fünf-Stunden-Tag. Eine tägliche Arbeitszeit von fünf Stunden – bei vollem Gehalt. Wie geht so etwas? Rechnet sich das wirtschaftlich? Und wie schaffen die Mitarbeiter das Pensum?

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Um in fünf Stunden die Arbeit von acht Stunden zu schaffen gibt es nur eine Strategie: Zeitfresser und Ablenkungen konsequent verbannen. Das Smartphone bleibt also während der Arbeit aus. Dafür loben die Mitarbeiter die Effizienz und das Mehr an freier Zeit für soziale Kontakte und Hobbies. Kann das Modell Schule machen, ist also die 25-Stunden-Woche die Zukunft?

Durchschnittlich 34,9 Stunden arbeiten wir heute in Deutschland. Die Dänen haben mit 31,8 Stunden zwar die kürzeste Arbeitszeit, sind im europäischen Vergleich aber am Produktivsten. Wissenschaftler beobachten das deutsche Unternehmen mit der innovativen Zeitplanung daher mit großem Interesse. [mehr]

Beschleunigung – Wo bleibt die Zeit?

Wer kennt es nicht, das Gefühl, keine Zeit mehr zu haben, immer schneller machen zu müssen, nur um auf der Stelle zu bleiben? Dabei sollte es doch eigentlich ganz anders sein - schließlich werden ständig neue Dinge erfunden, die uns helfen sollen, Zeit zu sparen - trotzdem ist irgendwie nie welche da. Aber wo bleibt die Zeit?
Das Problem: Neue Technik wird von der Gesellschaft dankbar aufgegriffen - aber nicht etwa, um auszuruhen - sondern um mehr zu tun! Denn wir konkurrieren um Ansehen und Arbeitsplätze. Ob wir wollen oder nicht - der gesellschaftliche Druck treibt jeden einzelnen Menschen an - wir steigern unser Lebenstempo.

Der Perfekte Tag – Statistik trifft auf Wirklichkeit

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Auf der Suche nach Optimierung treibt die Wissenschaft skurrile Blüten: So haben Wissenschaftler berechnet, wie der perfekte Tag aussieht. Grundlage ist eine Umfrage, in der Frauen angegeben haben, bei welchen alltäglichen Tätigkeiten sie besonders glücklich sind. Die Wissenschaftler rechneten minutengenau: Die meiste Zeit entfällt natürlich auf die offensichtlich angenehmen Dinge wie Freunde treffen (82 Minuten) oder romantische Zeit mit dem Partner (106 Minuten). Da nach Überzeugung der Wissenschaftler aber Abwechslung wichtig ist, tauchen auch eher unerwartete Punkte auf wie Hausarbeit, Computer und Arbeit. Eine Freiwillige testet für "alles wissen", wie es ihr am wissenschaftlich berechneten "perfekten Tag" ergeht. [mehr]

Zeitmessung

Früher war Vieles deutlich langsamer: Mit gerade mal zwei km/h dümpelte eine Kutsche vor dem Ausbau der Fernstraßen im 18. Jahrhundert über schlammige, kaum befestigte Wege. Reisen war langwierig, umständlich und teuer. Das Leben spielte sich daher hauptsächlich im unmittelbaren Umfeld ab. Partner wurden meistens im eigenen Dorf gesucht, eine lebenslange Ehe war selbstverständlich. Wissenschaftliche Forschung, aber auch die Entwicklung von praktischem Alltagswissen schritten nur sehr langsam voran. Die Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung waren in der vorindustriellen Zeit ausgesprochen begrenzt. Doch dafür blieb das Leben übersichtlich. [zum Video]

Außergewöhnliche Zeitmessung bei Tieren und Pflanzen

Was für Menschen gilt, ist bei Pflanzen und Tieren ganz genau so: Ihre Lebenszyklen werden von einer Vielzahl unsichtbarer Uhren gesteuert. Diese regeln, wann Pflanzen blühen und Tiere Winterschlaf halten. Ihr wichtigster Taktgeber: das Licht. [zum Video]

"Zeit ist Geld" – Warum?

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Zeit muss man sich nehmen, jederzeit. Auch wenn es heißt: Zeit ist Geld. Woher kommt dieser Spruch eigentlich? Wir mussten schon immer arbeiten, aber früher gab es noch keine Stechuhr. Es kam noch nicht auf Minuten oder gar Sekunden an. Den Takt gab die Sonne vor. Man teilte den Tag auf der Sonnenuhr in 12 Teile. Nachts wurde die Zeit geschätzt.

Erst die Mönche im Mittelalter nahmen es dann genauer: Sie nutzten Wasseruhren, die unabhängig von der Sonne die Stunden im Winter und im Sommer immer gleich lang zählten. Das war wichtig für ihre Gebete. Um das Jahr 1300 wurden die ersten mechanisch betriebenen Uhren gebaut. So setzte die Technisierung in Europa ein.

Weitere 200 Jahre und viel Tüftelei später brachten Uhren im Taschenformat die Zeitmessung in den Alltag der Menschen. Das war zur Zeit der Reformation: Der Reformator Johannes Calvin verkündete, dass wirtschaftlicher Erfolg Gottes Wille sei. Und plötzlich wurde die Arbeitszeit sehr kostbar – nach dem Takt der Uhren.

Nach und nach erfasste der Zusammenhang von Zeit und Geld ganze Gesellschaften - und deren Wirtschaft. Der internationale Handel blühte. Einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, Benjamin Franklin, schrieb 1748 in einem Brief an junge Kaufleute: „Denke daran: Zeit ist Geld.“ Damit war die noch heute verwendete Redewendung geboren.

Inzwischen ist ein modernes Leben ohne exakte Zeitmessung völlig undenkbar.

Moderation: Thomas Ranft

Sendung: hr-fernsehen, "Alles Wissen", 24.01.2019, 20:15 Uhr