Explosion Mikrowelle
Eier in der Mikrowelle platzen und sorgen für eine ordentliche Sauerei. Bild © Imago Images

Haben Sie schon einmal versucht, Eier in der Mikrowelle zu kochen? Keine gute Idee, denn die Mikrowellen-Strahlung erhitzt die Wassermoleküle im Ei. Dadurch dehnt sich das Wasser aus – und wird so heiß, dass es plötzlich verdampft. Dabei sprengt es die Schale. Aber diese Explosion ist harmlos im Gegensatz zu anderen Gefahren im Haushalt.

Möglicherweise brandgefährlich sind Speiseöle, wie wir sie täglich in der Küche benutzen, Deo- und Haarspray, die zu wahren Brandbomben werden können und Lithium-Akkus, wie sie in Mobiltelefonen oder E-Zigaretten stecken.

Um das zu testen, sind wir mit den Brandschutzexperten der Feuerwehr Kassel verabredet: Thomas Schmidt, Thomas Müller und Jens Krumbein. Sie werden häufig zu Einsätzen in Haushalten gerufen. Sie demonstrieren anhand einiger  Beispiel das explosive Ausmaß in Versuchen - mit schwerem Gerät und natürlich unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Spraydosenzerknall

Jemand versprüht Deo.
Eine Spraydose sollte nicht zu heiß werden. Sonst herrscht Explosionsgefahr. Bild © Imago Images

Testgegenstand 1: Die Spraydose. Darauf steht ein Warnhinweis mit Gefahrensymbol: "Nicht auf über 50 Grad erwärmen." Das kann im Alltag schon passieren, wenn Spraydosen im Sommer im Auto auf der Heckablage liegen. Hier steigt die Temperatur relativ schnell auf 60-70 Grad an. Das enthaltene Treibgas in der Metalldose dehnt sich durch die Hitze so stark aus, dass es die Dose zerreißt. Deshalb steht das Deospray für den Versuch bei der Feuerwehr in einem Gitterkorb. Ohne den würden hier unkontrollierbar Metallteile durch die Luft fliegen. Der Sicherheitsabstand beträgt etwa 4 Meter. Um Zeit zu sparen, erhitzen die Feuerwehrmänner die Dose direkt mit einer Gasflamme. Schon nach etwa einer Minute ist es soweit: Der Gasdruck sprengt die Dose, das austretende Gas erzeugt eine gewaltige Stichflamme und der Gitterkorb kippt um.

Spraydosen enthalten nur etwa 10% Treibgas. Camping-Gaskartuschen hingegen sind komplett mit der entzündlichen Substanz gefüllt. Mit diesem alltäglichen Test-Gegenstand Nummer 2 dürfen wir heute nicht experimentieren. Zu gefährlich. Durch Hitze oder Beschädigungen kann es auch hier zur Explosion kommen, mit erheblichen Beschädigungen an Gebäuden: Bei kleinen Gaskonzentrationen werden Fensterscheiben und Türen durch die Druckwelle zerstört. Bei größeren Konzentrationen kann eine Gasexplosion sogar die Außenmauern sprengen. Deshalb ist es zum Beispiel verboten, Gaskartuschen in Kellern zu lagern.

Lithium Akkus

Eine weitere Gefahrenquelle im Haushalt: Lithium-Akkus, Testgegenstand Nummer 3. Sie werden gern genutzt im Modellbau, in Handys und in E-Bikes. Aber hinter der großen Speicherkraft von Lithium-Akkus steckt auch ein größeres Risiko: sie sind leicht entzündlich. Pluspol und Minuspol der Batterie werden nur durch eine dünne Kunststofffolie getrennt. Eine Beschädigung dieses Separators erzeugt einen Kurzschluss und somit akute Brandgefahr.

Das demonstrieren die Feuerwehrmänner an einem großen Lithium-Polymerakku und provozieren absichtlich einen Kurzschluss. Sofort entsteht giftiger Rauch, den der Wind glücklicherweise von uns weg treibt. Ein wenig später entzündet sich der Akku selbst. Es dauert einige Minuten, bis der Brand langsam nachlässt. Feuerwehr-Einsätze aufgrund brennender Polymerakkus nehmen zu. Insbesondere bei E-Bike-Akkus treten häufig Brände auf, weil sie beschädigt oder unbeaufsichtigt geladen wurden.

Fettexplosion

Heißes Fett in einer Pfanne
Fett in einer Pfanne sollten Sie niemals unbeaufsichtigt auf dem Herd lassen. Bild © Imago Images

Das letzte Experiment findet in einem ein Küchen-Szenario statt, mit herkömmlichen Speiseöl - Testgegenstand Nummer 4. Auch hier beschleunigen die Feuerwehrmänner den Vorgang und erhitzen das Fett direkt mit dem Gasbrenner. Bei etwa 230-240 Grad fängt das Fett an zu Rauchen. Zu Hause würde jetzt ein Rauchmelden anspringen. Wenn man dann schnell genug reagiert, den Herd abstellt und den Topf herunter nimmt und lange genug abkühlen lässt passiert nichts.

In unserem Versuch geht es trotzdem weiter: Bei 250-300 Grad ist das Speiseöl so heiß, dass es sich selbst entzündet,  auch wenn man glaubt, man hätte die Flammen mit dem Deckel erstickt. Die Flammen schlagen von neuem aus dem Topf, wenn man den Topf nicht deutlich länger als 30 Sekunden abkühlen lässt. Viele Menschen würden jetzt intuitiv zu Wasser greifen, um den Brand zu löschen. Denn die Spüle ist oft direkt in der Nähe des Herds. Aber genau das ist die falsche Reaktion. Was dann passiert, demonstrieren uns die Feuerwehrmänner, natürlich mit gehörigem  Sicherheitsabstand. Denn wer jetzt neben dem Herd steht, könnte sich bei diesem Löschversuch schwer bis tödlich verbrennen. Ein lautes Zischen und ein Feuerball dringen schlagartig aus dem Topf: eine Fettexplosion.

Was ist passiert? Wasser hat eine höhere Dichte als das brennende Öl und sinkt auf den Boden des Behälters. Öl und Boden sind so heiß, dass das Wasser sofort verdampft. Aus 1L Wasser 1700L Wasserdampf. Und der schleudert das Öl schlagartig aus dem Behälter. Der Luftsauerstoff verstärkt den Brand zusätzlich.

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 7.3.2019, 20:15 Uhr
Bericht: Vanessa Laspe