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Wenn Sie das nächste Mal so im Stau stehen und sich ärgern, dann schauen sie sich doch mal um. Vielleicht können Sie irgendwo eine Ameisenstraße entdecken. Und Sie werden feststellen: Bei denen fließt der Verkehr. Immer. Völlig problemlos. Was haben Ameisen, was wir Menschen nicht können?

Schluss mit Stau-Frust: Besser fahren mit Ameisenintelligenz!

Während in Deutschland jeden Tag Millionen Pendler mit knallrotem Kopf hupend und fluchend hinter dem Steuer ihres Autos sitzen, läuft der Verkehr zur gleichen Zeit auf der Ameisenstraße Perfekt. Mehrspurig, in entgegengesetzte Richtungen – ohne nennenswerte Unfälle oder Verzögerungen. Forscher sagen: die können das, weil sie weniger egoistisch sind. Und das ist die beste Strategie gegen Staus. Denn die entstehen immer dann, wenn Autofahrer nur an sich denken, und nicht daran, ob andere ihretwegen bremsen müssen: Zu schnell über die Autobahn rasen, sich beim Spurwechsel in eine zu enge Lücke drängeln – all das sind Faktoren, die den nachfolgenden Verkehr stören.

Auf der Ameisenstraße herrschen andere Gesetze. Die Insekten agieren nicht eigennützig, sondern denken für ihr ganzes Volk. Sie handeln als Gemeinschaft. Jede einzelne Ameise steigert die Überlebenschancen der ganzen Kolonie, wenn sie zum Beispiel eine Futterquelle ausfindig macht.

Das sind die geheimen Verkehrsregeln der Ameisen.

Ein soziales Verhalten, das bei Menschen undenkbar ist. Dabei wissen wir: Wenn sich alle Fahrer gleich verhalten, entsteht kein Stau. Es ist ein Mythos, dass schnelleres Fahren Stau vermeidet, tatsächlich haben Autobahnen den höchsten Durchsatz bei einer Geschwindigkeit von 60 bis 80 Kilometern pro Stunde. Ein französisches Forscherteam fand jetzt sogar heraus, dass Ameisenstraßen effizienter werden, je voller sie sind – auf den Autobahnen der Menschen kaum vorstellbar.

Der Vorteil der Insekten: Sie bewegen sich nicht in Blechkisten isoliert voneinander fort, sondern sie kommunizieren über Berührungen und vor allem über chemische Signale. Mithilfe von Pheromonen markieren sie nicht nur den besten Weg zu einer Futterquelle, sondern tauschen sich auch über deren Größe aus. Dazu "sprechen" sie sogar mit den Ameisen, die im Gegenverkehr unterwegs sind.

Was können wir von den Ameisen lernen?

Dieses Prinzip wollen Stauforscher sich für den Straßenverkehr abgucken, indem sie bislang teilnahmslose Fahrzeuge miteinander vernetzen. Die Autos sollen über GPS direkt miteinander kommunizieren und sich vor Gefahren warnen. So soll zum Beispiel zukünftig ein entgegenkommendes Auto dem eigenen Auto "erzählen" können, dass man geradewegs auf einen Stau zufährt. Das Echtzeit-Frühwarnsystem könnte Autofahrer animieren, vorausschauender zu fahren, um eine Stauwelle zu vermeiden.


Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 04.04.2019, 20:15 Uhr