Biene
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Bienen: so wichtig sie für unser Ökosystem sind, so bedroht sind sie auch. Nahrungsmangel, Pestizide, die ihr Nervensystem angreifen, eingeschleppte Parasiten und Krankheiten bedrohen ihren Bestand. Deshalb kommen immer mehr Naturfreunde auf die Idee, sich selbst Bienenvölker  anzuschaffen.

Im Winter 2016/2017 starben deutschlandweit 170 000 Bienenvölker der Honigbiene. Das sind mehr als 20 Prozent des Bienenbestandes in Deutschland. Das ist nicht nur bedauerlich für die Imker, sondern hat auch ökologisch und wirtschaftlich ernsthafte Konsequenzen. Sind doch über 80 Prozent der Blütenpflanzen, darunter auch unsere Kulturpflanzen, auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Honigbienen übernehmen dabei eine wesentliche Aufgabe. Die heimischen Wildbienen können diese Aufgabe allein nicht mehr bewältigen. Über 40 Prozent der heimischen Wildbienenarten gelten als gefährdet oder sind vom Aussterben bedroht. Überhaupt haben es die Bienen schwer in Deutschland: Ausgeräumte Ackerlandschaften, Nahrungsmangel, Pestizide, die ihr Nervensystem angreifen oder sie sogar töten. Viele Naturfreunde in Deutschland haben solche Nachrichten dazu gebracht, sich Bienenvölker anzuschaffen. Seit einigen Jahren gibt es einen richtigen „Bienenhype“. Doch Honigbienen sind im Grunde richtige Haustiere. Kümmert sich der Hobbyimker nicht fachkundig, kann das nicht nur für sein Bienenvolk fatale Konsequenzen haben.

Ein Tag mit dem Bienenexperten

Dr. Giuseppe Bosco ist Amtstierarzt und Bienenspezialist. Er ist für die Bienengesundheit im hessischen Lahn-Dill Kreis verantwortlich. Er wird immer dann gerufen, wenn es Probleme gibt.

Sein erster Weg führt ihn zu einem Imker, dem trotz jahrelanger Erfahrung 15 Bienenvölker im Winter gestorben sind. Das sind wahrscheinlich mehr als 250 000 Bienen. Das geht an sein  Imkerherz; er überlegt sogar, mit der Imkerei ganz aufzuhören. Dr. Bosco will herausfinden, was das Bienensterben ausgelöst hat. Er geht auf Spurensuche und untersucht die Bienenstöcke und die toten Bienen. Nur wenige Bienen sehen normal aus. Das ist das erste, was ihm auffällt. Bei den meisten Bienen ist der Hinterleib zu kurz, ihre Flügel sind fehlgebildet. Das bedeutet, diese Bienen waren zu schwach, um ihre Arbeit im Bienenstock auszuführen, sie konnten nicht fliegen und keinen Nektar einsammeln. „Sie waren nutzlos für ihr Volk“, sagt Dr. Bosco. Er sucht weiter. Und tatsächlich: In den Waben findet er den nächsten wichtigen Hinweis. Das sind winzig kleine weiße Kügelchen, mit dem bloßen Auge gerade noch so erkennbar: "Das ist Varoa-Kot. Das sind die Hinterlassenschaften der Varoa-Milbe“, erklärt Dr. Bosco.

Bienengefahr Nr. 1: die Varoa-Milbe

Die Varao-Milbe wurde in den 1970er Jahren aus Asien eingeschleppt und breitet sich seitdem stark aus. In den letzten Jahren ist die Belastung der Bienenvölker durch Varoa-Milben in Deutschland zunehmend stärker geworden. Und das ist ein Problem. Denn der Parasit saugt die Körperflüssigkeit der Bienenlarven und erwachsenen Bienen und schwächt sie dadurch. Zudem überträgt die Milbe häufig Viruserkrankungen, die unter anderem zu missgebildeten Flügeln der Bienen führen.

Dr. Bosco kann feststellen, dass alle 15 Bienenvölker den Winter nicht überlebt haben, da sie durch Varoa-Milben massiv geschwächt wurden. Wie sich weiter herausstellt, sind in der gesamten Region sehr viele Bienenvölker über den Winter gestorben. Es ist nun besondere Vorsicht angebracht. Der Amtstierarzt empfiehlt nicht nur die übliche Behandlung mit Ameisen – und Oxalsäure, sondern auch neue Methoden. Dabei werden - beispielsweise bei bereits bestehendem Milbenbefall - die Waben mit den Bienenlarven entnommen. Das gibt den Bienen die Möglichkeit, wieder neue, gesunde Bienenbrut heranzuziehen. Seine Untersuchung und die Tipps haben dem betroffenen Imker wieder Mut gemacht. Er will nun doch weiter imkern.

Bienengefahr Nr. 2: Die "Amerikanische Faulbrut"

Der nächste Termin ist ein Bienenseuchen-Sperrgebiet - von Dr. Bosco selbst angeordnet. Der Grund: Hier grassierte im vergangenen Jahr die "amerikanische Faulbrut“, eine anzeigenpflichtige bakterielle Erkrankung. Der Amtstierarzt muss bei allen Imkern Proben nehmen, um die Sperre aufheben zu können. Dazu entnimmt er in der Nähe der Brutwaben, in denen die Bienenlarven heranwachsen,  Honig. Diese sogenannte „Futterkranzprobe“ wird dann im Labor auf das Faulbrut-Bakterium untersucht. Solange die Untersuchung nicht abgeschlossen ist, dürfen die Völker das Sperrgebiet nicht verlassen.  

Denn die "Amerikanische Faulbrut“ ist hochansteckend. Das Bakterium befällt den Bienennachwuchs, bis von ihm nur noch fauliger Schleim übrigbleibt. Als die Erkrankung 2017 in Ehringshausen bei Wetzlar ausbrach, wurde die infizierte Bienenbrut mitsamt den Waben vernichtet. Die einzige Möglichkeit, um die weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Zum Glück konnten die erwachsenen Bienen gerettet werden, sie wurden lediglich einige Zeit umgesiedelt. 

Bienengefahr Nr. 3: Schlechtinformierte Imkerneulinge

Es gibt einen richtigen "Bienenhype“, erzählt uns Dr. Bosco. Im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Imker in Deutschland um rund 10 000 Imker zu.  Das ist einerseits schön, andererseits birgt es auch Gefahren für die Bienen: „Wenn eine Person anfängt zu imkern, sich nicht im ausreichenden Maße damit auseinandersetzt, dann wird ein Bienenvolk ohne Behandlung spätestens nach ein, zwei Jahren an der Varo-Milbe eingehen.“ Und das betrifft dann nicht nur diese Bienen. Denn je höher der Befall des Bienenvolkes ist, umso schneller breitet sich die Milbe auch bei vormals kerngesunden Völkern aus.

Er empfiehlt Neulingen deshalb, einem Imkerverband beizutreten und sich auch beim Bienenkauf beraten zu lassen. Oft trifft er auf Neulinge, die sich ohne Vorwissen ein Bienenvolk kaufen – manchmal sogar ohne das vorgeschriebene Gesundheitszeugnis: "Am besten die Bienen lokal beim Züchter kaufen, wenn man weiß, wo sie herkommen. Nicht irgendwo kaufen, wo die Herkunft ungewiss ist, vielleicht sogar noch aus dem Internet irgendwelche Paketbienen, die aus Regionen kommen, wo es Krankheiten gibt, die wir hier nicht haben wollen.“

Bienengefahr Nr. 4: Der "Kleine Beutenkäfer"

Denn im schlimmsten Fall kann über Importbienen ein weiterer gefährlicher Parasit nach Deutschland gelangen. Der ursprünglich aus Afrika stammende „"Kleine Beutenkäfer“ hat es schon bis nach Calabrien in Italien geschafft. Ein Weibchen des Beutenkäfers kann bis zu 2000 Eier legen. Käfer und Larven fressen die Brut, den Pollen, den Honig und verschmutzen den Honig zudem durch ihre Ausscheidungen. Selbst vormals völlig gesunde Völker können so binnen weniger Wochen zerstört werden.

Große Verantwortung für die Hobbyimker

In Deutschland gibt es nur wenige Berufsimker, die meisten Bienenvölker werden von Hobbyimkern gehalten. Diese investieren viel Zeit und Liebe in ihr Hobby und leisten einen sehr wichtigen Beitrag dafür, dass unsere Kulturpflanzen bestäubt werden können.

Imkerverbände und Bieneninstitute, wie das hessische Bieneninstitut in Kirchhain bei Marburg, bieten Seminare und Vorträge zur Weiterbildung an und stehen auch mit Rat und Tat zur Seite. Für Neu-Imker oder Imker, die mit Problemen zu kämpfen haben, sind das die richtigen Ansprechpartner.

Weitere Informationen

Weiterführende Links

www.illh.hessen.de
www.hessische-imker.de
www.fli.de

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Sendung: hr-fernsehen, "Alles Wissen", 17.05.2018, 20:15 Uhr