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zum Video Bio-Mineralwasser – mehr als nur ein Werbegag?

Leitungswasser in Deutschland ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel überhaupt. Viele Menschen vertrauen beim Wasser was sie trinken aber lieber auf Mineralwasser. Das gibt es auch in Bio-Qualität. Völliger Quatsch? Nun, vielleicht auch nicht.

Besonders sauberes Mineralwasser

Es sieht aus wie normales Mineralwasser, kostet aber rund doppelt so viel. Denn es handelt sich um "Bio-Mineralwasser". Aber: Kann Wasser denn überhaupt "bio" sein? Oder handelt es sich nur um einen Werbegag? Wir fragen den Erfinder des Bio-Siegels für Mineralwasser. Für ihn steht Bio für eine besondere Qualität: Dr. Franz Ernsperger, Erfinder des Bio-Mineralwassers sagt: "Das Bio-Mineralwasser-Konzept ist ein neues Reinheitsgebot für Wasser. Es muss ein ganz besonderes, sauberes, natürlich reines Wasser sein."

Rechststreit ums Bio-Wasser

Ist Bio-Mineralwasser deshalb besser als herkömmliches Mineralwasser? Die Konkurrenz bezweifelte das, die Wettbewerbszentrale klagte. Es kam zum Rechtsstreit. Der Vorwurf: Werbung mit Selbstverständlichkeiten, schließlich sei jedes natürliche Mineralwasser rein. Fragt sich: was ist denn nun eigentlich der Unterschied zwischen Bio und normalem Mineralwasser?

Unterschiedliche Grenzwerte für Schadstoffe

Beide müssen in Deutschland aus dem Grundwasser stammen, laut Mineral- und Tafelwasserverordnung von "ursprünglicher Reinheit" sein und vor Verunreinigungen geschützt. Abgefüllt wird am Quellort, dabei wird regelmäßig geprüft ob Krankheitserreger enthalten sind. Allerdings gibt es bei herkömmlichem Mineralwasser für einige Verunreinigungen wie etwa Pflanzenschutzmittel, keine Grenzwerte.

Anders bei Bio-Mineralwasser: Die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser hat für verschiedene Mensch-gemachte Verunreinigungen eigene, strenge Grenzwerte festgelegt. Beispiel Nitrat: Der Grenzwert für Bio-Mineralwasser liegt bei fünf Milligramm pro Liter. Für normales Mineralwasser sind 50 Milligramm zulässig, auch für Trinkwasser aus der Leitung. Beispiel Arzneimittel, Tenside und Künstliche Süßstoffe: strenge Grenzwerte für Bio-Mineralwasser, keine für Normales und Leitungswasser.

Zahlreiche Aufbereitungsmethoden bei Mineralwasser

Das Bio-Mineralwasser unterscheidet sich vom herkömmlichen zudem in diesem Punkt: der Aufbereitung. Für normales Mineralwasser sind zahlreiche Aufbereitungsmethoden gesetzlich zulässig. So dürfen dem Wasser unerwünschte Stoffe wie Eisen, Schwefel oder Arsen  entzogen werden. Dabei kommen unter anderem Ozon oder Aluminiumdioxid zum Einsatz. Experten halten diese Methoden zwar für unbedenklich, dennoch lehnen die Bio-Abfüller solche Behandlungen ab. Ihr Wasser darf vor dem Abfüllen lediglich über ein Kiesbett laufen.

Grenzwerte für Leitungswasser bieten Sicherheit

Aber sind die willkürlich festgelegten Grenzwerte auch sinnvoll? Der Geologe und Grundwasser-Experte Dr. Georg Houben beschäftigt sich seit langem mit der Wasserqualität. Was hält er von den strengeren Vorgaben? Dr. Georg Houben, Geochemiker von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sagt: "Das ist die Frage, ob man päpstlicher sein soll als der Papst. Natürlich ist es immer gut sehr streng zu sein. Aber die Grenzwerte die wir haben für Trinkwasser und auf Mineral- und Tafelwasser haben sich natürlich sehr gut bewährt, die beruhen auf langjährigen Untersuchungen auch medizinischer Art also im Prinzip sind wir mit dem Trinkwasser sowie es jetzt ist sehr gut aufgestellt."

Nitrat im Wasserkreislauf

Noch. Denn Forscher sehen unsere Wasserqualität bedroht, vor allem durch Schadstoffe aus der intensiven Landwirtschaft. Nitrate aus der Massentierhaltung und Tierarzneimittel erreichen über die Felder den Wasserkreislauf. Normalerweise ist das Grundwasser durch Gestein geschützt, je tiefer es liegt und je undurchdringlicher das Gestein, desto besser. Verunreinigungen brauchen lange Zeit, um dort unten anzukommen.

Grundwasser muss besser geschützt werden

Mineralwasser kommt in der Regel aus solch tiefen geschützten Schichten. In höheren Schichten wo Leitungswasser gewonnen wird, werden die Probleme schon heute sichtbar. Geologe Dr. Georg Houben schätzt die Situation ein: "Es wird in Zukunft immer mehr dazu kommen müssen, dass die Wasser-Gewinner ihre Schutzgebiete nachhaltiger bewirtschaften müssen das sind zum Beispiel in ihren Einzugsgebieten umstellen müssen auf ökologischen Landbau. Das machen auch einige tatsächlich schon aus Eigeninteresse, weil sie merken wohin die Reise geht und merken: Ohne eine Umstellung der Landwirtschaft in meinem Einzugsgebiet sind die guten Qualitätsziele - wir sie jetzt haben - in Zukunft nicht mehr zu halten."

Hersteller fördern Öko-Landbau

Das haben auch die Bio-Wasserhersteller erkannt. Für sie ist aktiver Wasserschutz Plicht. Das Gründer-Unternehmen Neumarkter Lammsbräu in der Oberpfalz macht es vor. Firmenchef Dr. Franz Ernsperger: "Wir haben heute 164 Landwirte mit über 4000 Hektar Anbaufläche, die alle Bio-Anbau betreiben und zertifiziert sind und das 4000 Hektar Wasserschutzgebiet vom allerfeinsten und auch Klimaschutz und Bio-Diversität. Also wir haben hier ein ganz großen Fortschritt schon erreicht." Doch ist es ökologisch sinnvoll, Wasser in Flaschen durch halb Deutschland zu transportieren? Bis heute machen nur eine Handvoll Hersteller mit beim Bio-Siegel, keiner davon aus Hessen. Wie ernst nehmen die Vorreiter es mit der Öko-Bilanz? Dr. Franz Ernsperger ist sich der Problematik bewusst: "Große Transporte sind hier natürlich hinderlich und wir möchten, dass es in ganz Deutschland in allen Regionen Bio-Mineralwasserhersteller gibt weil die dann in ihren Regionen dafür sorgen dass das Wasser sauber bleibt." – und die Umwelt auch über kurze Lieferwege schonen.

Wasser darf sich "bio" nennen

Und der Gerichts-Prozess? Die strengen Qualitätsauflagen und der nachhaltige Wasserschutz überzeugten die Richter am Bundesgerichtshof. Sie urteilten 2012: Die Bezeichnung "Bio" ist nicht irreführend, solange besondere Standards eingehalten werden. Nur der Entwurf des Bio-Labels musste geändert werden, es sah dem EU-Bio-Siegel zu ähnlich. Für Bio-Pionier Ernsperger ein Erfolg.

Nachhaltigkeit zum hohen Preis

Aber die Nachhaltigkeit hat ihren Preis. Mineralwasser ist ohnehin nicht gerade billig. Wer Bio kauft, muss noch tiefer in die Tasche greifen – und zahlt etwa einen Euro pro Liter. Ist das auch durch einen besonders guten Geschmack gerechtfertigt? Die Testpersonen bei unserer Verkostung fanden den Geschmack überwiegend gut. Der Kunde hat die Wahl, ob ihm Qualität und Umweltschutz den hohen Preis wert sind. Allerdings könnte auch dies eine Alternative sein: Leitungswasser. Es ist unschlagbar günstig, und trotzdem gut kontrolliert.

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 13.06.2019, 20:15 Uhr