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zum Video Die Weltreise der exotischen Früchte

Obst

Sie liegen ganz selbstverständlich im Supermarktregal zwischen heimischen Kirschen und Erdbeeren: Exotische Früchte vom anderen Ende der Welt wie Mango, Melone und Ananas. Wie aber kommen sie zu uns?

Dazu besuchen wir das Frischezentrum in Frankfurt. Wenn andere sich verschlafen noch einmal im Bett umdrehen, herrscht hier Hochbetrieb. Verderbliches Obst gibt es hier in Hülle und Fülle -  Ware, die schnell zum Kunden muss. Soweit ähnelt das Geschehen dem auf einem normalen Wochenmarkt, nur ist hier alles eine Nummer größer: Palettenweise kaufen Kunden das Gewünschte per Handschlag bei einem der 60 Händler.

Ware muss schnell zum Kunden

Einer von ihnen ist Stefan Lindner. Als Großhändler versorgt er vor allem Wochenmakt-Händler, Feinkostläden  und Restaurants mit exotischen Früchten aus aller Welt. Die Herausforderung sieht Lindner so: „Wir haben eigentlich immer Zeitdruck. Die Ware darf nicht lange stehen, sie muss verkauft werden. Bei einem schönen Produkt fällt es vielleicht einfacher die Kunden anzusprechen. Das ist auch das Beste bei einem solchen Produkt wie dieser Ananas, die darf nicht lange gelagert werden.“ Viele der Früchte haben, wenn sie auf dem Großmarkt ankommen, schon eine lange Reise hinter sich.

Ananas reift nicht nach

Beispiel Ananas: Sie werden in riesigen Plantagen angebaut und per Hand geerntet.

Entscheidend für die Qualität ist der richtige Erntezeitpunkt, denn die Ananas reift nicht nach.  Den Ursprung der Ananas vermutet man in Brasilien. Ureinwohner nahmen sie mit in den Norden, bis nach Mexiko. Angebaut wird sie heute entlang des Äquators. Wichtige Ausfuhr-Länder sind die Elfenbeinküste und die Philippinen. Fast jede zweite Frucht weltweit aber stammt aus Costa Rica. Die Anbaufläche dort ist so groß wie 50.000 Fußballfelder.

Wettlauf gegen die Zeit ab der Ernte

Sofort nach der Ernte beginnt der Wettlauf mit der Zeit: Sortiert und gekühlt geht es per LKW an die Küste und dort möglichst schnell auf das Containerschiff. Große Temperaturschwankungen nimmt die Ananas übel. Deshalb wird der Stoffwechsel der Frucht bei 7 Grad Celsius in Tiefschlaf versetzt. Luftfeuchtigkeit und Temperatur bleiben während der Reise konstant. Von Puerto Limón an der Karibik-Küste Costa Ricas geht es im Übersee-Container quer über den Atlantik.

In 12 Tagen über den Atlantik

Die Reise nach Europa dauert bei günstigem Wetter 12 Tage. Und woran lässt sich dann eine gute Ananas erkennen? „Farbe ist sicherlich ein wichtiges Kriterium die Frage ist woran erkennt man auch die Reife. Man sagt wenn das Mittler wenn das mittlere Blatt, das leicht herausziehen kann, dass sie dann schon reif ist“, sagt Stefan Lindner. Der Blatt-Test gilt aber nur eingeschränkt, meint Lindner. Auch Früchte mit festen Kronenblättern  können schon reif sein. Zu Hause sollten Sie die Ananas immer möglichst schnell verzehren. Durch Lagerung leidet ihre Qualität.

Früchte vom heiligen Mango-Baum

Ebenfalls vom anderen Ende der Welt kommt die Mango. Auch sie hat eine lange Reise hinter sich. Der immergrüne Mango-Baum soll bis zu 300 Jahre lang Früchte tragen. Den Indern gilt er als heilig. Je nach Sorte und Reifegrad ist das Fruchtfleisch der Mango weich oder faserig und orange bis gelb. Sie liefert viele Vitamine. Die Mango stammt vermutlich aus den Urwäldern Borneos und gelangte von dort nach Indien. Sie wird heute rund um den Äquator angebaut, unter anderem in Kenia - auf den Philippinen - und in Peru. Der weltgrößte Mango-Produzent aber ist Indien. Den Großteil der Früchte essen die Inder selbst. „Nur“ 0,2 Prozent der Ernte gehen ins Ausland.

Im Supermarkt: Schiffsmangos und der Weg der Flugmangos

Typische Supermarkt-Mangos gelangen meist per Schiff nach Deutschland. Sie werden unreif geerntet, sind weniger farb- und nicht so geschmacksintensiv. Unser Tipp: Die Supermarktmango reift noch nach, wenn sie zu Hause neben Äpfeln liegt. Etwas für Genießer sind dagegen Flugmangos. Dafür sind sie auch etwa fünfmal so teuer. „Die Frucht bleibt bis zur Ernte, bis zur Reifung wirklich am Baum und kann die vollen Geschmacksstoffe und Inhaltsstoffe entwickeln und auch meistens von der Farbe schön ausprägen.“, sagt Lindner.

Mangos zum Löffeln

Von Neu-Delhi gelangen die reif geernteten Früchte per Flugzeug in rund 8 Stunden nach Frankfurt. Die einzeln verpackten Früchte sind dann spätestens 3 Tage nach der Ernte auf dem Großmarkt. – und das schmeckt man auch: „Wenn man die jetzt aufschneidet sieht man schon gleich die hat eine ganz andere Färbung das richtig der Saft das ist eine Frucht das ist die höchste Qualitätsstufe das wirklich alles schön ausgereift die Mango, noch mit einem Löffel essen während bei den anderen muss man schon mit Messer und Gabel ran.“, meint der Großhändler mit Augenzwinkern.

Auch andere schnell verderbliche Sorten wie Drachenfrucht oder Papaya kommen per Flieger. Flugware macht aber nur einen sehr kleinen Teil der Fruchtimporte aus. Denn der Transport ist teuer und die Umweltbilanz eher schlecht.

Melonen-Ernte wechselt nach Jahreszeit

Melonen haben zwar meist eine kürzere Reise, aber auch bei ihnen kommt es auf das richtige Timing an. Sie kommen je nach Jahreszeit aus unterschiedlichen Ländern – je nachdem, wo sie gerade reif sind. Im Sommer ist Erntezeit am Mittelmeer.

Tropengewächs Melone

Die Melone stammt aus dem tropischen Afrika. Schon die Ägypter bauten die einjährigen Pflanzen an. Da sie es trocken und heiß liebt, hat sie heute die Tropen und Subtropen erobert. Unsere Melonen kommen im Sommer aus der Türkei und Marokko, vor allem aber aus Spanien. Melonen wachsen schnell und bilden lange Ranken und tiefe Wurzeln. Auch bei ihnen ist der Erntezeitpunkt entscheidend. Melonen reifen zwar nach, werden dann aber nicht mehr süßer und leckerer, im Gegenteil: Sie verlieren an Qualität.

Melonen-Trends: klein und kernarm

Die spanischen Melonen werden von Murcia per LKW in das etwa 2.000 Kilometer entfernte Frankfurt gebracht. Reisedauer: circa 2 Tage. Besonders beliebt sind vor allem die kleineren und kernarmen Sorten. Melonen haben viel Wasser und wenig Kalorien. Aber: Was macht eigentlich eine gute Melone aus? „Eine Melone darf wenn sie ankommen nicht zu reif sein. Wenn eine Gallia-Melone ankommt und schon braune Flecken hat, Zuckerflecken, dann muss sie schnell verzehrt werden. Ansonsten ist der Geruch ein sehr guter Indikator gerade bei der Gallia-Melonen. Oder Wassermelonen, da gibt es den berühmten Klopftest:  Wenn ein schöner dumpfer Sound aus der Melone kommt, dann ist das Fruchtfleisch schön reif. Wenn  es nämlich schon ein bisschen zu überreif ist, dann überträgt sich der Ton nicht mehr so gut.“ sagt Großhändler Lindner.

Wetterprognose entscheidet über Melonen-Lust

Gerade bei der Melonen-Bestellung ist die Wetterprognose wichtig. Sommerlich warm bedeutet Melonenwetter, die Nachfrage steigt rasant. Ein unvorhergesehener Temperatursturz, und keiner mehr will sie. Für die Händler zwar eine Herausforderung, aber eine, für die es sich lohnt, meint Lindner: „Jeder Tag ist anders, weil verderbliche Ware geht immer gegen die Zeit, da muss man schnell reagieren, manchmal sogar innerhalb von Stunden, damit man seine Ware noch los bekommt, das macht es also sehr abwechslungsreich sehr spannend man muss wirklich immer am Ball bleiben.“ Um 8 Uhr früh ist der größte Ansturm auf dem Großmarkt vorbei. Von hier kommen die exotischen Früchte nun frisch auf den Tisch.

Beitrag: Nina Chmielewski - Stand: 15.06.2018

Weitere Informationen

Links

Frischezentrum, u.a. mit Händlerliste:
https://frische-zentrum-frankfurt.de/

Tipps zum Lagern von Obst und Gemüse:
https://www.reichenauer-gemuesekiste.de/wp/wp-content/uploads/2013/04/Lagerungstipps.pdf

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, "Alles Wissen", 21.06.2018, 20:15 Uhr