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zum Video Die Macht der sanften Berührung

Unser größtes Sinnesorgan ist die Haut. Beim Erwachsenen macht sie gut zwei Quadartameter aus. Der Tastsinn ist der elementarste unter den Sinnen.

Menschen können ohne Sehsinn geboren werden oder gehörlos. Ohne den Tastsinn kann der Mensch allerdings nicht überleben - ohne Berührung von anderen Menschen auch nicht.

Berührung ist ein Grundbedürfnis

Schon ein schlichter Händedruck sagt so viel über uns aus. Er kann freundlich sein, herrisch, tröstend oder warmherzig. Eine Berührung, die tatsächlich einen "Eindruck" hinterlässt. Der Mediziner und Pharmakologe Prof. Bruno Müller Oerlinghausen sagt: "Der Körperkontakt, die Eindrücke auf unserer intelligenten Haut, sind ein Grundbedürfnis von Tier und Mensch. Sie sind ganz wichtig für unsere vorgeburtliche Entwicklung und überhaupt für unser Wohlbefinden, für unser "Ich" Bewußtsein, von unserem Köperbild, was wir von uns haben, ohne Berührung werden wir krank an Leib uns Seele". Unser Körper reagiert auf jede Form der Berührung ganz unmittelbar. Ist diese sanft und liebevoll kommen wir zur Ruhe, Ängste nehmen ab, sogar das Immunsystem wird gestärkt. Aber warum hat die Berührung so eine große Bedeutung für den Menschen?

Die Haut - unser größtes Sinnesorgan

Jede Berührung betrifft die Haut. Sie ist unser ältestes, größtes Sinnesorgan und gleichzeitig auch soziales Kommunikationsorgan. Prof. Bruno Müller Oerlinghausen beschreibt das anschaulich: "Wir können den Tastsinn nicht abstellen, unsere Augen können wir zuhalten, dann sehen nichts mehr, unsere Ohren zuhalten dann hören wir nichts. Mit dem Tastsinn geht das nicht, wir haben ihn immer."“

In unserer Haut befinden sich 7 bis 800 Millionen Rezeptoren und bis zu einer Milliarde freie Nervenendigungen. Die Merkel-Zellen registrieren vor allem Druck. Die Meissner-Körperchen hingegen sprechen auf Vibrationen an. Freie Nervenendigungen sind hauptsächlich für das Temperatur- und Schmerzempfinden verantwortlich.

Berühr mich - beruhige mich

Berührung kann sich auch direkt auf unser Verhalten auswirken. Ein Streit läßt sich zum Beispiel eher schlichten, wenn das Gegenüber sanft berührt wird. Prof. Müller Oerlinghausen weiß, dass es dafür sogar ein eigenes Nervenfasernetz im Körper gibt: "Dieses spezielle Nervenfasernetz liegt an der behaarten Haut und hat nur einen einzigen Zweck, nämlich Wohlgefühl zu vermitteln. Da wird nicht Temperatur, Druck, Schmerz, Vibration weiter geleitet, sondern einzig Wohlgefühl. Schon eine kurze Berührung kann ganz positive Gefühle auslösen."

So positiv, dass eine Kellnerin die ihren Gast leicht berührt hat, bis zu 30 Prozent mehr Trinkgeld bekommt. Das haben sogar Studien belegt. Berührung beeinflusst sogar das Schmerzempfinden. Eine Hand soll in eiskaltes Wasser getaucht werden - bis der sogenannte Kälteschmerz einsetzt. Im Schnitt schafft man das etwa 30 Sekunden lang. Wird aber die andere Hand dabei vom Partner gehalten, erheblich länger!

Ohne Berührung kein Leben

Aber was, wenn wir zu wenig Berührung bekommen? Das hat fatale Folgen, laut Prof. Müller Oerlinghausen: "Es gibt viele Studien die zeigen, dass fehlende Berührung bei Tieren und beim Menschen zu Krankheit oder sogar Tod führt." Die älteste Form der heilsamen Berührung ist sicherlich die reflexartige und instinktive Handlung, wenn man sich gestoßen hat beispielsweise diese schmerzende Körperstelle zu berühren und zu streicheln. Daraus entwickelten sich medizinsch wirksame Massagen.

Heilende Berührungen

Die Massage- und Körpertherapeutin Gabriele Mariell Kiebgis hat mit Prof. Müller-Oerlinghausen die psychoaktive "Vasana" entwickelt. Diese auch die Seele berührende Massage kann sogar Depressionen lindern. Prof. Müller-Oerlinghausen bestätigt deren Wirksamkeit: "Es gibt zu verschiedenen psychoaktiven und auch klassischenMassagen, Studien die zeigen, dass es zu einer tiefgehenden Entspannung kommt, Stressabbau, antidepressive Wirkungen, Absinken des Stresshormonspiegels im Blut, Ansteigen des Bindungshormons Oxytocin, Aktivierung dieses speziellen Nervenfasernetzes, das Wohlgefühl vermittelt." Diese Art der Massage vermittelt auch dem psychisch Gesunden Ruhe und Geborgenheit. Ziel ist, dass man sich und seinem Körper wieder vertraut. Jede Form der Berührung geht eben "unter die Haut".

Tasten mit Füßen - fast so gut wie Hände

Sogar mit den Füßen können wir erkennen und wahrnehmen. An Fußsohle und Zehen liegen sogar besonders viele Rezeptoren, ohne sie könnten wir weder stehen noch laufen. Wie gut wir mit den Füßen sogar "Sehen" können zeigte ein Experiment: beide Probenaden erkannten in kürzester Zeit verschiedene Gegenstände mit den Fußsohlen.

Fass mich an?

Jeder Mensch berührt sich im Laufe des Tages ganz unbewusst selbst. Und zwar oft: Rund 400-mal fassen wir uns allein schon ins Gesicht. "Diese Selbstberührung von Mann und Frau, die wir auch Verlegenheitsgesten nennen, haben ganz verschiedene Bedeutungen, erklärt Prof. Müller-Oerlinghausen, "das eine ist, das wir uns selbst unserer Existenz vergewissern, das andere ist auch hier Stressabbau." Sich selbst berühren reicht allerdings nicht aus, um glücklich zu sein und leider wird unsere Gesellschaft immer berührungsärmer. Wir fassen unser Smartphone oft häufiger an, als unsere Partner. Und das hat Folgen. "Etwas merkwürdig wirkt vielleicht auf manchen die Entstehung der Kuschelparties. Hier können sich wildfremde Menschen nach bestimmten Regeln berühren. Aber für viele Menschen, z.Bsp. Singels ist das ein tiefgehendes Erlebnis."

Kleiner Tipp: Paare die sich regelmäßig berühren bleiben statistisch gesehen auch länger zusammen.

Weitere Informationen

Buchtipps

Das neue Buch zum Thema "Berührung" erscheint am 21. September 2018 im Programmsegment Ullstein leben: www.ullstein-buchverlage.de/ullstein-leben.html

Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen
Gabriele Mariell Kiebgis
Berührung - Warum wir sie brauchen und wie sie uns heilt
240 Seiten
ISBN: 978-3-7934-2334-8 (Ab 21. September 2018)
Preis: 8,00 Euro

Kuschel dich glücklich! Die heilende Energie von Kuschelpartys
Gerhard Schrabal
Bestell-Nr. 1131
ISBN-13: 978-3-8434-1131-8
248 Seiten, Paperback

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Weitere Informationen

Informationen zur psychoaktiver Massage "Vasana"

Infos unter: www.vasana.de
E-Mmail: gmkiebgis@t-online.de

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Bericht: Sabine Guth

Sendung: "Alles Wissen", hr-fernsehen, 06.09.2018, 20:15 Uhr