Stechmücke

Insekten sind enorm wichtig für uns alle, keine Frage. Umso mehr, als mittlerweile ein Drittel der Insekten vom Aussterben bedroht ist. Ein Herz für Insekten ist also gefragt. Aber das ist nicht immer ganz einfach. Denn die Tiere können ja auch ganz schön nerven …

Summ, Summ,  Summ…

Jeder kennt dieses Geräusch. Es verheißt nichts Gutes. Denn wer jetzt nicht aufpasst, wird erwischt. Doch was tun gegen die sommerlichen Plagegeister? Einfach zuschlagen? Oder gar zur Giftspritze greifen? Frank Uwe Pfuhl, Insektenexperte vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) hält zumindest von Gift gar nichts: "Gift ist nicht wirklich die Option, die ich verfolge. Denn damit erwischt man sich selbst natürlich auch. Es gibt besser Methoden. Denn schon über mein Verhalten im Garten kann ich einiges lenken."

Kandidat Nr. 1: Die Fruchtfliege

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Offizieller Name: Drosophila melanogaster
Größe: 2-3 Millimeter
Lieblingsort: reifes Obst
Besonderheit: Sie vermehrt sich rasend schnell
Nerv-Faktor (1-10): 7

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Vor allem reifes Obst lockt die Fruchtfliegen in Scharen an. Gartenbesitzer, sagt Frank Uwe Pfuhl, sollten deshalb bedenken: "Wenn ich Obstbäume und Obststräucher im Garten habe, dann ist es natürlich sinnvoll, das Obst auch entsprechend aufzusammeln. Sodass erst gar nicht altes, faulendes Obst am Boden liegt und dann eine Massenvermehrung von Statten geht."

In die Falle locken

Doch was tun, wenn sie schon in Massen da sind? Dann hilft oft eine Falle, die man in einer Schale zubereitet: Sie besteht aus Essig, gemischt mit Fruchtsaft und einem Schuss Spülmittel. Das Mittel nimmt der Flüssigkeit die Oberflächenspannung – und lässt die Fliegen ertrinken. Nur: Müssen sie denn gleich sterben? Nein. Es gibt auch Alternativen: Eine andere Falle besteht aus einem mit reifem Obst gefüllten Marmeladenglas, in dessen Deckel Löcher gestochen werden. Die Fruchtfliegen kommen dadurch zwar ins Glas, aber nicht mehr raus. So können sie lebend abtransportiert und andernorts freigelassen werden.

Kandidat Nr. 2: Stechmücken

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Offizieller Name: Culicidae
Größe: bis zu 15 mm
Lieblingsort: Pflanzen und Menschen
Besonderheit: Nur die Weibchen stechen
Nerv-Faktor: 8

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Was allen Stechmücken gemein ist: Die Weibchen brauchen Blut. Denn die darin enthaltenen Proteine sind für die Produktion der Eier essentiell. Ohne Blut würden Stechmücken aussterben. Die Mückenlarven wachsen übrigens im Wasser  heran.

Deshalb sollte man ihnen im Garten keine Brutstätte bieten, sagt Frank Uwe Pfuhl: "Also, Regentonnen richtig abdecken oder regelmäßig ausleeren. Vogeltränken regelmäßig ausleeren und auch keine anderen Gefäße im Garten stehenlassen, in denen sich Regenwasser sammeln kann. Und dann haben wir schon mal deutlich weniger Probleme mit Stechmücken."

Schweißgeruch übertünchen

Dennoch wird man sie nie ganz los. Was also tun? Klassische Mückenschutzmittel helfen oft. Können aber zu Hautreizungen führen. Alternativ empfehlen sich ätherische Öle. Sie überdecken nämlich den Schweißgeruch unserer Haut. Frank Uwe Pfuhl: "Schon kleinste Moleküle können Stechmücken über ganz lange Strecken riechen. Und die finden dann sehr zielgenau auch im Dunkeln zu uns. Und wenn wir diesen Geruch überdecken mit anderen Duftstoffen - das ist ja die Wirkungsweise der Gegenmittel - dann werden wir nicht so schnell gefunden."

Kandidat Nr. 3: Bremsen

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Offizieller Name: Tabanidae
Größe: bis zu 25 Millimeter
Lieblingsort: Wasser und Hautschweiß.
Besonderheit: Sie beißen statt zu stechen.
Ihr Nerv-Faktor: 9

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Frank Uwe Pfuhl weiß: "Die sind richtig anstrengend, weil die einen auch dauernd verfolgen. Die nehmen einen ins Visier – und auch wenn man sie kurz mal verjagt, bleiben die trotzdem dran und verfolgen einen solange, bis sie einen Punkt gefunden haben, wo sie unentdeckt bleiben. Und dann geht's zur Sache." In der Tat: Denn Bremsen reißen mit ihren Mundwerkzeugen eine offene Wunde in die Haut. Um sich dann mit ihrem Saugrüssel von Blut, Lymph- und Zellflüssigkeit zu ernähren. 

Zebramuster macht Bremsen blind

Wirksamen Schutz verspricht Kleidung, möglichst in hellen Farben. "Aber der richtige Bringer", sagt Insektenexperte Pfuhl, "wären natürlich Zebrastreifen für die Kleidung. Die Zebras haben die Streifen nämlich in Anpassung auf den Insektendruck – und für die Bremsen sind Zebras quasi unsichtbar."

Diesen Effekt macht sich mancher Pferdebesitzer zunutze, dessen Tiere besonders unter der Beißwut von Bremsen zu leiden haben. Sie malen den Pferden ein Zebramuster auf den Körper. Und tatsächlich nimmt die Häufigkeit der Attacken rapide ab. Und das, haben Forscher herausgefunden, wirkt auch beim Menschen.

Kandidat Nr. 4: Wespen

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Offizieller Name: Vespinae
Größe: bis zu 20 Millimeter
Lieblingsort: Dach- und Wandvorsprünge
Besonderheit: Wespen stehen auf Süßes und Fleisch
Ihr Nerv-Faktor: 10

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Besonders die "Deutsche Wespe" und die "Gemeine Wespe" nerven. Sie sind die einzigen von mehreren Hundert heimischen Wespenarten, die zudringlich werden und sich über unsern Kuchen hermachen. Für die meisten sind Wespen deshalb absolut überflüssig. Aber das stimmt  nicht, sagt Frank Uwe Pfuhl:

"Die Wespen haben eine ganz wichtige Rolle im ökologischen System im Insektenreich. Das ist Quasi die Polizei. Das sind die Haie der Lüfte, könnte man fast sagen. So wie unsere Weltmeere die Haie brauchen, damit sie nicht umkippen, damit keine Fischart überhandnimmt, so braucht unsere Insektenwelt unbedingt die Wespen." Außerdem fressen Wespen nicht nur Süßes, sondern auch Stechmücken.

Kaffeerauch und süße Trauben

Statt Wespen zu töten, sollte man sie deshalb eher vertreiben. Etwa mit dem Rauch von angezündetem Kaffeepulver. Allerdings nervt das dann auch den Menschen. Frank Uwe Pfuhl empfiehlt deshalb die sogenannte Ablenkungsfütterung mit hellen, reifen Weintrauben. "Die sind schön saftig und weich und haben sehr viel Zucker. Die kann man zwei, drei  Meter vom Esstisch entfernt auf der Terrasse aufstellen. Dann werden die Wespen wahrscheinlich dort hin fliegen und weniger auf unserem Zwetschenkuchen oder auf dem Marmeladenbrötchen landen."

Viel Naturgarten, wenig Quälgeister

Ob Wespen, Bremsen, Mücken oder Fruchtfliegen – Wer seinen Garten naturnah mit Bäumen, Hecken und Sträuchern anlegt, der lockt dadurch auch Insekten fressende Vögel und Käfer an, weiß NABU-Mann Pfuhl: "Je naturnäher der Garten ist, umso mehr Insekten werden tatsächlich vorhanden sein. Aber ich werde sie nicht bemerken. Weil die nervigen Insekten einer erheblichen Schar von Fressfeinden ausgesetzt ist – und dadurch nicht ins Gewicht fallen."

Und dann lässt sich der heimische Garten ganz ohne ständigen Insektenalarm genießen ...


Autor: Stefan Venator
Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 11.07.2019, 20:15 Uhr