feste Seife
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Flüssigseifen sind derzeit im Trend: Sie gelten als besonders hygienisch und sind leicht zu handhaben. Feste Seifen dagegen haben eher ein schlechtes Image, sie scheinen ihre besten Zeiten längst hinter sich zu haben – zu Recht? "alles wissen" lässt beide gegeneinander antreten in den Kategorien Hygiene, Sauberkeit, Inhaltsstoffe und Umweltverträglichkeit.

Sie erfreut sich großer Beliebtheit - flüssige Seife liegt voll im Trend Seifenstücke dagegen scheinen ihre besten Zeiten längst hinter sich zu haben. Dabei hat feste Seife echte Vorteile. Aber welche?

Beim Händewaschen kommt es auf die Mechanik an

Schauen wir zunächst auf die Sauberkeit. Ist flüssig vielleicht so beliebt, weil sie besser wäscht? Dazu klären wir zunächst, warum der Dreck mit Seife besser abgeht als ohne. Der Grund dafür sind Tenside - Substanzen, die die Oberflächenspannung von Wasser herabsetzen. Das führt dazu, dass sich Schmutzpartikel von der Haut lösen. Kann Flüssigseife das besser als feste? Wir fragen einen Krankenhaushygieniker: "Das ist genau dieselbe Frage, ob warmes Wasser besser als kaltes Wasser iat. Die Reinigungswirkung ist vor allem abhängig von der Mechanik wie ich mir die Hände wasche.“ Damit meint Prof. Frank Kipp, Hygieniker, Mikrobiologe und Gesundheitswissenschaftler am Universitätsklinikum Jena sorgfältiges Reiben. Als Faustregel gilt: dreißig Sekunden, erst dann sind die Hände sauber, egal ob mit fester oder flüssiger Seife. Trotzdem: Feste Seife hat ein Schmuddelimage. Wer kennt sie nicht, die schmierigen Rückstände? In öffentlichen Einrichtungen wird deshalb nur noch Flüssigseife verwendet.

Seife tötet keine Bakterien oder Viren

Womit wir bei der Hygiene sind. Können wir uns über Seife mit Krankheitserregern infizieren? Denn Seifen lösen Bakterien oder Viren zwar ab, töten sie aber nicht. Von unseren Händen können Keime übertragen werden und sich hier vermehren, bestätigt unser Krankenhaushygieniker: "Es gibt halt Keime, die lieben eher ein feuchtes Milieu also kann man davon ausgehen, dass Keime sich einige Tage oder Wochen darauf halten, man darf aber nicht vergessen - ich benutze die Seife ja auch, also ich wasche immer wieder etwas von der Seife ab. Für Viren gilt dasselbe."

Auch wenn sich Keime auf Seifenstücken vermehren, Gefahr, dadurch krank zu werden, besteht keine. Wer dennoch Sorge hat: An Seifenhaltern kann Seife gut trocknen – Keime haben dann keine Chance. Doch wie ist es bei Flüssigseifen? Weil sie viel Wasser enthalten, können sich in ihnen Keime gut vermehren. Deshalb werden Flüssigseifen Konservierungsstoffe beigemischt. Sie halten die Keime in Schach. Um zu verhindern, dass sich Bakterien im Spender vermehren, sollte er vor dem Nachfüllen von Zeit zu Zeit gründlich reinigt werden. Bisher stehen flüssige und feste Seifen gleich gut da. Aber jetzt geht’s an die Inhaltsstoffe.

Jede Menge Chemie in Flüssigseife

In Industrie-Seifenstücken stecken unproblematische Stoffe wie Rinderfett, Natronlauge, Pflanzenöl und Wasser. Hinzu kommen allerdings Farb- und Duftstoffe, die schon mehr Probleme machen können. Und Glycerin, das die Haut pflegt. Farb- und Duftstoffe werden seit den 50er Jahren meist synthetisch hergestellt. Grundstoff dafür ist Erdöl. Flüssigseife besteht zu 85 Prozent aus Wasser und viel Chemie: Synthetisch hergestellte Tenside, Konservierungs- und Verdickungsmittel, Regulatoren um den gewünschten pH-Wert herzustellen sowie Emulgatoren, um die verschiedenen Bestandteile zu verbinden. Manchen Flüssigseifen wird außerdem Mikroplastik zugesetzt. Es sorgt dafür, dass die Flüssigkeit weiß und schön cremig ist, die Seife einen Peeling – Effekt hat, oder schön glitzert.

Wegen seiner Umweltbelastung steht Mikroplastik aber in der Kritik. Auch Farb- und Duftstoffe kommen in Flüssigseife zum Einsatz - etwa fünfhundert verschiedene setzt die Kosmetikindustrie ein. 26 Duftstoffe sind bei Hautärzten dafür bekannt, dass sie Hautreizungen und Ekzeme verursachen können, darunter auch einige aus Naturölen. Zu Michael Ockenfels vom Klinikum Hanau kommen immer wieder Patienten, die allergisch auf Seifen reagieren. Ursache können nicht nur Duftstoffe und Farbstoffe sein, sondern auch Konservierungsstoffe. Für Konservierungsstoffe gibt es in Kosmetikprodukten inzwischen Grenzwerte. Wie groß ist das Risiko einer Allergie durch Seife, wollen wir von dem Dermatologen und Allergologen wissen: "Generell gibt es gegen Seifen nur wenig Kontaktallergien, weil natürlich das Allergen gar keine Zeit hat lange auf der Haut zu wirken, es wird ja gleich abgewaschen. Aus allergologischer Sicht ist sicher eine feste Seife sinnvoller, weil natürlich auch weniger Stoffe in der kurzen Zeit raus gelöst werden, während es sich bei der flüssigen Seife ja doch um ein Produkt handelt, wo alles Mögliche beigemischt werden kann.“ Das spricht für feste Seife. Kann Flüssigseife dann vielleicht bei der Umwelt punkten?

Flüssigseife belastet Umwelt mehr als feste

Fangen wir bei den Fetten an: Etwa die Hälfte der Seifenfette stammt von Pflanzen – meist Palmöl, Palmkernöl oder das Öl von Kokospalmen. Palmöl ist nicht nur in Seife drin, sondern in vielen anderen Produkten. Der Bedarf daran wächst stetig, hat sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Das Ergebnis: Rodungen und Monokulturen. Um das zu vermeiden achten Sie am besten darauf, dass das Palmöl aus nachhaltiger Produktion stammt oder die Seife Olivenöl enthält.

Marcus Gast vom Umweltbundesamt beurteilt, wie belastend die Inhaltsstoffe von Waschmitteln für die Natur sind. Für Tenside gibt er grünes Licht – sie schaden der Umwelt weniger, denn Tenside sind biologisch abbaubar. Gilt das auch für Farb-, Duft – und Konservierungsstoffe? Und was ist mit dem umstrittenen Mikroplastik? "Mikroplastik ist wie alle Kunststoffe schwer in der Umwelt abbaubar. Er reichert sich dort an, es gibt teilweise Effekte auf Wasserorganismen. Viele Farbstoffe sind zum Teil schlecht biologisch abbaubar und können auch in den Gewässern inzwischen nachgewiesen werden. Entscheidend ist eigentlich die Gesamtbelastung des Abwassers mit den Stoffen und weniger welche Stoffe es insgesamt sind. Seife sollte eben nur in dem Maß verwendet werden, wie sie gebraucht wird und das geht mit einer festen Seife am einfachsten", sagt Marcus Gast. Ein Stück feste Seife hält übrigens rund doppelt so lange wie eine Flasche Flüssigseife. Weniger Verpackung braucht sie auch - ein weiteres Plus für die Umwelt.
Bei Inhaltsstoffen und Umwelt liegt feste Seife damit klar vorn. Bei den Kosten übrigens auch: Je nach Produkt kostet sie nur etwa die Hälfte.

Autorin: Katrin Linke

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 21.03.2019, 20:15 Uhr